"Haider hat in Kärnten abgewirtschaftet"

2. Juni 2003, 17:26
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Georg Wurmitzer hält Haiders "Flucht" nach Wien für beschlossen - Der Kärntner ÖVP-Obmann im STANDARD-Interview

Standard: Die Kärntner ÖVP hat mit Jörg Haider erstmals einen freiheitlichen Landeshauptmann ermöglicht. Jetzt drängt er als Parteichef wieder zurück auf die bundespolitische Bühne. Wundert Sie das?
Wurmitzer: Jörg Haider hat in Kärnten abgewirtschaftet. Er weiß, dass er die nächsten Landtagswahlen nicht mehr gewinnen kann. 42 Prozent wird er nie mehr erreichen. Er hat die Erwartungen vieler Menschen enttäuscht. Jüngsten Umfragen zufolge verliert die FPÖ fast zehn Prozent und damit Platz eins wieder an die SPÖ. Haider fürchtet eine Niederlage wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb will er unbedingt sein sinkendes Kärntner Schiff verlassen.

Standard: Viele seiner Parteifreunde, sogar Vizekanzler und Noch-Parteichef Herbert Haupt rufen ihn als Steuermann zurück.
Wurmitzer: Der Ruf aus Wien ist doch reine Inszenierung. Um aus Kärnten wegzukommen, muss er das ja so machen. Schließlich hat er sich öffentlich festgelegt, fünf Jahre lang als Landeshauptmann in Kärnten zu bleiben. Er will gar nicht zur Wiederwahl antreten, weil er sonst als Verlierer dasteht. Da gibt’s nur eins, die Flucht nach Wien.

Standard: Erwarten Sie im Herbst vorgezogene Landtagswahlen?
Wurmitzer: Wenn am 18. Juni die Pensionsreform im Nationalrat wegen der FPÖ nicht zustande kommt und die Bundeskoalition platzt, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch in Kärnten im Herbst gewählt wird. Am 26. Juni ist der nächste Lostag. Da ist Landtagssitzung. Nachdem Haider bei der SPÖ ja schon vorgebaut und die SPÖ gute Karten hat, ist anzunehmen, dass der Kärntner Landtag vorzeitig aufgelöst wird. Die nötige Zweidrittelmehrheit hätten FPÖ und SPÖ jedenfalls.

Standard: Glauben Sie, dass die Bundeskoalition an der Pensionsreform scheitern wird?
Wurmitzer: Ja, ich vermute, dass sie an dieser Frage scheitern wird, weil Haider wieder mitmischt. Es wäre eine Überraschung für mich, wenn es anders käme.

Standard: Wird Wolfgang Schüssel innerparteilich Probleme kriegen?
Wurmitzer: Das wird vom Ergebnis der Reform abhängen. Wenn es keines gibt und die Koalition scheitert - selbstredend.(DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2003)

Das Gespräch führte Elisabeth Steiner
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    Der Kärntner VP-Chef Georg Wurmitzer (links) übt scharfe Kritik am Landeshauptmann: "Jörg Haider hat in Kärnten abgewirtschafter"

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