Togo: Präsident Eyadema vor Wiederwahl

2. Juni 2003, 22:23
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Opposition spricht von Wahlbetrug

Nairobi/Lomé - Bei den Präsidentenwahlen im westafrikanischen Staat Togo liegt Staatschef Gnassingbe Eyadema nach ersten Ergebnissen vom Montag vorn. Nach Auszählung von etwa der Hälfte der Wählerstimmen habe Eyadema 59 Prozent der Stimmen erhalten, sagte der Leiter der staatlichen Wahlkommission in der Hauptstadt Lomé. Der Kandidat der oppositionellen Union der Kräfte für den Wandel (UFC), Bob Akitani, habe nach den vorläufigen Zahlen 36 Prozent der Stimmen erhalten. Von den vier weiteren Oppositionskandidaten habe bisher keiner mehr als drei Prozent der Stimmen erhalten. Die Oppositionsparteien warfen der Regierung Wahlbetrug vor.

Bei den Wahlen am Sonntag waren rund 4,9 Millionen Togolesen aufgerufen, unter insgesamt sechs Kandidaten ihren neuen Staatschef zu wählen. Das endgültige Wahlergebnis wird erst Mitte der Woche erwartet.

Kritiker werfen Eyadema vor, die Oppositionsparteien im Wahlkampf der vorangegangenen zwei Wochen systematisch unterdrückt zu haben. Sein Hauptrivale, der Oppositionsführer Gilchrist Olympio, war von der Wahl ausgeschlossen worden. Die Wahlkommission hatte erklärt, er könne die nötigen Steuernachweise nicht vorlegen. Nach togolesischem Wahlrecht muss ein Kandidat mindestens ein Jahr vor der Abstimmung im Lande gelebt haben.

Olympio, Sohn des ersten Präsidenten Togos, Sylvanus Olympio, lebte jedoch im Exil in Ghana, seit er sich nach der vorangegangenen Wahl 1998 mit dem autoritären Präsidenten Eyadema überworfen hatte. Damals galt Olympio als eigentlicher Gewinner der offensichtlich zu Gunsten Eyademas gefälschten Abstimmung.

Erst eine Verfassungsänderung ermöglichte Eyadema, der eine Regierung der "nationalen Einheit" ankündigte, eine weitere Amtszeit. Der General, der sich 1967 an die Macht putschte, wurde 1993 und 1998 in umstrittenen Wahlen bestätigt. In diesem Jahr bescheinigten fast 200 internationale Wahlbeobachter einen fairen Wahlkampf. Die EU, die nicht vertreten ist, hatte Togo vor zehn Jahren ihre Unterstützung entzogen. (APA/dpa)

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    Eyadema, der sich 1967 an die Macht putschte, wurde 1993 und 1998 in umstrittenen Wahlen bestätigt

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