Der Schein trügt

4. Juni 2003, 12:02
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Die Gewinne der amerikanischen Unternehmen sind nicht so gut, wie es auf den ersten Blick scheint

Qualität der Q1 Gewinne nicht ausreichend

„Die Gewinne der amerikanischen Unternehmen im ersten Quartal 2003 waren durchwegs gut“, beginnt Sheryl Hempel ihre Ausführungen über die amerikanische Börsenlage. „Der Knackpunkt ist aber die Qualität der Gewinnzahlen, welche vor allem durch einmalige Kosteneffekte und den schwachen US-Dollar beeinflusst worden sind“, schränkt die Fondsmanagerin mit dem Blick auf die fehlende Nachhaltigkeit dieser Effekte ein. Ein gesundes Wachstum sehe anders aus: „Preis- oder Absatzerhöhungen haben wir kaum gesehen“.

Ausblick unrealistisch

Weiters verspricht der Ausblick nichts Gutes: „Viele Unternehmen, versprechen sich durch ein hervorragendes viertes Quartal noch ein gutes Jahr 2003. General Electric erwartet sich etwa eine Gewinnsteigerung von 40 Prozent im letzen Quartal, davon gehen wir aber nicht aus“, stellt Hempel fest. Generell seien die Analystenschätzungen für die Gewinnsteigerungen der S&P 500 Firmen von 14,7 Prozent im Juni 2002 auf 8,7 Prozent p.a. aktuell zurückgegangen. Ein realistisches Bild zeichnen diese Zahlen aber immer noch nicht, so Hempel.

Fonds weiter vorsichtig positioniert

Dies ist auch der Grund, warum ihr Fonds, der Credit Suisse Equity Fund USA, in diesem Jahr hinter der Benchmark, dem S&P 500, zurücklegt. „Wir sind bei weitem nicht so optimistisch wie die meisten und haben an der letzten Rally deswegen nicht voll teilgenommen“, erklärt Hempel. Vor allem Aktien aus dem Bereich TMT und Financials meidet sie bzw. hat sie in die Kursanstiege hinein verkauft.

Konsument hat sich vorausgabt

Zusammen mit einem weiterhin relativ hohen Ölpreis, der nicht abgeflauten Bedrohung durch Terrorismus und Deflationsangst geht sie für das Gesamtjahr 2003 maximal von einer schwachen Erholung aus. Auf Branchenebene setzt Hempel auf Industriewerte und Konsumgüter. Gemieden werden aktuell TMT und Finanzwerte, da die Konsumenten mit Hilfe überzogener Kreditkartenkonten, einfach zu viel ausgegeben hätten.

Wohin fließt der Cash?

Ein Problem der amerikanischen Firmen spricht Hempel dann noch an: die Unterdeckung der Pensionskassen. „320 der 500 im S&P enthaltenen Firmen leiden unter diesem Problem und müssen dieser gesetzlichen Verpflichtung zur Deckung nachkommen.“ Der Cash fließt deswegen also, wenn er denn erwirtschaftet wird, in diesen Topf und danach in die Tilgung der Fremdmittel um das Rating zu verbessern. Stichwort: fallen angels.“ Für Investitionen bleibe da wenig über, was über den Multiplikatoreffekt natürlich gewaltig auf die Gesamtkonjunktur drücke. (e-fundresearch.com)

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