Ungemütliche Fragen

2. Juni 2003, 17:10
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Nach dem Sieg im Irakkrieg werden die USA nach dem Massenvernichtungsflop gefragt - Ein Kommentar von Christoph Winder

Die Regierung Bush steht seit einigen Tagen vor einem ironisch anmutenden Dilemma. Den Irakkrieg hat sie militärisch fulminant gewonnen, und kein Mensch, außer vielleicht ein paar Führungsfunktionären der aufgelösten Baath-Partei, hegt Zweifel daran, dass der Sturz von Saddam Hussein ein veritabler Segen war. Dafür ist Bush inzwischen sein Hauptkriegsgrund, die angeblich von Saddam gehorteten Massenvernichtungswaffen, schmerzlich abhanden gekommen.

Weltweit stellen nun auch US-Verbündete wie etwa die Australier peinliche Fragen über die amerikanische Glaubwürdigkeit. Was Bush noch weit unangenehmer sein dürfte, ist der Umstand, dass auch die oppositionellen Demokraten in den USA das Thema entschlossen ausschlachten wollen. Vor allem Senator Bob Graham, ein künftiger Präsidentschaftskandidat, nimmt die Sicherheitspolitik von Bush inzwischen unter Dauerfeuer.

Damit rückt nun auch die Frage in den Mittelpunkt, wer an dem Massenvernichtungsflop die Schuld trägt: Waren es die Politiker, die den Krieg auf Biegen und Brechen wollten, oder aber die Geheimdienste, die sie mit falschem Material versorgten? Abenteuerliche Einzelheiten dringen nach außen: So sollen die militärischen Geheimdienste Außenminister Colin Powell mit derart offenkundigem Informationsplunder beliefert haben, dass dieser den ärgsten Unsinn selbst aus seiner Rede vor der UNO herausstreichen musste. Wurde Powell auf Geheiß von Pentagon-Chef Donald Rumsfeld mit dubiosem, aber als Kriegsgrund tauglichem Material versorgt? Oder haben die "Dienste" in vorauseilendem Gehorsam ihre Informationen selbst hysterisch aufgebauscht? Wenn nicht bald handfeste Beweise für die verborgenen Waffen des Saddam Hussein vorliegen, bleiben der Regierung Bush solche ungemütlichen Fragen nicht erspart.
(DER STANDARD, Print, 03.05.2003)

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