Viagra hat Gesellschaft bekommen

2. Juni 2003, 20:46
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Hormon-Gehilfen aus dem Labor

Es war purer Zufall, dass die erhebende Wirkung von Sildenafil, dem Viagra-Wirkstoff, entdeckt wurde. Gesucht wurde eigentlich nach einem gefäßerweiternden Mittel im Rahmen der Herzforschung, als einige Probanden über eine verlängerte Erektion berichteten, nachdem sie das Herzmittel genommen hatten.

Die Markteinführung von Viagra durch den Pharmakonzer Pfizer vor viereinhalb Jahren hat die globale Manneskraft nicht nur in körperlicher Hinsicht gestärkt. Das erste wirksame Potenzmittel in Pillenform hilft zunehmend auch bei der Überwindung jener psychischen Schwächefelder. In Österreich allein leiden geschätzte 700.000 Männer an Erektionsstörungen, erektiler Dysfunktion (ED).

Hinter dem Wirkstoff Sidenafil steckt ein Phosphodiesterase-Hemmer, der den Abbau von Stickstoffmonoxid verhindert. Da sich deshalb Blutgefäße nicht zusammenziehen können, wird dabei der Blutzufluss im Schwellkörper des Penis verbessert.

Vor allem bei herzinsuffizienten Patienten ist aber Vorsicht geraten. In Kombination mit Nitraten, die bei Angina pectoris beispielsweise angewandt werden, kann es zu einem lebensbedrohenden Blutdruckabfall kommen.

In der Zwischenzeit haben auch andere Pharmakonzerne vergleichbare Produkte entwickelt. Im Prinzip wurde die Wirksamkeit des Stoffes optimiert. Die Firma Bayer brachte Levitra auf den Markt, dessen Wirkstoff Vardenafil ein Derviat von Sildenafil ist. Eli Lilly setzt bei Cialis auf Tadalafil. Die Besonderheit an Cialis, das im Februar 2003 auf den Markt kam, ist seine lange Wirkungsdauer von bis zu 24 Stunden.

Mechanismus

Völlig anders funktioniert Uprima von Abbott. Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie langsam zergeht und den Wirkstoff Apomorphin freisetzt. Er soll weniger Nebenwirkungen haben und unterstützt die "Arbeit" von Dopamin, einem Nervenbotenstoff im Gehirn, wodurch die Reaktion auf sexuelle Erregung verstärkt wird. Die Wirkung soll bereits nach rund 20 Minuten einsetzen.

Alkohol und Essen sollen die Effizienz der genannten Produkte nur insofern beeinträchtigen, als dass ein wirklich fetter Schweinsbraten das Einsetzen verzögern kann. Generell gesprochen sind die Entwicklungen in diesem Bereich lange nicht abgeschlossen: Der Markt wartet mit offenen Armen und die Pharmaindustrie lässt auf Hochtouren forschen. (grido, ls/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.6. 2003)

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