Leben und leben lassen

Kommentar28. November 2011, 20:02
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Bei der Wiener Nordostumfahrung driften SPÖ und Grüne auseinander

Rund um den Lobautunnel gibt es viele Wenn-Danns. Wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung zügig durchgeht und wenn der Asfinag nicht das Geld ausgeht, dann könnten schon 2014 entlang der S1 die Bagger auffahren. Das wäre dann ein Jahr vor der nächsten Wiener Gemeinderatswahl, und es käme vor allem den Grünen gerade recht: Wo, wenn nicht in einem angeblich vom Straßenbau bedrohten Naturschutzgebiet, sollten sie politisch punkten können?

Es ist logisch, dass sich der kleine Koalitionspartner schon jetzt von der SPÖ abgrenzt, die die Wiener Nordostumfahrung um jeden Preis und inklusive Lobautunnel will. Die grüne Handschrift, von der alle seit der Koalitionsbildung reden, sie zeigt sich nach einem Jahr endlich. Dabei signalisieren die Grünen den Wienern etwas oberlehrer-haft: Was wir machen, wird euch zwar nicht gefallen, aber es ist zu eurem Besten. Höhere Tarife, mehr Parkraumbewirtschaftung - dass die Öffis billiger werden, kann man da fast wieder vergessen.

Nun haben die Grünen ihr Nein zur Lobau-Autobahn mit einem Gutachten untermauern lassen. Diese Manöver, signalisieren die Roten, lässt sie völlig kalt. Die Grünen wandeln trotzdem auf dem schmalen Grat zwischen willfährigem Juniorpartner und Partei-Profilierung. Denn das Prinzip Leben und leben lassen wird die Wiener SPÖ bestimmt nicht bis zur nächsten Wahl durchhalten. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2011)

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