Ausstand in der Grottenbahn

2. Juni 2003, 18:42
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Kein Zug und kein Bus - gestreikt wird bis zur letzten Konsequenz - Möglichkeiten, dem Verkehrskollaps zu entgehen

"Neun Stund' werd' ich morgen hier stehen. Für nix und wieder nix", befürchtet die Verkäuferin: Im Zeitungskiosk am Wiener Westbahnhof neben Bahnsteig sieben herrschte Montagmittag präventiver Ärger.

Ihr Chef hatte noch nicht endgültig entschieden, ob die Trafik am Streiktag, ohne Zug- und U-Bahn-Passagiere, geöffnet sein solle. Doch: "Die Zuckerlfrau von gegenüber kommt a net", führt die Frau ins Treffen.

Kein Zug und kein Bus

Kein Zug und kein Bus am Dienstag - gestreikt wird bis zur letzten Konsequenz bei den Verkehrsbetrieben: Sogar die Zwergerln in der Linzer Grottenbahn sind solidarisch. Die Zwergenbahn der Linzer ESG wird keine Gäste befördern. Dafür zieht die (private) Liliputbahn im Prater ihre Kreise.

Private Busunternehmen in Niederösterreich

In Niederösterreich sollten private Busunternehmen die Beförderung auf der Strecke Krems-St. Pölten übernehmen. Im Großraum Wien wollten viele mit Rad, Skates oder zu Fuß dem Stau entgehen.

Fahrgemeinschaften

Fahrgemeinschaften wurden auch von den Autofahrerclubs als probates Mittel gegen den Verkehrskollaps angepriesen. Beim ARBÖ gibt es eine Mitfahrbörse, die rege in Anspruch genommen wird, wie Pressesprecherin Lydia Ninz berichtet. Allein - es wollen viele mitfahren und wenige selbst lenken. "Das Verhältnis ist derzeit etwa sechs zu eins", verrät Ninz. Die Aktion soll noch bis Dienstagabend laufen.

Mobilitätsunsicherheit

Auch bei der Wiener Wirtschaftskammer registrierte man einen Trend zur Mitfahrgelegenheit: Was früher das "schwarze Brett" war, hieße nun eben Intranet - und das wurde in diesen Tagen in vielen Betrieben als Transport^organisation-Kommunikationsmittel wiederentdeckt. Die Mobilitätsunsicherheit, heißt es, verunsichere auch zahlreiche Unternehmer: Bei Anfragen in der Kammer stehe die Frage nach der Verpflichtung, den Arbeitsort zu erreichen, an oberster Stelle. Allerdings würden diesmal aber mehr Arbeitnehmer als zuletzt einen freien Tag beantragen.

Übernachten, um nicht pendeln zu müssen, ist unbeliebt

Übernachten, um nicht pendeln zu müssen, ist dagegen nicht beliebt: "Wir haben keine Zunahme bei Kurzbuchungen bemerkt", verriet Peter Fürnkranz von den Austria Trend Hotels. Ausländische Touristen wurden beim Einchecken auf den Streik und seine Folgen für Touristen aufmerksam gemacht. (aw, bri, fern, moe, rott, DER STANDARD Printausgabe 3.6.2003)

Link

ARBÖ Mitfahrbörse unter Tel. Nr. 01/89 12 17

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