Indymedia beklagt Stürmung ihres Hauptquartiers - Laut Polizeiangaben noch 25 Personen in Polizeigewahrsam
Genf - Die globalisierungskritische Organisation Attac warf der Polizei
ein überzogenes Vorgehen bei den Protesten gegen den G-8-Gipfel im
französischen Evian vor. Eine völlig friedliche Versammlung sei von
allen Seiten mit Tränengas beschossen worden, sagte der Sprecher der
deutschen Attac-Sektion, Malte Kreutzfeld, am Montag. Die Proteste
seien sehr friedlich verlaufen, wenn man von einer kleinen Gruppe von
Randalierern absehe.
Fünf Demonstranten und drei Polizisten leicht verletzt
Genf war in der Nacht zum Montag in der zweiten Nacht
hintereinander Ziel von radikalen Jugendlichen geworden. Die Polizei
ging gegen die Randalierer und Plünderer mit Tränengas vor. Diese
hatten im Geschäftsviertel der Innenstadt Schaufenster eingeschlagen
und ein Schuhgeschäft geplündert. Bei den Auseinandersetzungen wurden
fünf Demonstranten und drei Polizisten leicht verletzt.
30 Journalisten seien im Gebäude festgehalten und untersucht worden
Nach Angaben von Globalisierungskritikern stürmten
Sicherheitskräfte das Genfer Kulturzentrum " L'Usine". In dem
Kulturzentrum ist das Independent Media Center untergebracht, das
während der vergangenen drei Tage eine unabhängige Live-Video-
Berichterstattung von den Protesten gegen den G-8-Gipfel gesendet
hatte. Etwa 30 internationale Journalisten sind nach Angaben der
Betroffenen eine Stunde lang in dem Gebäude festgehalten und
durchsucht worden. Mindestens fünf Filmemacher seien von der Polizei
festgenommen worden.
Türen mit Äxten eingeschlagen
Die zivil gekleideten Polizeibeamten hätten mit Äxten die Türen
des Kulturzentrums eingeschlagen, heißt es. Die Polizeibeamten hätten
Lederjacken, Palästinensertücher und Sturmhauben wie die so genannten
Black Block-Demonstranten getragen.
schaden in Millionenhöhe
Bei den zweitägigen Ausschreitungen
gewaltbereiter Globalisierungskritiker am Rande des G-8-Gipfels sind
in Genf Schäden in Millionenhöhe entstanden. Jedes dritte Geschäft im
Stadtzentrum sei betroffen, teilte der Arbeitgeberverband des Kantons
am Montag in Genf mit.
Polizei: "Noch 25 Personen in Polizeigewahrsam"
Nach Polizeiangaben sind nach den Krawallen
noch 25 Personen in Polizeigewahrsam. Bei der Randale waren auch
deutsche Sicherheitskräfte zur Verstärkung nach Genf gerufen worden.
Am Montagabend protestierten rund 200 Globalisierungsgegner vor dem
Sitz der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf.
Die Krawalle in Genf und Lausanne ereigneten sich vor und nach
einer weitgehend friedlichen Demonstration von
Globalisierungskritikern und Gegnern des G-8-Gipfels an der
französisch-schweizerischen Grenze. Die Polizei sprach von gut
organisierten kleinen Gruppen von mehreren hundert gewaltbereiten
Jugendlichen.
Deutscher Polizist: Deutsche Polizisten bei Razzia nicht beteiligt
Erstmals kamen zur Verstärkung auch deutsche Sicherheitskräfte in
Genf zum Einsatz. Nach Angaben des Abteilungsführers der
Polizeikräfte aus Baden-Württemberg, Hans-Dieter Wagner, haben die in
den Außenbereichen der Innenstadt eingesetzten Beamten mit den
Auswirkungen der Krawalle zu tun gehabt. Es habe keine Verletzten
gegeben. Wagner bestritt den Vorwurf von globalisierungskritischen
Gruppen, dass deutsche Sicherheitskräfte auch an den Razzien in einem
Zentrum der Alternativen in Genf beteiligt gewesen waren.
Nach Angaben des deutschen Innenministeriums waren insgesamt 1015
deutsche Beamte in der Schweiz im Einsatz. Es sei zu keinerlei
Zwischenfällen gekommen.(APA/dpa/sda)