Syrien: "Wir werden die Hisbollah weiter unterstützen"

4. Juni 2003, 15:08
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Staatspräsident Assad: Wenn Israel mit Syrien zufrieden ist, ist es auch die USA - "Roadmap" schiebe wichtigsten Probleme des Konfliks auf

Damaskus/Berlin - Syrien wird nach den Worten von Staatspräsident Bashar al Assad die libanesische Schiiten-Organisation Hisbollah ("Partei Gottes") ungeachtet amerikanischer Warnungen weiter unterstützen. "Wir haben den Amerikanern gesagt: Wenn Israel seine kontinuierlichen Provokationen und Aggressionen einstellt, wird die Hisbollah nichts mehr unternehmen. Das wurde uns von hochrangigen Hisbollah-Mitgliedern bestätigt. Sie haben nicht damit angefangen, sie haben nicht angegriffen, sondern nur auf den israelischen Angriff reagiert. Solange das so bleibt, werden wir die Hisbollah weiter unterstützen", betonte Assad in einem von der deutschen Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch-Ausgabe) veröffentlichten Interview mit der kuwaitischen Zeitung "Al Anbaa".

Hisbollah sei als Widerstandsbewegung auf libanesisches Territorium beschränkt

"Die Hisbollah ist eine libanesische Widerstandspartei, sie spielt eine politische Rolle, und dies ist eine rein libanesische Angelegenheit. Als Widerstandsbewegung ist ihre Rolle jedoch auf libanesisches Territorium beschränkt", sagte der syrische Präsident. Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte zuletzt die anderen antiisraelischen Kräfte im Libanon aufgerufen, sich zu bewaffnen, um einer israelischen Offensive die Stirn bieten zu können. Mit Ausnahme der vom Iran gesteuerten Hisbollah sind alle libanesischen Parteimilizen nach dem Ende des Bürgerkrieges (1975-90) entwaffnet worden.

Assad: "Amerika wird nur dann mit Syrien und den anderen arabischen Ländern zufrieden sein, wenn Israel mit ihnen zufrieden ist. Israel hat in den USA eine starke Position. Wir haben Washington klarzumachen versucht, dass der Streit zwischen unseren beiden Staaten im Interesse Israels ist. Die Israelis halten unser Land besetzt, und Syrien muss seine Interessen verteidigen. Die USA sind eine einflussreiche Macht, die Beziehungen müssen daher direkt sein, nicht vermittelt durch Israel."

Israelische Aggression stelle eine Gefahr für Libanon und Syrien dar

Zur syrischen Militärpräsenz im Libanon sagte Assad: "Die Libanesen betrachten die syrische Anwesenheit nicht als Besatzung. Der Libanon ist ein arabisches Nachbarland, und über die Grenze hinweg gibt es familiäre Bindungen und gemeinsame Interessen. Syrien betrachtet den Libanon als unabhängigen Staat. Doch die israelische Aggression stellt eine Gefahr sowohl für den Libanon als auch für Syrien dar, das ist eine unserer gemeinsamen Interessen."

Außenamtssprecherin im taz-Interview

Die syrische Spitzendiplomatin und Außenamtssprecherin Buthaina Shaaban sagte in einem Interview für die deutsche "tageszeitung" (taz) (Mittwoch-Ausgabe), durch den Nahost-Friedens-Fahrplan würden die wichtigsten Probleme des Nahost-Konfliks aufgeschoben. "Alle arabischen Staaten sagen, sie wollen Frieden, wenn Israel die von ihm 1967 besetzten arabischen Gebiete zurückgibt. Einmal ehrlich, das ist ein kleiner Preis für Israel, um Frieden zu erhalten. Ich verstehe nicht, wie man sich beschweren kann, dass die Araber keinen Frieden wollen. (...) Wenn Israel Frieden wollte, hätte es ihn schon vor Jahren haben können. Wenn es aber darum geht, den Arabern und Palästinensern eine Niederlage zu bereiten und so viele Zugeständnisse wie möglich aus ihnen herauszupressen, dann ist der bisherige Weg der richtige. Israel ist die stärkste Militärmacht in der Region. Aber ich glaube nicht, dass man Probleme langfristig mit Gewalt lösen kann." (APA)

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    Eine Reklametafel des syrischen Präsidenten Assad in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

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