Warnung vor atomarer Verseuchung Österreichs

4. Juni 2003, 19:07
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Greenpeace: Unfall in der Schweiz könnte noch bis in die Steiermark hinein Folgen zeigen

Wien - Einmal mehr warnt die Umweltorganisation Greenpeace vor den Gefahren grenznaher Atomkraftwerke. Schon bei einem mittleren atomaren Störfall in einem Nachbarland könnten weite Teile Österreich durch radioaktiven Fallout verseucht werden. Die aktuelle Wetterlage überwiegt dabei den Faktor Entfernung.

Bedrohungsszenarien

"Es gibt keine sichere Entfernung zu Atomkraftwerken, wenn etwas passiert. Wie im Fall von Tschernobyl würde es auch bei Störfällen in Paks oder im deutschen AKW Biblis zu einer weiträumigen Verseuchung Mitteleuropas kommen," entwirft Greenpeace-Experte Erwin Mayer ein mögliches Bedrohungsszenario. Ein Unfall im Schweizer AKW Beznau würde Österreich bei entsprechendem Wetter bis in die Steiermark hinein in Mitleidenschaft ziehen, und eine Panne im ungarischen AKW Paks könnte zu einer Verseuchung des Burgenlandes und Wiens führen.

Ein Störfall im notorisch bekannten Temelin wiederum könnte die Evakuierung weiter Teile Nieder- und Oberösterreichs inklusive St.Pöltens notwendig machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die das Institut für Meteorologie und Physik (IMP) der Universität für Bodenkultur im Auftrag von Greenpeace erstellt hat.

Berechnungen

Das IMP ist für seine Berechnungen jeweils von einem mittleren Störfall (in einer Größenordnung von etwa 10-50 Prozent der beim Unfall von Tschernobyl freigesetzten Menge an Radioaktivität) und einer für die Jahreszeit repräsentativen Wetterlage ausgegangen.

Der Alpenraum wäre demnach besonders betroffen: Die Berge stellen oft eine Wetterscheide dar, je nach Windrichtung kommt es zu verstärktem Steigungsregen auf der Nord- oder der Südseite der Alpen - und es ist der Regen, der radioaktiven Fallout in den Boden gelangen lässt und so zu längerfristiger Verseuchung führen kann.

Schlussfolgerung

"Ein Unfall in einem AKW in der Nachbarschaft würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer radioaktiven Belastung Österreichs führen, die das Ausmaß der Verseuchung nach Tschernobyl übersteigt", resümiert Mayer. Greenpeace wünscht sich daher rege Beteiligung beim Anti-AKW-Volksbegehren vom 10. bis 17. Juni und fordert die österreichische Bundesregierung auf, in Brüssel einen strikten Anti-Atomkraft-Kurs zu vertreten. (red)

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    foto: derstandard.at
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