Castor-Transport

Deutsche Exekutive beklagt "Hass und Gewalt"

28. November 2011, 22:24

Längster Castor-Transport aller Zeiten riss neue Gräben auf - Atomkraftgegner orten überzogenen Einsatz der Polizisten

Nach mehr als fünf Tagen hat der längste Castor-Transport aller Zeiten am späten Montagabend das Zwischenlager Gorleben erreicht. Der heftige Protest und die Antwort der Staatsgewalt darauf hat allerdings neue Gräben zwischen den Streitparteien aufgerissen: Während die Polizei in ihrer Bilanz "Hass und die Gewalt" aufseiten der Atomkraftgegner beklagt, meinen diese, die Exekutive sei völlig überzogen gegen die Blockierer vorgegangen.

Die elf Castoren hatten am Montagabend das Zwischenlager Gorleben erreicht - rund 125 Stunden nach dem Start im französischen La Hague. Damit steht fest: Der 13. Transport nach Gorleben dauerte nicht nur am längsten, er war vermutlich auch der bisher teuerste.

"Es war nicht nur ein fordernder Einsatz, er war auch härter als im vergangenen Jahr", sagte der Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Dienstag in Lüchow. Er kritisierte die Gewaltbereitschaft einzelner Demonstranten. Nach Angaben beider Seiten wurden bei den Auseinandersetzungen 133 Polizisten und 355 Demonstranten verletzt.

Die Entwicklung der Gewalt sei besorgniserregend, betonte Schünemann. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, sagte: "Der Hass und die Gewalt, die meinen Kolleginnen und Kollegen von einzelnen autonomen Gruppen entgegenschlug, waren ohne Beispiel."

Polizei ging hart vor

Die Atomkraftgegner wiederum beklagten, dass die Polizei in diesem Jahr härter vorgegangen sei als bei früheren Transporten. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese hatten Beamte laut einem Polizeisprecher mit Feuerwerkskörpern beworfen und Strohballen angezündet. "Die Polizei hat versucht, mit Gewalt unseren Willen zu brechen, sich dem Castor gewaltfrei in den Weg zu setzen", sagte Luise Neumann-Cosel von der Anti-Atom-Organisation X-tausendmal quer.

"Der Vorwurf, dass Gewalt von der Polizei ausgegangen ist, ist sehr einseitig", konterte der Polizeigewerkschaftschef. Die gegen Polizisten eingesetzten Waffen würden immer brutaler. Beim Castor seien etwa nagelgespickte Golfbälle geworfen worden, sagte Witthaut.

Greenpeace und andere Gruppierungen werteten die massiven Proteste jedenfalls als Erfolg. "Dieser Rekord-Castorprotest ist (CDU-Umweltminister) Norbert Röttgens schwerste Niederlage", sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl.

Auch die letzten 20 Kilometer von Dannenberg ins Zwischenlager liefen am Montagabend nicht reibungslos. Zwei Atomkraftgegnern gelang es, auf einen der Tieflader zu klettern und den Tross noch einmal eine Stunde aufzuhalten. In Gorleben stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung wieder zurückzunehmen. (APA)

StepMap Castor erreicht Gorleben - die Bilanz

Castor erreicht Gorleben - die Bilanz

 

Kommentar posten
15 Postings
Ignaz gartengschirrl
10
15.12.2011, 19:59
Deutsche Exekutive beklagt "Hass und Gewalt"

selbiges beklagen die demonstranten, ich weiß nicht warum aber ich neige eher dazu den demonstranten zu glauben denn die tauchen dort nicht mit helm, schild, knüppel, tränengas und schusswaffe auf.

phischi
21
29.11.2011, 23:24
Angesichts

der ganzen Obrigkeitshörigkeit in den Postings schlage ich vor, den ganzen Krempel in Hallein zu lagern, da gibt´s auch einen Salzstock, oder im Marchfeld, das interessiert eh keinen - dann werden diese ganzen Ökoterroristenchaoten in D schon sehen, was sie davon haben...

Franz Reisl
23
29.11.2011, 22:17
Gewaltlose Räumung der Strecke.,.

Ein Castor mit vorne offener Abschirmung wird von der Lok am Zuganfang geschoben. Das blaue Leuchten der czerenkov-Strahlung bewegt alle Demonstranten zum Abzug.

