Vermittler Bush

3. Juni 2003, 18:00
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Die Friedensinitiative der USA baut auf einem Krieg auf - Von Markus Bernath

George W. Bush hat seinen ersten Auftritt in Nahost aus einer Position einer bis dahin nie erreichten Stärke der USA in der Region bestritten: Erstmals haben die Vereinigten Staaten mit dem Irak ein zentrales arabisches Land eingenommen, das sie nun selbst verwalten; gestärkt durch den Kriegs^erfolg, können sie Syrien militärisch sowie Jordanien und Ägypten bei missliebigem Verhalten mit Streichung der vitalen Wirtschaftshilfe drohen; einen "Regimewechsel" bei den Palästinensern haben die USA gemeinsam mit Israel halbwegs erreicht; auf eine strategische Partnerschaft mit Saudi-Arabien sind sie nicht länger angewiesen; Gaddafis Libyen spielt keine Rolle mehr - die Gäste beim Nahostgipfel im ägyptischen Sharm el- Sheikh hat sich der US-Präsident selbst auswählen können.

Alle wissen: Der Nahostkonflikt hat den Wahl-Texaner Bush nie interessiert. Weil er 30 Monate nach seinem Amtsantritt Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern zu seinem persönlichen Anliegen erklärt hat, findet er nun zumindest bei den Staats- und Regierungschefs der Region umso mehr Gehör. Bushs Kokettieren mit der Bodenständigkeit ("Ich bin die Art von Mensch, der meint, was er sagt") und die harte Rhetorik seiner Regierung haben schon bei anderen Gelegenheiten - etwa im Dialog mit Peking - Eindruck geschunden. Weil sich der US-Präsident in zweieinhalb Jahren Amtszeit auch so stark auf die Seite Sharons lehnte, hat er paradoxerweise in der Stunde seiner Nahostinitiative mehr Spielraum gewonnen und stellt mit einem Mal Forderungen an Israels Regierung.

Wie bei der Nahostkonferenz von Madrid 1991 baut die Friedensinitiative der USA auch dieses Mal auf einem Krieg auf. Der Weg zum Frieden in Nahost führe über Bagdad, haben Bushs Neokonservative behauptet. Aus dem deklaratorischen Dunst seiner Berater muss Bush nun heraustreten und sich erstmals in seiner Präsidentschaft als Vermittler beweisen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2003)

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