Auf der Suche nach Talenten

3. Juni 2003, 12:13
posten

Das, was dem Autohandelskonzern Porsche fehlte, war ein ausreichend großer Pool von begabten Führungskräften - Nach einem umfassenden Personalentwicklungsprogramm identifizierte man viel versprechende Kandidaten und entwickelte sie weiter - Teil 22

"Unsere Wachstumsmöglichkeiten waren allein durch Management-Ressourcen limitiert", erklärt Kurt Loidl, Geschäftsführer der Porsche Holding, das Problem, vor dem der Autohandelskonzern noch vor einem Jahr stand.

Das in Salzburg ansässige Unternehmen beschäftigt 13.000 Mitarbeiter, ist in zehn europäischen Ländern vertreten und erwirtschaftete zuletzt mit mehr als 350.000 verkauften Neu- und Gebrauchtwagen einen Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro. "Durch das starke Wachstum brauchten wir einen ständigen Nachschub an Führungskräften aus den eigenen Reihen", so Loidl.

Welche Potenziale in den einzelnen Mitarbeitern schlummern und wer in nächster Zukunft Führungsverantwortung übernehmen sollte, fand das Management mit Unterstützung der Organisationsberatung OSB International heraus: "Mit einem maßgeschneiderten Personalentwicklungsprogramm wurden Talente im Unternehmen aufgespürt und weiterentwickelt. Die Intention dahinter war es, eine fundierte systematisierte Personalentwicklung aufzubauen", so OSB-Projektleiterin Christa Berger.

Ablauf in drei Phasen

Im ersten Schritt galt es, die Potenziale von Führungskräften zweiter Ebene nach einheitlichen Messkriterien zu ermitteln. 120 Manager absolvierten mindestens drei Potenzialeinschätzungstests, die danach in Einzelsitzungen mit der Beraterin besprochen wurden. Dabei sollte auch gleich eine "gemeinsame Sichtweise" auf relevante Führungsdimensionen entwickelt werden. Nebeneffekt: Die Ergebnisse boten eine Standortbestimmung für das eigene Führungsverhalten.

In der zweiten Phase nahmen rund 300 Personen aus Österreich und aus den südosteuropäischen Porsche-Unternehmen an der Potenzialerhebung teil. Diese absolvierten ebenso einen der oben genannten Diagnosetests, den computergestützten CAPTain-Test, der 38 Dimensionen in den Bereichen Arbeitsleistung, Führungseigenschaften, Entscheidungsfindung, Persönlichkeit, Teamverhalten und Basisbereiche misst. Anschließend gaben die externen Berater den Teilnehmern in einem Vieraugengespräch Rückmeldung. Ein Orientierungsgespräch mit den jeweiligen Vorgesetzten folgte.

Heute bekommen die begabten Kandidaten ein auf den Leib geschnittenes Weiterbildungsprogramm, das von der Rhetorik- bis zur Finanzausbildung reicht. Somit ist die dritte Phase des Projektes eingeläutet, das so genannte "Management-Development-System", das auf zwei Säulen fußt: Kandidaten für Geschäftsführer- oder Hauptabteilungsleiterfunktionen erhalten die Chance für ein spezielles Aufbauprogramm. Kandidaten für Abteilungsleiterfunktionen lernen in erster Linie "on the job".

MBA für High Potentials

"Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem wir High Potentials individuell fördern - zweien davon ermöglichten wir, einen MBA zu absolvieren", konstatiert Loidl.

Eine Weiterentwicklung auf gleicher Ebene ist aber ebenso möglich - dafür werden entsprechende Programme zum Thema Führung angeboten. Daran nehmen auch alle teil, die im ersten konzernweiten Auswahlverfahren noch nicht für Entwicklungsprogramme nominiert werden konnten.

"So gehen wir sicher, dass wir die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Platz haben", erklärt Paul Gahleitner, der für die Personalentwicklung bei der Porsche-Holding zuständig ist. Die "richtigen" Leute, ergänzt Geschäftsführer Loidl, seien vor allem jene, die einen Sinn für pragmatische Lösungen und eine hohe Begeisterung fürs Produkt haben.

Flexibilität

Mithilfe dieses Programms sollte es Porsche auch gelingen, alljährlich Führungskräfte heranzubilden, auf die bei neue Aufgaben im In- und Ausland prompt zurückgegriffen werden kann. "Die Gesamtkosten für Weiterbildung und Schulungen betragen konzernweit fünf Millionen Euro pro Jahr. Auf den einzelnen Mitarbeiter, also vom Mechaniker bis zur Führungskraft, kommen jährlich etwa 500 Euro", so Gahleitner.

In weiteren Schritten sollen auch die ausländischen Porsche-Tochterunternehmen in diese Maßnahmen eingebunden werden. "Karrierewege sollen quer durch alle Geschäftsbereiche und alle ausländischen Unternehmen führen", erläutert Loidl die Vision seines Personalentwicklungsansatzes. Und resümiert: "Wir fördern somit unternehmensweit ein gesamtheitliches Denken ohne Scheuklappen." (Silvia Stefan, DER STANDARD, Printaustgabe, 31.5./1.6.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Christa Berger, Beraterin bei OSB Wien Consulting mit Paul Gahleitner, Personalentwickler bei Porsche (li.) und Kurt Loidl, Geschäftsführer der Porsche Holding
    foto: porsche

    Christa Berger, Beraterin bei OSB Wien Consulting mit Paul Gahleitner, Personalentwickler bei Porsche (li.) und Kurt Loidl, Geschäftsführer der Porsche Holding

Share if you care.