Gespanntes Warten in Graz

27. August 2003, 18:10
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"Aufatmen können wir erst, wenn auch die Landung in der Tiefebene Isis Planitia geglückt ist"

Graz - Angespannte Stimmung herrschte Montagabend am Institut für Weltraumforschung (IWF) in Graz während der Live-Übertragung des Starts der europäischen Raumsonde Mars-Express. "Aufatmen können wir erst, wenn auch die Landung in der Tiefebene Isis Planitia geglückt ist und die ersten Daten vom Mars geliefert werden", so Helmut O. Rucker, Leiter der IWF-Abteilung für Physik des erdnahen Weltraumes.

Nicht zuletzt sollen die erfassten Daten auch wichtige Informationen für das Grazer Weltraumsimulationslabor liefern. Das Institut in Graz ist eines der wenigen Laboratorien, die als "Anerkannte Kooperativer Laboratorien" (engl.: RCL) Mars-Express-Daten zur Verfügung gestellt bekommen.

Analyseziele

Ruckers Abteilung der Österreichischen Akademie der Wissenschaft betreibt theoretische und experimentelle Untersuchungen im Bereich der Planetenforschung (Magnetosphären-, Ionosphären-, Atmosphärenphysik), der Kometen sowie der Radiostrahlung planetarer Magnetosphären und der Sonne. "Unter anderem wollen wir das Empfangsverhalten des Radarsystems, das Spuren von Wasser oder Eis detektieren soll, analysieren", so Rucker.

Mars Express hat aber auch die für exobiologische Experimente entwickelte Landesonde "Beagle 2" an Bord, deren Instrumente in Graz im so genannten Weltraumsimulationslabor auf ihre theoretische Tauglichkeit hin getestet wurden. "Wenn alles gut geht", so Rucker, werden diese High-Tech-Geräte im Dezember auf der Oberfläche des Mars aufsetzen, nach Spuren von Leben suchen, Proben von der Oberfläche und der Luft analysieren, Strahlung messen und Bilder zur Erde senden.

Bessere Wirklichkeitskonstruktion

Von der Mission erwartet man sich einen Erkenntnisschub über die Zusammensetzung der Mars-Oberfläche und -Atmosphäre, die u.a. auch dazu dienen, die bisherigen "Einstellungen" bei Mars-Experimenten im Simulationslabor zu kalibrieren. "Das ist eine einmalige Gelegenheit, um die aus vorhergehenden Untersuchungen gewonnenen Laboreinstellungen mit den realen Daten abzugleichen", so Günter Kargl vom Simulationslabor.

Zahlreiche internationale Wissenschafter nützen das Grazer Labor. "Es ist eigentlich nichts anderes als ein großer Kochtopf, in dem wir die Atmosphäre samt Temperaturen und Lichtspektrum von Kometen und Planeten simulieren können", so Kargl, um bestimmte Materialien unter den Bedingungen des Alls zu testen. Die Forscher interessieren neben Fragen der Materialfestigkeit im Weltraum vor allem die Überlebenschancen von Organismen unter Bedingungen, die denen auf dem frühen Mars gleichen.

Leben möglich

"Ein Forscherteam hat z.B. salzresistente Bakterien aus 250 Millionen Jahre alten Salzstöcken untersuchen lassen - und erstaunlicherweise unter 'Marsbedingungen' zu Aktivitäten anregen können. Eine andere Gruppe hat Teile von Aminosäuren unter simulierten Bedingungen getestet um zu sehen, wie sich das UV-Licht unter Weltraumbedingungen auswirkt: "Dabei hat sich gezeigt, dass gewisse UV-Bestandteile des UV-Spektrums die Aminosäuren schädigen, diese Schäden aber durch andere Spektren wieder geheilt werden können", so der Grazer Wissenschafter. (APA)

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