Brau Union, der Chef: "Schaden klein halten"

2. Juni 2003, 21:45
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Markus Liebl, der Vorstandschef der Brau Union Österreich, versucht im STANDARD-Gespräch die Streiksituation in den sieben Brauereien seines Unternehmens zu entschärfen

DER STANDARD: Dienstag wird ein heißer Tag - und den Biertrinkern wird kein Bier geliefert?

Liebl: Nein, ganz so kann man es nicht sagen. Die Bierführer werden, zumindest an gewissen Standorten, nicht hinausfahren. Aber wir haben die Einteilung so gemacht, dass an diesem Dienstag wenige Ausfahrten notwendig sind - und das im Einvernehmen mit der Belegschaftsvertretung so vereinbart: Wir wollen den Schaden für das Unternehmen so gering wie möglich halten.

DER STANDARD: Die Hefe kann ja nicht streiken, in den Gär- und Lagerkellern reift das Bier weiter - und man hört: In den Sudhäusern wird der Betrieb nicht unterbrochen werden?

Liebl: Auch hier ist die oberste Maxime, dass kein Schaden entstehen soll, was ja leicht sein könnte, wenn man verantwortungslos wäre.

DER STANDARD:  Aber ein Streik ist doch etwas, was ein Unternehmen immer trifft?

Liebl: Eben nicht. Es ist eine gemeinsame Zielsetzung, auch unserer Mitarbeiter, mit denen wir gesprochen haben, den Schaden gering zu halten.

DER STANDARD: Sie sehen den Streik also nicht gegen Ihr Unternehmen gerichtet?

Liebl: Nein. Auch wenn wir die Sorgen unserer Mitarbeiter in Hinblick auf die Pensionsreform verstehen - es weiß doch jeder, dass bei den Pensionen etwas gemacht werden muss. Aber das ist eine politische Frage. Unsere Mitarbeiter wollen ihre Sorge kundtun . . .

DER STANDARD: Aber gezahlt bekommen sie den Tag nicht?

Liebl: Wenn kein Schaden entsteht, dann stellt sich die Frage gar nicht.

DER STANDARD: Sie haben diesen Streik als eindeutige politische Frage definiert. Hat das für Sie eine andere Qualität als ein herkömmlicher Arbeitskampf?

Liebl: Das ist eine politische Auseinandersetzung - das qualifizieren wir als Unternehmen nicht. Die Unternehmen in Österreich und natürlich auch wir sind der Meinung, dass diese Auseinandersetzung nicht auf Kosten der Unternehmen gehen soll. Auch wenn man eine politische Willensäußerung macht.

DER STANDARD: Muss man sich beim derzeitigen Klima in Österreich darauf einstellen, dass solche Streiks öfter vorkommen?

Liebl: Ich hoffe nicht. Ich glaube, es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Auch morgen nicht. (Conrad Seidl, DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.6.2003)

  • "Das ist eine politische Auseinandersetzung - das qualifizieren wir als Unternehmen nicht."
    montage: derstandard.at

    "Das ist eine politische Auseinandersetzung - das qualifizieren wir als Unternehmen nicht."

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