Gericht: RAI muss Michele Santoro wieder eine Sendung geben

4. Juni 2003, 11:18
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Regierungskritischer Journalist durfte nach Intervention Berlusconis nicht mehr senden

Der staatliche italienische Fernsehsender RAI muss einem politisch links stehenden Kommentator, dessen Sendung nach Kritik von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an dem Journalisten abgesetzt wurde, wieder einen Sendeplatz einräumen (etat.at berichtete). Das entschied ein Richter am Arbeitsgericht in Rom, wie italienische Medien am Dienstag berichteten.

Acht Monate lang zur Hauptsendezeit

Demzufolge soll Michele Santoro mindestens acht Monate lang zur Hauptsendezeit eine Nachrichten-Show erhalten. Der konservative Regierungschef und Medienmogul Berlusconi hatte Santoro und einem weiteren Journalisten im vergangenen Jahr vorgeworfen, in "krimineller Weise" den mit öffentlichen Geldern finanzierten Sender für die Darstellung ihrer eigenen politischen Positionen zu nutzen. RAI hatte daraufhin Santoro vom Sender genommen.

"Einschränkung der redaktionellen Freiheit"

Die Kritik des Regierungschefs und reichsten Mannes Italiens an den beiden Journalisten hat die Debatte um den Einfluss Berlusconis auf die Medien des Landes weiter angeheizt und Forderungen nach einer Auflösung des Interessenkonflikts per Gesetz lauter werden lassen.

RAI-Präsidentin Lucia Annunziata kritisierte das Urteil von Arbeitsrichter Massimo Pagliarini und sprach von einer Einschränkung der redaktionellen Freiheit des Senders. Sie deutete an, eine Möglichkeit finden zu wollen, die sowohl den Sender als auch Santoro zufrieden stelle. (APA/AP)

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