IAEO-Waffeninspektoren untersuchen Atomanlage im Irak

4. Juni 2003, 14:56
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Diebstahl und Missbrauch von radioaktivem Material wird befürchtet

Wien - Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) werden im Irak eine Atomforschungsanlage untersuchen. Die Anlage El Tuwaitha südlich von Bagdad war von den US-Streitkräften nicht ausreichend gesichert und daher geplündert worden. Die IAEO befürchtet, dass auch radioaktives Material gestohlen worden sein könnte. Die Inspektoren fliegen heute nach Kuwait und am Freitag in den Irak.

Die IAEO-Inspektoren kehren damit mehr als zwei Monate nach ihrem Abzug in den Irak zurück. "Wir sind für alle Atommaterialien in der Welt verantwortlich", betonte die Sprecherin der in Wien ansässigen Organisation. Das Forschungszentrum war die wichtigste Atomanlage des Irak. Sie ist seit dem Golfkrieg 1991 geschlossen.

Die IAEO habe eine genau Inventarliste und die Kontrollen könnten rasch erledigt werden, sagte Fleming. Der Aufenthalt der Inspektoren ist für zwei Wochen geplant.

Befürchtung, dass Diebe in El Tuwaitha radioaktives Material wie Uran gestohlen haben

Sieben Inspektoren wurden zunächst von der IAEO in den Irak entsandt, um die Atomforschungsanlage El Tuwaitha südlich von Bagdad untersuchen. Die Anlage war von den US-geführten Streitkräften zunächst nicht ausreichend gesichert und deswegen geplündert worden. Seitens der IAEO besteht die Befürchtung, dass Diebe radioaktives Material wie Uran gestohlen haben könnten.

IAEO-Chef Mohammed El Baradei hatte im Zuge des Irak-Kriegs in Schreiben an das Weiße Haus vor der Gefahr gewarnt, dass das atomare Material in falsche Hände gelangen könnte, und die USA aufgefordert, das Material im Kriegsfall entsprechend zu sichern. Doch seien diese Appelle seitens der USA unbeantwortet geblieben, verlautete aus Diplomatenkreisen. In der Anlage wurden rund 1,1 Tonnen an leicht- und hochangereichertem Uran, sowie mehrere Tonnen natürliches Uran gelagert.

Rückkehr der UNO-Atominspektoren wird von Russland begrüßt

Russland begrüßte die Rückkehr der UNO-Atominspektoren. Die IAEO sei die einzige Organisation mit der Fähigkeit, Staaten auf die Nicht-Weiterverbreitung von Atommaterial zu kontrollieren, erklärte das Außenministerium in Moskau. Die letzten UNO-Inspektoren hatten Irak kurz vor dem US-geführten Angriff am 20. März verlassen.

Die USA haben mittlerweile ein eigenes Team von Waffeninspektoren zusammengestellt, das im ganze Irak nach den mutmaßlichen Massenvernichtungswaffen forschen soll, die als prioritärer Kriegsgrund gegen das irakische Regime galten. Dem US-geführten Team sollen aber lediglich Experten aus Staaten angehören, die eine Pro-Krieg-Haltung vertraten, neben Amerikanern Briten und Australier. (APA)

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