Keine Bahnfahrt mit gültigem Ticket

2. Juni 2003, 19:11
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Seit kurzem bringt die ÖBB-Vorteilscard auch in Deutschland Rabatt - Das scheint nicht allgemein bekannt zu sein: Ein Österreicher wurde vom Bundesgrenzschutz aus dem Zug geholt

München/Wien - Eine Fahrt mit der Eisenbahn hat gerade auf längeren Strecken ihre Vorteile: Man kann während der Reisezeit ausspannen, arbeiten oder neue Menschen kennen lernen. Einem Oberösterreicher, der mit der Deutschen Bahn von Nürnberg in die Heimat fahren wollte, sind jüngst dagegen die Schattenseiten verdeutlicht worden: Er wurde vom Bundesgrenzschutz aus dem Zug geholt - obwohl er eine gültige Fahrkarte besaß.

Grenzüberschreitende Ermäßigung

Die Vorgeschichte: Seit dem 15. Dezember 2002 gibt es in Deutschland ein neues, teilweise heftig kritisiertes, Tarifsystem. Um Vergünstigungen zu ergattern, müssen Plätze im Voraus reserviert werden, nimmt man dann doch einen anderen Zug, sind Strafzahlungen fällig. Aber auch kostensenkende Maßnahmen wurden gesetzt: So bringt seit damals die Vorteilscard der ÖBB im grenzüberschreitenden Verkehr 25 Prozent Ermäßigung.

Dieses Angebot nutzte auch Walter Höhlhubmer aus dem Innviertel. Er kaufte sich in Passau eine Fahrkarte, Sonntagabend vor einer Woche saß er dann im Euro-City von Nürnberg Richtung Heimat. Die Zugbegleiterin kam, kontrollierte das Ticket - und verlangte eine Nachzahlung. Die Kombination mit der Vorteilscard sei ungültig, so das Argument. Auch der Zugchef hatte noch nie etwas von einer Ermäßigung gehört und bestand gleichfalls auf eine Nachzahlung.

Verweigerung

Höhlhubmer weigerte sich, auch seine Personalien wollte er nicht preisgeben, da er ja ein gültiges Ticket vorweisen konnte. Die Folge: Der Zugchef verständigte den Bundesgrenzschutz, in Regensburg wurde der Österreicher von zwei Beamten aus dem Eurocity geholt.

"In Regensburg hat der Schalterbeamte kurz auf das Ticket geschaut und festgestellt, das alles in Ordnung ist. Gott sei Dank ist zwei Stunden später noch ein Zug gefahren, sonst hätte ich in Deutschland übernachten müssen", erzählt Höhlhubmer.

Bei der Deutschen Bahn AG gibt man sich eher verschlossen. Bei der zentralen Pressestelle für den Personenfernverkehr in Frankfurt verspricht man auf STANDARD-Anfrage zunächst einen Rückruf, der nicht eintrifft. Bianca Walter, Pressesprecherin für die Bahn in Bayern, möchte den Fall zunächst überprüfen. Generell bedauert sie den Vorfall, kann sich aber "nicht vorstellen, dass so was öfter vorkommt". (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.6.2003)

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ÖBB

  • Trotz Tickets aus dem Eurocity geholt: Kein netter Zug des deutschen Bundesgrenzschutzes. (Symbolfoto)
    montage: derstandard.at

    Trotz Tickets aus dem Eurocity geholt: Kein netter Zug des deutschen Bundesgrenzschutzes. (Symbolfoto)

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