W.E.
01
30.11.2011, 11:47

Diese ganzen lasst-uns-doch-mit-150 km/h-über-die-Gleisschotterer-drüberfahren-Beiträge (und was sonst noch für Ideen in diese Richtung gibt) sind übrigens genauso dumm wie das ständige dämonisieren der ach so brutalen Prügelpolizei seitens derjeniger, die sich eher mit den Aktivisten solidarisieren. Genau solche Aussagen führen dazu, dass der gesellschaftliche Diskurs an einem Punkt festgefahren ist, wo die Vertreter des jeweils anderen Standpunktes nur noch als dumm und böse abgestempelt werden.

saunaecho
13
29.11.2011, 17:29
"Friedliche" Gesetzes(ver)brecher ?

Es ist scheinheilig die "mediengeilen" Wutbürger und Demonstranten freizusprechen. Sie haben den Rechtsfrieden gebrochen und sie sollten endlich zu Schadenersatzleistung verurteilt werden um weiteren Unfug zu verhindern.

W.E.
01
29.11.2011, 17:29

Lassen wir uns doch mal von einem Demonstranten erklären, worum es bei den Protesten wirklich geht: http://www.youtube.com/watch?v=W... r_embedded

Faymanns bezahlter Jubelperser
22
29.11.2011, 16:54
Wenn die

Exekutive etwas geschickter gewesen wäre wäre es niemals zum längstem Transport der Geschichte gekommen. Sie hätten bei der ersten Sperre mit auf den Gleisen liegenden Krakeelern einfach den Zug nicht stoppen sollen - jede Wette der Transport wäre als der schnellste überhaupt in die Geschichte eingegangen :-)

Theo56
41
29.11.2011, 16:05
Deutsche Exekutive beklagt "Hass und Gewalt"

Zuerst gewaltfrei demonstrierende Menschen niederknüppeln (z.B. auch bei der Demo gegen Stuttgart 21) und sich dann beschweren dass immer mehr Bürger die Exekutive als verbrecherische Organisationen sehen.

W.E.
03
29.11.2011, 17:27

Erst die Konfrontation mit der Exekutive suchen, und sich dann als "harmlose Opfer" stilisieren. Hmmm.

HotDoc
30
30.11.2011, 01:14

Meinungs und Demonstrationsfreiheit gibts zum Glück nicht mehr.
Stimme ihnen voll zu!!
Mein Vorschlag, nächstesmal einfach mit dem MG reinhalten und schaun wie schnell die Straße frei is.

W.E.
00
30.11.2011, 11:39

Ihr Beitrag ist einfach dumm. Ich habe nie die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit in Frage gestellt. Von ca. 8500 Demonstranten haben mindestens 8000 friedlich gegen etwas demonstriert, dass sie als bedrohlich empfinden.

Die Demonstrationsfreiheit beinhaltet aber nicht das Recht, Einsatzfahrzeuge in Brand zu setzen, Gleise und Signalanlagen zu beschädigen oder nagelgespickten Golfbällen auf Einsatzkräfte zu werfen. Gegen solche Einzelpersonen mit angemessener Gewalt vorzugehen ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Polizei. Einzelne Polizisten, die unangemessen Brutal handeln, sollen natürlich mit allen Mitteln belangt werden, die der Rechtsstaat hergibt. Für einzelne gewaltbereite Aktivisten gilt selbiges.

Theo56
10
29.11.2011, 16:33
PS: die zweifelhafte Leistung der Exekutive

http://www.spiegel.de/politik/d... 39,00.html

hans der 3te
00
29.11.2011, 15:14
wow nagelgespickte golfbälle

ein fall fürs museum der modernen kunst

Michail Bakunin
09
29.11.2011, 00:27

...und ich die Erste-Hilfe-Koordination der BürgerInneninitiativen zieht Bilanz: http://tinyurl.com/d9qbuh6

"Insgesamt haben unsere Erste-Hilfe-Teams 355 Personen, die durch die Polizei verletzt wurden, behandelt, davon 5 Schwerverletzte (Kopfverletzungen durch Schlagstockeineinsatz, ein Verdacht auf eine Wirbelfraktur). Ein Drittel der Verletzungen sind auf den Einsatz von OC-Kampfstoff /Pfefferspray zurückzuführen, der andere Teil hauptsächlich auf Schlagstockeinsatz. Eine Person wurde von einem Polizeipferd überrannt. Einer Person wurde ein Zahn ausgeschlagen. Behandelt wurden auch PolizistInnen, die von ihren eigenen Reihen OC-Kampfstoff abbekamen und PolizistInnen mit Erschöpfungszuständen (ca. 10 Fälle)."

F.S.K
10
29.11.2011, 23:09

hoffentlich müssen die querulanten die ärztl versorgung wenigstens selbst zahlen.

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