Lautstarker Protest, geringer Schaden

4. Juni 2003, 13:32
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Wirtschaftskammer und Industrie gehen von Streikkosten zwischen 20 und 100 Millionen Euro aus

Wien - Die Streiks und Aktionen am gestrigen Dienstag haben die heimische Volkswirtschaft offenbar weniger gekostet als zuvor befürchtet. Die Wirtschaftskammer beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden mit weniger als 100 Mio. Euro, auf eine ähnliche Einschätzung kommt die Industriellenvereinigung, die sich am Mittwoch zunächst aber auf keine umfassende Zahl einlassen wollte.

Sichtlich erleichtert

Die bei weitem höchste Einschätzung kommt vom Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider. Die Einbußen aus den Streiks vom 3. Juni lägen "alle Folgekosten eingerechnet "zwischen 400 und 500 Mio. Euro, erklärte Schneider am Mittwoch der APA. Wifo-Chef Helmut Kramer hatte bereits am Vortag die Kosten mit lediglich 20 bis 30 Mio., jedenfalls aber weniger als 50 Mio. Euro beziffert.

Aus Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV) war am Mittwoch - gedämpft aber doch - Erleichterung über das letztlich überschaubare Ausmaß der Kampfmaßnahmen gegen die Pensionsreform zu hören. "Im Großen und Ganzen recht zivilisiert", lautete eine Einschätzung, eine andere Stimme sprach von einer "Haltung mit Augenmaß in den meisten Betrieben". Offizielle Stellungnahmen wurden zunächst keine gegeben.

Unterschiedliche Konsequenzen

Die Betriebe selbst sind freilich in sehr unterschiedlichem Ausmaß getroffen worden. Hohe Kosten fallen beispielsweise an, wenn teure Papiermaschinen nicht laufen können. So beziffert allein die Sappi-Gratkorn ihre am gestrigen Dienstag entstandenen Produktionsausfälle mit 800.000 Euro. Die steirische Industriellenvereinigung schätzt die in ihren Mitgliedsbetrieben angefallenen Schäden auf etwa 10 Mio. Euro.

In zahlreichen Unternehmen wird in den nächsten Tagen und Wochen - in Absprache mit dem Betriebsrat - die ausgefallene Produktion wieder ausgeglichen. In einigen Firmen wie dem Fiat-GM-Motorenwerk in Wien-Aspern sind sie teilweise schon vorher eingearbeitet worden. Opel Austria Powertrain hat nach eigenen Angaben am Dienstag eine halbe Schicht - an die tausend Motoren und Getriebe - verloren. (APA)

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