Rot-Grünes Ende der kulturellen Durststrecke?

2. Juni 2003, 15:28
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Grundlage für künftige Förderungen sei Bericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland"

Berlin - Die rot-grüne Koalition will die deutsche Kulturlandschaft von der finanziellen Dürre erlösen. Grundlage der künftigen Förderung der Kultur in allen Bundesländern und der Mittelverteilung soll ein Bericht der von SPD und Grünen beschlossenen Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" sein. Ein Ziel sei mehr bürgerschaftliches Engagement in der Kultur, erklärte Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer am Montag in Berlin.

Länderkompetenzen bleiben unangetastet

Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sah großen Handlungsbedarf, um das Kulturangebot der Bundesrepublik in seiner derzeitigen Breite zu bewahren. Vollmer und der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Eckhardt Barthel, betonten, dass sich die Kommission nicht in Länderkompetenzen einmischen wolle. Das Gremium werde nach Zustimmung des Bundestages im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Die zwölf Mitglieder sollen innerhalb von zwei Jahren einen Bericht mit Empfehlungen für eine bessere Kulturarbeit in Deutschland vorlegen. Die letzte Erhebung dieser Art sei 28 Jahre alt.

Kulturarbeit: "Fast täglich kommen neue Schreckensnachrichten hinzu"

"Die Kommunen, die in der Kulturarbeit den Löwenanteil tragen, stehen vielfach vor dem Bankrott", räume Vollmer ein. Theater, Museen, Musikschulen und Kulturtreffpunkte seien extrem gefährdet. "Fast täglich kommen neue Schreckensnachrichten hinzu." Die Enquete-Kommission müsse daher neue Wege der Kooperation suchen und auch Möglichkeiten struktureller Veränderungen ausloten. Wichtig sei, Kultureinrichtungen wie Museen, Musikschulen auch in den Regionen zu erhalten und nicht nur in den Hauptstädten. Der Stellenwert der Kultur steige angesichts der wachsenden Alterspyramide. In Zukunft würden immer mehr ältere Menschen zu den Kulturstätten Europas reisen und nicht in Asien Urlaub machen. Dies zeige, dass Kultur auch einen wirtschaftlichen Aspekt habe.

Themen der Kommission: Finanzen, Situation der KünstlerInnen, Ausbildung, Wirtschafsfaktor Kultur

Schwerpunktthemen der Kommission werden die Lage der kommunalen Finanzen und die damit zusammenhängenden Probleme der Kulturfinanzierung sein. Untersucht werden ferner die soziale Lage der KünstlerInnen, die kulturell-musische Bildung und die Auswirkungen von Kultur auf den Wirtschaftsstandort. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, wie Unternehmen und Privatleute als Sponsoren von Kulturveranstaltungen auf breiter Ebene gewonnen werden. Dabei solle man von der Event-Kultur mit Spitzenereignissen und Riesengagen für die Stars abkommen und auch regionale sowie kommunale Veranstaltungen unterstützen. (APA/AP)

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    Rot-grünes Licht am Ende der deutschen Kultursteppe

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