Steinigung von Amina Lawal vertagt

3. Juni 2003, 20:49
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Urteil bleibt aufrecht - Der Richterspruch wegen "Ehebruchs" löste weltweit Empörung aus

Katsina - Die Berufungsverhandlung im Fall der Nigerianerin Amina Lawal wurde am Dienstag auf den 27. August vertagt. Die Anhörung konnte nicht stattfinden, weil zwei Mitglieder des vierköpfigen Richtersenats bei anderen Prozessen unabkömmlich waren.

Weltweite Proteste

Der Aufruf hat seine Wirkung nicht verfehlt. Mehr als fünf Millionen Menschen weltweit unterzeichneten laut dem britischen Guardian bisher die Protest-E-Mail gegen die Steinigung der Nigerianerin Amina Lawal Kurami.

Die elektronische Ketten-Petition landete, hochoffiziell mit dem Logo der spanischen Sektion von amnesty international (ai) versehen, in Tausenden E-Mail-Fächern. Und selbst jene, die sonst Kettenbriefe ungelesen löschen, haben diesen unterzeichnet und an FreundInnen weitergeschickt. Bloß: Der Aufruf stammt nicht von amnesty international.

Keine Petition per Mail

"Wir stellen Petitionen, wie auch im Fall Amina Lawal, auf unsere Hompage", sagt Michaela Klement von ai-Österreich, "wir verschicken sie niemals per Mail." Und auch der Inhalt - die kurz bevorstehende Hinrichtung der 31-Jährigen - entspreche nicht den Tatsachen. Nicht die Steinigung der Mutter eines kleinen Mädchens, wurde für den 3. Juni festgesetzt - am Dienstag findet in der Provinz Katsina im Norden Nigerias eine weitere Berufungsverhandlung statt.

Wenn der - wohl gut gemeinte - Aufruf die beabsichtigte Wirkung erreiche, so Klement, könne man das keinesfalls als kontraproduktiv bezeichnen. Aber es müsse doch klar gestellt werden, dass die Kampagne nicht von ai initiiert wurde.

Kind nach Scheidung

Amina Lawal war am 22. März 2002 von einem islamischen Gericht wegen "Ehebruchs" zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Sie hatte ihr drittes Kind nach der Scheidung von ihrem Mann unehelich zur Welt gebracht. Der Richterspruch löste weltweit Empörung aus. Das Urteil wurde vor kurzem erneut bestätigt.

Vor Gericht hatte die Frau angegeben, dass ihr Freund Yahaya Mahmud sie mit einem Heiratsantrag verführt habe. Mahmud wurde freigesprochen, nachdem er auf den Koran geschworen hatte, nicht der Vater des Kindes zu sein. Das Urteil soll Anfang 2004 vollstreckt werden, also sobald die Frau ihr Kind abgestillt hat.

In einem ähnlichen Fall hatte im März 2002 ein Gericht die 35-jährige Safiya Husaini wegen Verfahrensfehlern freigesprochen. Drei Tage, nachdem Amina Lawal zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war. (fern, DER STANDARD, Print, 03./04.06.2003)

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