Auf dem Land fehlen junge Ärzte

28. November 2011, 20:05
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Spitäler im Waldviertel können Turnus nicht besetzen

Wien / St. Pölten - Jahrelanges Warten auf einen Platz in der Turnusarztausbildung, das war einmal - zumindest in den entlegeneren Gegenden Niederösterreichs. Während früher die Bewerber Schlange standen, fällt es nun einigen Spitälern schwer, überhaupt junge Ärzte zu finden, besagen aktuelle Zahlen aus der niederösterreichischen Landesklinikenholding, die dem Standard vorliegen. Demnach fehlen in Zwettl und Gmünd insgesamt sechs Turnusärzte. In Scheibbs im Mostviertel können ebenfalls zwei Stellen nicht besetzt werden. Noch schlimmer ist die Situation in Waidhofen an der Thaya, dort fehlen schon jetzt fünf Turnusärzte, ab Jänner könnten es bis zu zehn sein.

Das Problem sei nicht nur ein lokales, sagt Andreas Reifschneider, Regionalmanager der Landesklinikenholding für das Waldviertel: "Meine Prognose ist, dass das österreichweit ein Thema ist." Erste Erfolge erziele man mit Teilzeit-Ausbildungsplätzen oder Rotationsmodellen für junge Ärzte. Die medizinische Versorgung sei gewährleistet, betont man bei der Holding, die beschränkte Anzahl an Medizin-Absolventen stelle die Spitäler aber "vor neue Herausforderungen".

Wahlkampfthema

Das Thema soll auch bei den Ärztekammer-Wahlen kommendes Frühjahr eine Rolle spielen. Günter Ranftl kandidiert für den Ärzteverband und ist in seiner burgenländischen Heimatgemeinde Großpetersdorf grüner Gemeinderat. Er sagt, das Land Niederösterreich als Spitalserhalter sei sich "zu wenig bewusst, dass wir auf eine kritische Situation zusteuern".

Finanzielle Anreize zu schaffen, wie etwa eine Zulage für Jobs in entlegenen Krankenhäusern, sei eine Überlegung, meint Ranftl. Wichtiger sei aber, die sozialen Rahmenbedingungen zu verbessern. So hätten die meisten Spitäler großen Nachholbedarf, was Betriebskindergärten betrifft. Das führe unter anderem dazu, dass viele Frauen ihre Facharztausbildung abbrechen oder gar nicht erst damit beginnen.

Ein ähnliches Problem gebe es bei niedergelassenen Ärzte, sagte Johannes Jäger, Kurienobmann in der Ärztekammer, dem Standard: Hätten sich 2005 im niederösterreichischen Durchschnitt noch elf Allgemeinmediziner für eine Kassenstelle beworben, so seien es heute nur noch drei. Bei den Fachärzten sei die Zahl von sieben auf drei gesunken.

Keine Angst vor Elga

Ein anderes heißes gesundheitspolitisches Eisen, die Elektronische Gesundheitsakte (Elga) scheint die Österreicher relativ kalt zu lassen: Laut einer Umfrage von Oekonsult können sich mehr als zwei Drittel der Österreicher mit E-Health anfreunden, nur 29 Prozent der 1231 Befragten haben Angst davor, "gläserner Patient" zu werden. Dass ein Arzt - wie bei Elga geplant - mit Einverständnis der Patienten Einblick in seine gesamte Krankengeschichte bekommt, befürworten 81 Prozent. Die Inseratenkampagne der Ärztekammer mit den nackten Patienten lehnen wiederum fast 70 Prozent ab. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2011)

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