Kongolesische Regierung dementiert Teilnahme des Militärs an Massaker

2. Juni 2003, 15:45
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Hema-Partei wirft Kabinett in Kinshasa Unterstützung von Lendu-Milizisten vor

Kampala - Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo hat die Involvierung des Militärs in ein Massaker im Nordosten des Landes zurückgewiesen. Die der Hema-Volksgruppe nahe stehende Partei PUSIC hatte am Montag dem Militär vorgeworfen, an einem Massaker an Hema-Zivilisten teilgenommen zu haben, bei dem nach PUSIC-Angaben mehr als 350 Menschen getötet wurden. Die kongolesische Regierung forderte die rasche Entsendung der für die Region geplanten UNO-Schutztruppe unter Führung Frankreichs.

Regierung in Kinshasa: "Behauptungen völlig falsch"

Der PUSIC-Sprecher sagte, die Milizisten aus der Volksgruppe der Lendu hätten bei dem Angriff auf das rund 50 Kilometer östlich der Stadt Bunia gelegenem Tchomia Granaten und automatische Waffen eingesetzt. Hema-Kämpfer hätten zurückgeschlagen und dabei sechs Soldaten der kongolesischen Armee getötet. "(Die Regierung in) Kinshasa steht hinter dem Angriff (...) die Lendu hatten keine Granaten, bevor sie aus Kinshasa kamen." Die Regierung wies dies umgehend zurück. "Behauptungen, wonach Regierungstruppen die Lendu unterstützen, sind völlig falsch", sagte Informationsminister Kikaya bin Karubi. Kommandanten der Lendu waren zunächst nicht zu erreichen.

"Diese Dinge waren zu erwarten", sagte Karubi. Auswärtige Kräfte würden weiter örtliche Kriegsherren unterstützen. Nun müsse rasch die geplante UNO-Schutztruppe entsandt werden. In Bunia sollen noch in dieser Woche unter Führung Frankreichs bis zu 1400 UNO-Soldaten zum Schutz der Zivilbevölkerung stationiert werden.

In den vergangenen Wochen war es in der Region verstärkt zu Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Kannibalismus gekommen. Milizen der verfeindeten Stämme der Lendu und der Hema kämpfen um die Vorherrschaft in dem Gebiet. Das Nachbarland Uganda unterstützt die stammesverwandten Hema, während Ruanda auf Seiten der Lendu steht. In dem seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg sind in der Region 50.000 Menschen getötet worden. 500.000 Menschen sind geflohen.(APA/Reuters)

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