28.000 Passagiere von Alitalia-Streik betroffen

3. Juni 2003, 14:47
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Staatsanwaltschaft startete Untersuchung wegen Protests der Flugbegleiter

Der vierstündige Streik des Alitalia-Personals und der Protest der Flugbegleiter, die sich seit Samstag reihenweise krankmeldeten, um gegen den Sanierungsplan der Fluggesellschaft zu protestieren, hat am Dienstag in Italien mehr als 28.000 Flugpassagiere betroffen. Nach Alitalia-Angaben wurden insgesamt 285 Flüge ausgesetzt. 60 davon mussten wegen Mangels an Flugbegleitern gestrichen werden.

Massive Proteste

Auf Grund der massiven Proteste wütender Passagiere, die Stunden lang in den Hallen der Flughäfen warten musste, leitete die römische Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein. Die Flugbegleiter verteidigten ihren Protest. "Dies ist unser einziger Weg, um die Streichung von rund 400 Arbeitsplätzen zu verhindern", sagte ein Sprecher.

"Man streikt nicht aus Spaß"

Der Alitalia-Streik wurde indirekt auch von Regierungschef Silvio Berlusconi kritisiert. "Jeder muss Verantwortung tragen, produktiv sein und nicht wegen Streiks von der Arbeit fern bleiben, die die Resultate der nationalen Wirtschaft belasten", sagte der Ministerpräsident. Seine Worte lösten eine entrüstete Reaktion der Gewerkschaften aus. "Man streikt nicht aus Spaß, sondern weil es konkrete Gründe gibt", betonte ein Gewerkschaftssprecher.

Streit mit den Flugbegleitern

Die Fluggesellschaft Alitalia hat die Hilfe der Regierung gefordert, um eine Lösung im Streit mit den Flugbegleitern zu finden, die seit vier Tagen gegen den Sanierungsplan der Airline protestieren. Auch der Generalstreik in Frankreich (von 6.00 bis 23.00 Uhr) belastet die Alitalia, die ein Partnerschaftsabkommen mit Air France hat.

Weniger Flugbegleiter

Die Flugbegleiter protestieren seit Samstag gegen den Beschluss des Alitalia-Chefs Francesco Mengozzi, ab dieser Woche die Zahl der Stewardessen und Stewards auf jedem inländischen sowie den innereuropäischen Flügen unter zwei Stunden von vier auf drei zu reduzieren. Wegen des anhaltenden Protests beschloss Mengozzi, vorerst darauf zu verzichten. Er unterstrich jedoch, dass Opfer notwendig seien, wolle die noch staatliche Fluggesellschaft die schwere Krise im Luftverkehr bewältigen. "Wegen des starken Gewinnrückgangs müssen wir die Kosten senken. Dieselbe Strategien haben auch alle anderen Fluggesellschaften ergriffen", so Mengozzi.

"Europäische Strategie" gefordert

Der Alitalia-Geschäftsführer forderte eine europäische Strategie zur Bewältigung der Krise, die den Flugverkehr erdrossle. "Nach dem 11. September 2001 hat die amerikanische Regierung einen Hilfsplan für die nationale Luftverkehrsbranche beschlossen. Europa hat dagegen nichts unternommen. Das Problem ist gravierend und muss auf kontinentaler Ebene in Angriff genommen werden", sagte Mengozzi im Interview mit der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" (Dienstagsausgabe).

Am Mittwoch ist ein Treffen zwischen den Gewerkschaften und dem Alitalia-Management im Verkehrsministerium geplant. Die Regierung will im Streit vermitteln. (APA)

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