Mit alter Hardware neue Jobs schaffen

Aus dem Berufsleben gekippte Menschen haben es schwer, wieder Fuß zu fassen - AfB hat einen Weg für sie gefunden.

Das zweigeschoßige Industriegebäude am Anfang der Jochen-Rindt-Straße 1 im 23. Wiener Gemeindebezirk wirkt an diesem nebligen Novembermorgen noch grauer als gewöhnlich. Doch für die Mitarbeiter des IT-Systemhauses AfB, das darin untergebracht ist, ist es jeden Tag aufs Neue ein kleiner Lichtblick in ihrem Leben.

Integration

Denn in dem gemeinnützigen Unternehmen wird Menschen mit zum Teil schwersten psychischen Krankheiten Arbeit geboten, die sie wieder ins Berufsleben integrieren helfen soll.

In den Firmenräumen stapeln sich in hohen Regalen unzählige ausgediente Notebooks und Server, sperrige Drucker und gebrauchte Monitore stehen ordentlich in Reih und Glied auf dem Boden, in großen Kartons türmen sich kaputte Tastaturen. Mit geübten Griffen werden von einigen Mitarbeitern noch brauchbare Teile herausmontiert, andere sind damit beschäftigt, angelieferte Geräte auf ihre Funktionsfähigkeit zu testen.

"Die Sachen werden mit unseren eigenen Fahrzeugen abgeholt, inventarisiert, getestet und falls möglich repariert"

"Firmen überlassen uns ihre nicht mehr benötigte IT-Hardware. Die Sachen werden mit unseren eigenen Fahrzeugen abgeholt, inventarisiert, getestet und falls möglich repariert", erläutert Ernst Schöny, ehrenamtlich tätiger Geschäftsführer von AfB. Als Gegenleistung werden noch auf Festplatten vorhandene Daten zertifiziert gelöscht.

Noch brauchbare Geräte werden bewertet und dann mit einem Jahr Garantie online oder im angeschlossen AfB-Ladenlokal verkauft. "Unsere Geräte sind vielleicht nichts für Profis, doch Anfänger aller Altersklassen können bei uns passable Stücke zu annehmbaren Preisen finden", sagt Schöny. Als kostenlose Draufgabe gibt es für Kunden auch Hilfestellung bei Installationen oder kleine Schulungen für PC-Neulinge - "und einen guten Kaffee".

Gewinne

AfB ist zwar ein gemeinnütziges Unternehmen - "das bedeutet aber nicht, dass wir keine Gewinne machen", betont Schöny. "Was wir erwirtschaften wird allerdings wieder in die Schaffung von Arbeitsplätzen investiert." 2004 wurde das Projekt in Deutschland von einer Gruppe sozial engagierter Menschen gegründet. Der Name ist Programm: AfB steht für Arbeit für Behinderte.

Nach neun deutschen Standorten wurde vor einem Jahr die Niederlassung in Wien eröffnet. Kooperationspartner ist die Stadt-Wien-Tochter Reintegra, die sich seit 1982 um die Betreuung und berufliche Wiedereingliederung psychisch erkrankter Menschen kümmert.

"Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Reintegration ist, dass die Menschen hier in einem richtigen Unternehmen arbeiten und einen realen Lohn beziehen, der sie motiviert", sagt Reintegra-Geschäftsführer Stefan Brinskele. Elf der 16 AfB-Mitarbeiter kommen von Reintegra.

"Will wieder richtig arbeiten"

Einer von ihnen ist Herr K. Lange war ihm selbst nicht klar, wo diese Blockade in ihm herrührte, das Unvermögen, morgens aufzustehen. Die Reaktion der Familie und des Arbeitgebers - "du bist einfach nur ein fauler Mensch" - versuchte er mit Alkohol wegzuspülen. Bis ein Arzt schwere Depressionen diagnostizierte und ihn arbeitsunfähig schrieb.

Seine Krankheit hat der 43-Jährige zwar mithilfe schwerer Medikamente inzwischen im Griff. "Aber manchmal habe ich arg Migräne und bin dann halt einfach nicht voll einsatzfähig", bedauert er. Doch mit jedem Tag bei AfB kommt er seinem Ziel einen Schritt näher: "Ich möchte wieder gern in den ersten Arbeitsmarkt, zum Pensionist-Sein bin ich doch viel zu jung."

15.000 Computer, Laptops, Drucker, Monitore und Zubehörgeräte

Nicht nur Menschen, auch der Umwelt werde mit der Arbeit von AfB geholfen, weist Schöny auf einen anderen Aspekt des IT-Recyclings hin. Rund 15.000 Computer, Laptops, Drucker, Monitore und Zubehörgeräte haben die Mitarbeiter bisher bearbeitet, etwa 60 bis 70 Prozent gelangten in den Wiederverkauf. "Wir bringen auch Geräte wieder zum Laufen, von denen der Hersteller sagt, eine Reparatur lohne sich nicht mehr." Eine halbe Millionen Euro konnte damit bisher umgesetzt werden. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 29. November 2011)

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