Siegfriedskopf muss weichen

4. Juni 2003, 14:33
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Umstrittenes Denkmal erhält auf Grund der Umgestaltung der Aula der Uni Wien neuen Standort - Ausschreibung erfolgt in Kürze

Wien - Die Tage des umstrittenen Denkmals "Siegfriedskopf" im Zentrum der Aula des Hauptgebäudes der Universität Wien scheinen gezählt. "Die Universität Wien ist entschlossen, die Aula und den Arkadenhof neu zu gestalten", erklärte Rektor Georg Winckler am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. In den nächsten Tagen bis Wochen werde eine Ausschreibung für die Neugestaltung veröffentlicht. Dabei gehe es darum, die Denkmäler in Aula und angrenzendem Arkadenhof anders auf- und darzustellen und damit "die Botschaft, die von diesen Denkmälern ausgeht, zu ändern".

Bretter vorm Kopf

Der "Siegfriedskopf" wurde am 9. November 1923 in der Aula der Uni Wien von der "Deutschen Studentenschaft" als Gefallenendenkmal aufgestellt. Der Marmorsockel trägt u.a. die Inschriften "Ehre, Freiheit, Vaterland" und "Errichtet von der Deutschen Studentenschaft und ihren Lehrern". Diese Gruppe war seit 1919 der Dachverband aller reichsdeutscher, sudetendeutscher und österreichischer Studenten, die Mitgliedschaft an "deutsche Abstammung und Muttersprache" gebunden. Nach Ansicht der Burschenschafter handelt es sich beim Siegfriedskopf ausschließlich um ein Heldendenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Gegner sehen darin allerdings ein Symbol für rechtes und rechtsextremes Gedankengut an den Unis. Das Denkmal war und ist deshalb immer wieder Grund für Auseinandersetzungen und Ziel von Beschädigungen. Derzeit ist es mit einem Bretterverschlag verhüllt. 1990 hatte der Senat der Uni Wien bereits beschlossen, den Kopf vom zentralen Platz in der Aula in den Arkadenhof zu verlegen, scheiterte mit dem Vorhaben aber am Widerstand des Bundesdenkmalamts.

Rektor: Eindruck, dass die Zeit stehen geblieben ist

Für Winckler hat man derzeit in der Aula den Eindruck, dass die Zeit stehen geblieben wäre in den hitzigen Auseinandersetzungen der zwanziger und dreißiger Jahre. Veränderungen seien aber auch notwendig, weil die Funktionalität der Aula nicht gegeben sei und Sicherheitsstandards nicht erfüllt würden. So dürfe der Portier nicht in einem Verschlag in der Ecke der Aula ohne Übersicht sitzen, sondern solle zentral die Halle überblicken können. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Siegfriedskopf mit abgeschlagener Nase

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