"Tickende Zeitbombe" Fremdwährungskredit

2. Juni 2003, 19:44
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Raiffeisen Bausparkasse warnt vor Yen- oder Frankenkrediten

Wien - Den privaten Wohnbau mit Fremdwährungskrediten zu finanzieren, das sei der "falsche Weg", sagte der Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse, Erich Rainbacher, am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Sehr viele Kreditnehmer hätten sich beim "Abenteuer Fremdwährungskredit" auch auf Tilgungsträger eingelassen, was Rainbacher aufgrund der unbekannten Entwicklung dieses Instrumentes als "tickende Zeitbombe" bezeichnete.

Umstiegsangebot

Umstiegswilligen biete deshalb auch die Raiffeisen-Bankengruppe seit 14 Tagen die Möglichkeit, ohne zusätzliche Kosten auf einen Bausparkredit umzusteigen. Voraussetzung dazu sei lediglich eine grundbücherliche Sicherstellung des Kredites, so Rainbacher.

Sollte es im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten bei den Nutzern zu Problemen kommen, so rechnet Rainbacher auch damit, dass aufgrund der Beraterhaftung auch Banken und Finanzberater in Schwierigkeiten kommen werden.

Konkurrenzdruck

Die Bauspargesellschaften haben die wachsende Konkurrenz durch Yen- oder Frankenkredite zuletzt massiv am eigenen Leib verspürt. Die verstärkte Inanspruchnahme von Fremdwährungskrediten für den privaten Wohnbau sei im vergangenen Jahr auch ein wesentlicher Grund für die schwächere Finanzierungsleistung der Raiffeisen Bausparkasse gewesen, so Rainbacher. 2002 sei diese von 866 auf 613 Mio. Euro zurückgegangen. Damit habe das Institut aber noch immer rund 30 Prozent zur Gesamtfinanzierungsleistung aller fünf heimischen Bausparkassen von rund zwei (2001: 2,1) Mrd. Euro beigetragen.

Im selben Zeitraum sei das gesamte aushaftende Fremdwährungskreditvolumen um 1,8 Mrd. Euro - von 7,0 auf 8,8 Mrd. Euro - angestiegen. Den größten Sprung hatte es 2001 von 3,3 auf 7,0 Mrd. Euro gegeben. Das gesamte aushaftende Bauspardarlehensvolumen in Österreich habe Ende 2002 16 Mrd. Euro betragen.

Kunden warten ab

Die schwächere Investitionsbereitschaft im privaten Wohnbau im Vorjahr führt Rainbacher auch auf das zögernde und abwartende Verhalten der Kunden im Jahr 2002 wegen der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen (Irakkrieg) Unsicherheiten zurück.

Die Gesamtzahl der Bausparverträge der drei Auslandsbeteiligungen der Raiffeisen Bausparkasse in Tschechien, der Slowakei und Kroatien erreichte im Vorjahr mit 1,76 Mio. beinahe schon das Niveau der Muttergesellschaft (Österreich) von 1,86 Mio. Verträgen. Im Neugeschäft wurden im Ausland mit 526.000 Verträgen beinahe doppelt so viele Neuverträge abgeschlossen wie im Inland mit 301.000. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.6.2003)

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