Der größte Streik - von RAU

2. Juni 2003, 19:54
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"Der größte Streik der Zweiten Republik." Soll es zumindest werden. Frage: Leitet jetzt der größte Streik der Zweiten Republik endgültig das Ende derselben und den Übergang zur "Dritten Republik" ein? Erste Republik: Der Staat, den keiner wollte, scharfe soziale Auseinandersetzungen, hartes Lagerdenken, Bürgerkrieg. Von den Nazis (den österreichischen und den deutschen) mühelos abgemurkst. Zweite Republik: Händereichen über den Trümmern des Weltkrieges, nie wieder aufeinander schießen, der Geist der KZ-Lagerstraße, Sozialpartnerschaft, der Wohlfahrtsstaat wird im Kellerstüberl ausgeschnapst, aufgebaut und aufgeteilt, ewige große Koalition mit kürzeren Unterbrechungen. Dann Schüssels Wendeprojekt mit der FPÖ: Das Ende der Konsenspolitik, einseitig aufgekündigt von Schwarz-Blau. Weil sonst Reformen unmöglich sind. Jetzt reagiert die Gewerkschaftsseite mit einem Streik, der sich zwar gegen die Pensionsreform (=-kürzung) richtet, aber auch ein politischer Streik gegen den Entmachtungsversuch durch Schüssel ist. Für österreichische Verhältnisse kein Lercherl, wie der Volksmund sagt. Aber nichts gegen andere europäische Länder. Nur der österreichische Sonderweg ist halt zu Ende. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2003)

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