Fusion der New Yorker Klassik-Häuser

2. Juni 2003, 20:36
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New York Philharmonic und Carnegie Hall werden vereinigt - Akustische und finanzielle Erwägungen

New York - Die beiden berühmtesten New Yorker Institutionen der klassischen Musik - die New York Philharmonic und die Carnegie Hall - haben ihre Wiedervereinigung angekündigt. Mehr als 40 Jahre nachdem das New Yorker Philharmonische Orchester ins Lincoln Center umgezogen war, soll es in absehbarer Zeit wieder in der Carnegie Hall seine Heimat haben. Zum Hintergrund gehören neben altbekannten Problemen mit der Akustik in dem Lincoln-Center-Konzertsaal "Avery Fisher Hall" finanzielle Erwägungen.

"Höchste Meisterschaft"

Vertreter beider Seiten würden sofort konkrete Verhandlungen über die Verschmelzung aufnehmen, teilten die Vorstände beider Häuser am Montag mit. "Die Fusion der 161 Jahre alten New Yorker Philharmonie mit der 112 Jahre alten Carnegie Hall wird eine Institution von beispiellosem Potenzial zur Erreichung der höchsten Standards künstlerischer Meisterschaft und Innovation hervorbringen, von der Musikliebhaber, Musiker und das Publikum in aller Welt profitieren werden."

Rückgang von Sponsorengeldern und Besucherzahlen

Die Verschmelzung, die im Jahr 2006 vollzogen sein soll, werde den Interessen beider Seiten gerecht und sei von vitaler Bedeutung für die Kulturlandschaft New Yorks. In US-Medienberichten hieß es in den letzten Monaten immer wieder, selbst renommierte Orchester, Opernhäuser und Konzertheater litten überall in den USA unter einem Rückgang von Sponsorengeldern und Besucherzahlen.

Segal: "Kultureller Kannibalismus"

Martin E. Segal, der Ehrenvorsitzende des Lincoln Centers, äußerte sich empört darüber, dass das Klassik-Zentrum, in dem sich auch die Metropolitan Opera befindet, das weltberühmte Orchester verlieren soll. Das sei "eine Form des kulturellen Kannibalismus". Dagegen sagte der Vorstandsvorsitzende der New Yorker Philharmonie, Paul B. Guenther, das Orchester "muss tun, was seinen langfristigen Interessen am besten entspricht".

Vorteile für die Philharmoniker

Durch den Umzug in die Carnegie Hall gewinnen die Philharmoniker einen Konzertsaal mit weltweit hoch geschätzter Akustik zurück. Zugleich bleibt ihnen die Ausgabe von Millionen von Dollar für die bereits ins Auge gefasste technische Rekonstruktion der "Avery Fisher Hall" erspart. Darum war zuvor ein Streit entbrannt, da potenzielle private Sponsoren nicht bereit waren, Geld zu geben, wenn der Konzertsaal weiterhin nach dem Namen des einstigen Hauptsponsors benannt bleiben würde.

Mehta: Verschmelzung wird "jeweiligen Positionen stärken"

Die Philharmoniker sparen mit der Rückkehr in ihr altes Stammhaus zugleich die Miete für das Lincoln Center ein, während die Carnegie Hall wieder das stärkste Klassik-Zugpferd der gesamten USA unter ihrem Dach haben wird. "Wir haben hier zwei bedeutende Institutionen - die größte Konzerthalle und das größte Orchester der Welt", sagte Zarin Mehta, der Exekutivdirektor der New Yorker Philharmoniker. "Diese Verschmelzung wird unsere jeweiligen Positionen stärken." (APA/dpa)

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