"Er hat mich sosehr belogen - ich hätte ihn erwürgen können"

5. Juni 2003, 12:03
28 Postings

"Er hatte tatsächlich Sex mit Lewinsky" - Erste Auszüge der Abrechnung von Hillary Clinton mit Bill schlagen bereits im Vorabdruck hohe Wellen

Wien - "Er hat mich sosehr belogen", "Ich hatte das Gefühl, kaum noch atmen zu können", beschreibt die ehemalige First Lady den Augenblick als die Wahrheit nach monatelangen Leugnen ans Tageslicht kam. "Er hatte tasächlich Sex mit Lewinsky - Ich fing an zu weinen und schrie: "Was meinst du damit? Was sagst du da? Warum hast du mich angelogen?"

Clintons erzählen, was die Kennedys verschwiegen

Das ist nur einer der wenigen Auszüge aus den Memoiren von Hillary Clinton, die bisher an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Der Verleger - Simon & Schuster hüllt sich in Schweigen über den Inhalt des Buches und macht es damit umso spannender. Es sei kein oberflächliches Geplapper von einer Frau wie Hillary zu erwarten, verkündet auch ihr Public-Relations-Manager. Was die Amerikaner über das geheime Liebesleben von Präsident Kennedy schon immer wissen wollten bietet nun die Geschichte des Ehepaares Clinton. Das Interesse und die Hysterie in Amerika um das Buch sind in jedem Fall rekordverdächtig.

Die ganz Welt glaubte daran

Noch fünf Tage - am 9. Juni werden wir mehr wissen.. - wie Bill seine Frau weiter belogen hat, als die ganze Welt bereits von der Affäre mit Hospitantin Monica Lewinsky überzeugt war. Unter dem Titel "Living History" erzählt Hillary ihre Enttäuschung und die Fassungslosigkeit nach Bill Clintons Bekenntnis in letzter Minute vor dem Untersuchungsausschuss. Das "Time Magazine" bezahlte stolze $100,000 für die ersten Vorabdrucke dieser Memoiren. Das erscheint nahezu wenig im vergleich zum Voraushonorar von 2,47 Millionen Euro für Hilary.

Zusammenzubleiben - die schwere Entscheidung

Mit ihrem Mann zusammenzubleiben, sei eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens gewesen, schreibt Clinton. Sie sei aber zu dem Schluss gekommen, dass sie ihn immer noch liebte. "Aber als Ehefrau hätte ich Bill erwürgen können." Seinem Geständnis sei monatelange Kälte zwischen den Eheleuten gefolgt, die sie am schlimmsten während eines Urlaubs unmittelbar nach seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss empfand. "Ich war kaum in der Lage, mit Bill zu sprechen, und wenn ich es tat, artete es in eine Schimpftirade aus."

Versöhnung mit Bill

Rückblickend glaubt Hillary Clinton, dass ihre Entscheidung, für den Senat zu kandidieren, die Versöhnung erleichtert habe. "Bill und ich konnten wieder über etwas anderes als die Zukunft unserer Beziehung reden. Mit der Zeit entspannten wir uns." Clinton ist seit Jänner 2001 Senatorin von New York, sie wurde vereidigt, als die Amtszeit ihres Mannes als Präsident zu Ende ging. Sie selbst hat eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 nicht ausgeschlossen.

Nichts zu Lachen

Aber nicht nur Bill Clintons Nerven werden gekitzelt auch George W.Bush hat wenig zu Lachen. Denn die Erscheinung fällt in die Anfangsphase des Wahlkampfes der Republikaner. Bush hat nach Meinung von Experten seinen Wahlkampf frühzeitig gestartet, um von den Kriegserfolgen zu profitieren. Das Buch das an die fetten Jahre der Clinton Ära erinnert kommt Bush wenig gelegen.

Bill schreibt seine Version

Und dem noch nicht genug - Angeblich schreibt auch der Ex-Präsident selbst derzeit an seiner Version seines Liebesabenteuers und dieses Buch soll dann mitten in der Wahlkampfphase im Herbst 2004 veröffentlicht werden.

Bereits jetzt ist fast sicher, dass Hillarys Abrechnung der Bestseller des Jahres wird. (APA/Reuters/red)

Hillary Clintons Memoiren mit dem Titel "Living History" (Gelebte Geschichte) beschreiben die acht Jahre der Clintons im Weißen Haus. Der 576 Seiten starke Band erscheint am Montag im Verlag Simon & Schuster
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.