Vertragsbruch käme Heineken teuer zu stehen

3. Juni 2003, 14:49
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"Eheverfehlung" mit dreistelligem Millionenbetrag pönalisiert - Büche von hoher Zustimmung zu Mehrheitsverkauf selber überrascht

Leoben/Göss - Der österreichische Braukonzern BBAG/Brau-Union hat sich massiv für den Fall abgesichert, dass der künftige Mehrheitsaktionäre Heineken den die "Bierhochzeit" begleitenden Vertrag nicht einhalten würde. Sollten die Niederländer den "Hochzeitsvertrag" (Central Eastern Brewers Agreement, CEBRA) brechen oder aufweichen, käme sie dies teuer zu stehen. Dies wurde am Dienstag bei der Hauptversammlung der Brau-Union in Leoben deutlich. Vorstandschef Karl Büche ist aber überzeugt, dass es dazu nie kommen werde.

Im Vertragswerk ist festgeschrieben, dass Heineken sämtliche Brauereien und Vertriebsfirmen in Zentraleuropa in die Brau-Union einbringt. Alle Aktivitäten in dieser Region werden in der Brau-Union AG mit Sitz in Österreich gebündelt. Sie ist als Heineken-Teilkonzern für Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Mazedonien, Bosnien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Slowenien und Albanien zuständig.

Hohe Pönale

Kleinaktionäre befragten Konzernchef Büche heute nach Details der vertraglichen Absicherung. Sollte Heineken etwa seine Ost-Assets nicht einbringen, würde ein Pönale in bis zu dreistelliger Millionen-Euro-Höhe fällig, bestätigte Büche am Dienstag.

Dies gelte aber nicht nur für die Einbringung von Heineken-Assets in die künftige Brau-Union neu, ein derartiges Pönale würde auch im Fall anderer Vertragsabweichungen fällig. Festgelegt sei u.a., dass die Brau-Union eine österreichische Aktiengesellschaft ist und ihren Sitz in Österreich hat. Damit ist garantiert, dass die Osteuropa-Aktivitäten auch für alle Zukunft bei der österreichischen Gesellschaft liegen. Eine solches Pönale wäre für "österreichische wohltätige Zwecke gewidmet", wobei Büche aber darauf Wert legte, dass es sich dabei nur um einen Mechanismus zur Einhaltung der Vereinbarungen handelt, der wohl nicht schlagend würde.

Bei der heutigen Hauptversammlung kam etwas Wehmut zutage, dass - nach erfolgreichen Übernahmeangeboten - die Aktien von BBAG und Brau-Union in Wien von der Börse abgehen werden. Büche und Brau-Union-Aufsichtsratspräsident Fritz Kretz betonten, dass die bisherigen Aktionäre ja zum Teil wieder in die "künftig wohl attraktivste internationale Bieraktie (Heineken)" reinvestieren könnten. Zum anderen werde das Geld zweifellos eine Wiederveranlagung in anderen Werten an der Wiener Börse suchen.

Büche erwartet Push für die Wiener Börse

Büche ist überzeugt, dass die Transaktion auch der Wiener Börse selber gut tut. Er sprach von den angekündigten Pflichtofferten für den Streubesitz von einem der fairsten Angebote, das es in der Geschichte des Wiener Kapitalmarkts je gegeben habe".

Zur Darstellung des Deals zog Büche heute Parallelen mit aktuellen politischen Entwicklungen: "Die heutigen Streiks machen uns keine Freude", betonte Büche, dessen Konzern am Dienstag in Österreich von den Protesten betroffen war. "Aber es geht um dasselbe Kernthema: Die langfristige Sicherung der Zukunftsvorsorge". Die BBAG/Brau-Union-Gruppe habe für sich diese Frage gelöst, "ohne Reform und damit auch zum Glück ohne Streiks".

Zuschlag für Bestbieter

Mit fünf Bierkonzernen, die in Europa von Bedeutung seien, hat der Vorstand verhandelt, Heineken war der Bestbieter. "Wir haben diese Entscheidung in einer Position der Stärke getroffen", betonte Büche. Die geplante Verschmelzung der Brauaktivitäten in Zentral/Osteuropa "ist nicht eine der unzähligen Fusionen von Verzweifelten, die keinen anderen Ausweg mehr sehen. Büche sprach von einer einer klassischen win-win-Situation. Die Brau-Union werde mit der "Heineken-Ostfusion" mit 26,6 Mio. Hektolitern doppelt so groß wie jetzt, die Spitzenmarken würden in das starke Vertriebsnetz des niederländischen Bierkonzerns integriert. Heineken wiederum werde mit der größten Akquisition in der eigenen Unternehmensgeschichte in diesem Markt alle Konkurrenten hinter sich lassen.

Als absoluten Verhandlungserfolg wertet der Vorstand in Österreich auch den vereinbarten Erhalt der Markenvielfalt. Damit wies Büche neuerlich Befürchtungen an diversen Bierstammtischen vor einem "Einheitsbier" zurück. "Ich darf versichern, keiner dieser Albträume wird Wirklichkeit werden". Und er sei stolz auf dieses Verhandlungsergebnis. "Unter den wenigen, die besonders laut Zweifel äußern, sind viele, die das ausschließlich im eigenen Interesse tun", glaubt Büche. "Gösser bleibt Österreichs bestes Bier", auch Zipfer, Kaiser, Puntigamer etc. würden ihren festen Platz behalten.

Für den Vertrag mit Heineken habe er, Büche, sehr viel Zustimmung von Mitarbeitern, Aktionären, Analysten und Kunden erhalten. "Diese breite Zustimmung war in diesem Ausmaß sogar für uns überraschend - untypisch für Österreich", räumt der Konzernchef vor den Aktionären ein. (APA)

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