Von natürlich bis Hightech

2. Juni 2003, 20:57
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Präparate, die Hormone in mehr oder weniger geringen Dosen abgeben und entweder geschluckt oder eingesetzt werden oder auch chemische oder mechanische Barrieren - entscheidend für die Wahl eines Verhütungsmittels sind Verträglichkeit und Handling.

Der Lauf des Lebens bedingt, dass es außer der Enthaltsamkeit keine optimale Empfängnisverhütung gibt. Neben hormonell wirkenden Verhütungsmitteln mit unterschiedlichsten Formen und Verabreichungsmethoden und chemischen oder mechanischen Barrieren kommen auch so genannte "natürliche" Kontrazeptiva zum Einsatz. Wobei es in erster Linie darum geht, über den Zeitpunkt des Eisprungs Bescheid zu wissen.

Um die Belastung durch die Hormone, die von den hormonellen Verhütungsmitteln abgegeben werden, so gering wie möglich zu halten, müssen sie rasch ins Blut übergehen. Bei oral eingenommenen Mitteln ist die Hormondosis, um diese Wirkung zu erzielen, daher vergleichsweise hoch.

Beliebt, weil einfach

Neben den Kondomen zählt die Pille, vom in Wien geborenen Carl Djerassi 1960 "erfunden", zu den am häufigsten angewandten Verhütungsmitteln, weil sie trotz der Hormonbelastung als sehr sicher gilt. Das Präparat ist in unterschiedlichsten Varianten am Markt zu finden. Das in der Pille enthaltene Östrogen hemmt den Eisprung; Gestagen verändert den Schleim am Gebärmutterhals und in der Gebärmutter. Das hat zur Folge, dass sich kein Ei im Uterus einnisten kann. Ein Nachteil der Pille ist das erhöhte Risiko, an Infektionskrankheiten, Thrombose oder Herzinfarkt zu erkranken.

Hormone können auch unter die Haut gehen. Bei Implanon, das ausschließlich in der Arztpraxis erhältlich ist, handelt es sich um ein Kunststoffstäbchen in der Größe eines Streichholzes, das auf der Innenseite des Oberarmes direkt unter die Haut eingesetzt wird. Das Stäbchen enthält als Wirkstoff Etonorgestrel, der in kleinsten Mengen langsam und gleichmäßig freigesetzt wird - was die Hormonbelastung deutlich reduziert. Implanon ist dennoch relativ umstritten, da es, wie auf mehreren Seiten im Internet nachzulesen ist, unterschiedlichste unangenehme Nebenwirkungen hervorruft.

Klassiker

Wieso sich die Bezeichnung Spirale für den in vielen Fällen T-förmigen Klassiker aus Kunststoff durchgesetzt hat, ist nur schwer nachzuvollziehen. Es gibt zwei Grundtypen, entweder mit einer Kupferumwickelung, wobei Kupfer nach und nach in winzigen Konzentrationen abgegeben wird, oder aber hormonabsondernd, hier werden geringe Mengen Gestagen abgegeben. Früher wurde die Spirale während der Periode (mitunter auch unter Narkose) in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie, bei einer bewusst herbeigeführten lokalen Reizung der Gebärmutterschleimhaut, Hormone abgab. Die modernen Formen werden außerhalb der Gebärmutter ins Scheidengewölbe eingesetzt und geben dort niedrige Dosen von Hormonen ab, die das Aufsteigen der Spermien in die Gebärmutter verhindert sollen.

Auch der vor einem halben Jahr auf den Markt gekommene NuvaRing zählt zu den hormonell wirkenden Kontrazeptiva, dessen Wirkungsweise sich an jener der Spirale orientiert. Ins Scheidengewölbe eingesetzt gibt der Ring Hormone in kleinen Mengen lokal ins Blut ab. Wie andere Kontrazeptiva ähnlicher "Bauart" schützt der NuvaRing nicht vor Aids oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wenn auch die Verträglichkeit manchmal umstritten ist, verfügen die in den Körper eingesetzten Verhütungsmittel über zwei generelle Vorzüge: Die Hormonbelastung ist wesentlich geringer als bei den oral zugeführten Mitteln. Und es kann selbst bei Erbrechen nicht zu Einnahmefehlern kommen.

Eine der bekanntesten Barrieremethoden ist das Diaphragma, eine individuell angepasste, gewölbte Gummikappe mit einem Ring, die eingesetzt wird und bis zu 48 Stunden im Körper bleibt. Lea ist eine Weiterentwicklung des Prinzips aus Silikon, die nicht angepasst werden muss und in der Apotheke zu haben ist. Auch die Elektronik wird zur Verhütung eingesetzt. Vom Prinzip her sind es Messgeräte, mit denen entweder die Basaltemperatur oder die Hormonkonzentration gemessen wird. Bei Persona z.B. wird mithilfe eines Teststreifens die Konzentration zweier fruchtbarkeitsregulierender Hormone im Urin getestet. Fazit: nicht billig, aber natürlich.

Als "gefühlsechte" Verhütungsneuheit werden Latex-kondome für Frauen wie Femidom oder V-Amour bezeichnet. Es mag in Form und Handling gewöhnungsbedürftig sein, ist aber ebenso wie das Kondom für den Mann, ein wirksamer Schutz vor Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektion. (Genoveva Kriechbaum/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.6. 2003)

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