Erdmöbel: "Altes Gasthaus Love"

    21. Oktober 2005, 16:00
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    Das fünfte Album des Kölner Sarg-Synonyms besticht durch liebevolle Sprachspielereien

    Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger und die Zeit der Sommerhits mit dem Allzeitthema Liebe bricht an. Doch neben all den belanglosen Eintagsfliegen, die die Charts bevölkern und nach ein paar Wochen - glücklicherweise - wieder in Vergessenheit geraten, finden sich auch hin und wieder echte Perlen, die wohl einige Sommer erleben werden - so auch das neueste Album von Erdmöbel.

    Ein "Sarg" für den schlechten Geschmack

    Die Kölner Gruppe rund um Texter und Sänger Markus Berges, benannt nach der volkstümlichen ostdeutschen Bezeichnung für Sarg, zeigt mit "Altes Gasthaus Love", dass sich intelligente deutsche Texte mit stimmungsvoller Musik und trotz dem beherrschenden Thema Liebe wohltuend von der Einheitskost der Mainstream-Schunkelmelodien in den Hitparaden abheben können.

    Aller Guten Dinge sind fünf

    Das mittlerweile fünfte Album von Erdmöbel, nach "Das Ende der Diät" (1996), "3 Singles 1999" (1999), "Erste Worte nach Bad mit Delfinen" (1999) und "Erdmöbel versus Ekimas" (2000) besticht durch liebevolle und intelligente Sprachspielereien, tiefgründige Texte und grandiose Melodien, ohne sich dabei jedoch in germanistik-studentischen Belehrungen und triefendem Pathos zu verfangen.

    Busfahrt mit Audrey Hepburn

    Aus den elf stimmungsvollen Titeln des Albums stechen drei Nummern besonders hervor. Einserseits das wundervolle "Dawai, Dawai" mit Textzeilen wie etwa "aus Versehen bist du frei / wie ein Luftballon" und "das Lied ist aus und sie steht da / lächelt irgendwie unabgetrocknet, als er sagt: / hey, du weinst ja". Andererseits, das - mittlerweile auch schon aus dem Radio bekannte - "In den Schuhen von Audrey Hepburn" mit der eingängigen Anfangsstrophe "mein Film beginnt / mit Abstand und Vorhang / das Licht geht an / eine geht durch den Gang / nicht Fee nicht Reh / aber durch das Foyer / in den Schuhen von Audrey Hepburn".

    Und last but not least "Busfahrt" - die Vertonung eines Prosawerks von Berges, das trotz seiner mehr als sechs Minuten Spielzeit durch Passagen wie "Nachdem sie gegangen war, stand ich vor dem Spiegel / und stellte mir vor, wie ich ausgesehen hatte / hinter der Anrichte beschäftigt damit / Butter und Marmelade zu portionieren" zu fesseln und zu unterhalten weiß und ein bisschen an Blumfeld erinnert.

    Für den Sommer und erst recht für den Winter

    Erdmöbel haben mit ihrem neuesten Album ihr wohl bestes Werk vorgelegt. Egal ob im Cabrio unter strahlendem Sonnenschein, im Stau, auf einer Gartenparty in einer lauen Sommernacht oder für die kalten Abende in der tristeren Zeit des Jahres - "Altes Gasthaus Love" sorgt für wohlige Stimmung und bringt Sonnenschein in die Herzen und den Kopf. Mit guter Laune, originellen Bilder und einer nahezu konkurrenzlosen Spielerei mit Sprache gelingt es Erdmöbel, der Tristesse des Alltags Paroli zu bieten und die Hörer in ihren Bann zu ziehen. "Scheiße ist es hier / aber schön mit dich, sagte sie / plötzlich lieb ich Nussbaumfurnier / o.k. dann bleiben wir, sagte er zu mir / plötzlich lieb ich dir / wir lachten mal / eine Nacht lang / in einem Vergnügungslokal mit Weinzwang" - mehr bleibt nicht zu sagen. (grex)

    • Erdmöbel: "Altes Gasthaus Love"
(Tapete Records/Indigo 2003)
      foto: erdmöbel

      Erdmöbel: "Altes Gasthaus Love" (Tapete Records/Indigo 2003)

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