"Armageddon": Kassandrarufe gegen Stau

3. Juni 2003, 19:37
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Wo Stau gepredigt wird, findet er selten statt

Wien - Vorhergesagte Katastrophen finden nicht statt. Dass gilt auch für angesagte Verkehrsinfarkte: Egal ob beim "Flyover" auf der Südosttangente, der Sperre von Brücken oder Gürtelunterführungen oder - wie nun zum zweiten Mal - dem streikbedingten Ausfall aller öffentlichen Verkehrsmittel: Wo im Vorfeld des Ereignisses der GAU, der Stau, der Stillstand - kurz das Mobilitäts-Armageddon - gepredigt wird, dort wird dann kaum gestaut.

Dass dahinter System stecken könnte, geben Verkehrspolitiker nur unter Androhung von Folter zu: "Wir haben gelernt, dass es hilft, die Szenarien möglichst furchtbar auszumalen", rutscht da einem Sprecher von Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) heraus, wenn er über die Lenkbarkeit des "Homo sapiens automobilicus" räsoniert.

Wiens Baustellenkoordinator Norbert Berger versucht, das Phänomen positiv zu formulieren: In den letzten Jahren habe man im Vorfeld von Baustellen auf " noch umfassendere Information als früher" gesetzt - das Resultat sei oft "verblüffend".

Vor der uneingeschränkten Anwendung solcher Szenarien warnen aber alle Experten: Mit der Wiederholung verlöre die Armageddon-Methode an Glaubwürdigkeit - und irgendwann stünden dann wohl tatsächlich alle im angekündigten Stau. (rott/DER STANDARD, Printausgabe 04.06.2003)

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