Ultraorthodoxer wird Bürgermeister von Jerusalem

4. Juni 2003, 11:17
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Uri Lupolianski zum Nachfolger Olmerts gewählt

Jerusalem - Erstmals in der Geschichte Jerusalems ist ein ultraorthodoxer Politiker zum Bürgermeister gewählt worden: der 51-jährige Uri Lupolianski erhielt nach dem am Mittwoch kundgemachten amtlichen Wahlergebnis 52 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Sein Hauptkonkurrent, der 43 Jahre alte säkulare Kandidat Nir Barkat, der mit seiner Computer-Firma zum Millionär wurde, kam auf 43 Prozent.

Lupolianski, der der ultrareligiösen Partei "Vereinigtes Thora-Judentum" angehört, tritt die Nachfolge des Likud-Bürgermeisters Ehud Olmert an, der im Jänner als Handels- und Industrieminister in das Kabinett seines Parteifreundes Ariel Sharon eingetreten war. (Olmert hatte 1993 den langjährigen Bürgermeister Teddy Kollek von der Arbeiterpartei abgelöst).

Lupolianski amtierte bereits seit Februar als Interims-Bürgermeister. Er sprach sich zuletzt gegen die Errichtung neuer jüdischer Siedlungen in dem von Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzten arabischen Ostteil der Stadt aus, der von den Palästinensern als Hauptstadt ihres künftigen Staates beansprucht wird. Die Annexion Ostjerusalems durch Israel ist völkerrechtlich unwirksam. Von den mehr als 670.000 Einwohnern Gesamtjerusalems sind 456.000 Juden und 215.000 Araber.

Die Vereinten Nationen haben die Proklamation Jerusalems zur "ewigen und unteilbaren" Hauptstadt Israels durch das israelische Parlament für "null und nichtig" erklärt. Völkerrechtlich ist Jerusalem nach wie vor besetztes Gebiet, das nicht zu Israel gehört. Sämtliche Staaten haben deshalb ihre Botschaften in Tel Aviv.

In der nordisraelischen Hafenstadt Haifa, wo am Dienstag ebenfalls gewählt wurde, heißt der neue Bürgermeister Jona Lahav. Der frühere Parlamentsabgeordnete der Arbeiterpartei setzte sich mit 52 Prozent gegen seinen Herausforderer vom rechtsgerichteten Likud-Block, den pensionierten General Shmuel Arad, durch. Lahav trat an der Spitze einer Liste an, der auch die an der Regierung Sharon beteiligte liberal-säkulare Zentrumspartei Shinui von Vizepremier Tommy Lapid angehörte. Die offizielle Kandidatin der Arbeiterpartei, Aliza Shinhar, hatte sich am Samstag aus dem Rennen zurückgezogen und zur Wahl von Lahav aufgerufen. (APA)

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