Murkraftwerk wackelt

Staustufe Graz gefährdet Trinkwasser der Stadt

Bericht | Walter Müller, 28. November 2011, 21:07
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    foto: elmar gubisch

    Mit einer monatelangen Lichterdemonstration - 8000 Kerzen für 8000 gefährdete Bäume - protestierten Umweltschützer gegen den Bau der Staustufe mitten im Stadtgebiet.

Fünf Experten des Landes Steiermark legen ein vernichtendes Urteil über das Millionenprojekt einer Staustufe in Graz vor - Das Kraftwerk würde das Grundwasser gefährden und die Qualität des Wassers verschlechtern

Graz - Das geplante Millionenprojekt einer Staustufe in der steirischen Landeshauptstadt Graz beginnt zu wackeln. Ein mit "... für den Landeshauptmann" gezeichnetes, aktuelles Aktenstück der steirischen Landesregierung könnte in letzter Konsequenz sogar das Aus für dieses Kraftwerksvorhaben der Energie Steiermark AG und des Verbundes bedeuten.

In ihrer Stellungnahme - sie liegt dem Standard vor- zum UVP-Genehmigungsverfahren (GZ: FA 19A 72 Au1-2010/4) wird das Projekt "Murkraftwerk Graz" klar abgelehnt und wie es im Schlusssatz heißt "negativ beurteilt" .

Erstellt wurde das Schriftstück von fünf Experten der zuständigen Fachabteilung für Wasserwirtschaft, die im UVP-Verfahren Parteistellung besitzt und somit das 80-Millionen-Euro teure Projekt, das 20.000 Haushalte mit Strom versorgen und neue Wasser-Freizeitmöglichkeiten mitten im urbanen Raum ermöglichen soll, blockieren kann. Das Hauptargument der Wasserwirtschaftsexperten: Das Staukraftwerk, das die Mur bis zur Stadtmitte, bis zur Acconci-Murinsel auf Höhe des Kunsthauses aufstauen soll, könnte das Grundwasser durch die Anhebung des Wasserpegels für die Stadt Graz, für private Brunnenbesitzer und das Umland gefährden und die Wasserqualität verschlechtern.

Die geplante Wasserkraftwerks-Anlage befinde sich auch im Wasserschutzgebiet, das "intensiv für Trink- und Nutzwasserzwecke verwendet wird" , es sei daher "eine besondere Sensibilität hinsichtlich des Schutzgutes Wasser und insbesondere des Grundwassers gegeben" .

"Generelle Gefahr"

Es bestünde die "generelle Gefahr einer erheblichen Auswirkung auf den Grundwasserkörper ..., jedenfalls wird der flächendeckende Grundwasserschutz im gesamten Grundwasserkörper nicht aufrechtzuerhalten sein" , heißt es in der Stellungnahme des Landes.

Durch die Anhebung des Wasserpegels käme der Austausch zwischen Oberflächenwasser und dem Grundwasser durcheinander, zudem sei der Unterboden im Grazer Becken nicht optimal. Gefährlich könnten sich vor allem auch - darauf hatten schon Umweltschützer hingewiesen - die Höhenschwankungen des Grundwassers auswirken. Denn im Grazer Raum schlummern etliche alte Mülldeponien im Erdreich, die durch steigendes Grundwasser ausgewaschen werden könnten, wird befürchtet.

Um die Grundwassergefährdung zu entschärfen, müssten der Landesenergiekonzern und der Verbund das Projekt wahrscheinlich komplett neu dimensionieren und umplanen. Die Landesexperten sprechen unter anderem von Möglichkeiten einer "künstlichen Sauerstoffanreicherung des Grundwassers".

"Keine Stellungnahme"

Direkt zuständig für jene Abteilung, die das vernichtende Urteil über das Prestigeprojekt des Landesenergieunternehmens gefällt hat, ist SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves. Noch im August hatte Energie-Steiermark-AG-Vorstandschef und Voves' Parteifreund Oswin Kois - er wird aus Gesundheitsgründen von der Konzernspitze zurücktreten - darauf hingewiesen, dass ihm Voves "erneut volle Unterstützung für den Bau des Wasserkraftwerkes zugesichert hat".

Vonseiten der Energie Steiermark zeigt man sich - konfrontiert mit dem Negativ-Befund des Landes - zugeknöpft. Konzern-Sprecher Urs Harnik sagte am Montag zum Standard lediglich: "Wir geben während des UVP-Verfahrens keine Stellungnahme ab. Einzelne Puzzlestücke von relativer Bedeutung werden nicht kommentiert. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 166
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entering the 21th century
03
1.12.2011, 00:34
Greenwashing beenden!!

Liebe Leute,

Sagt mir dich bitte warum man dem VERBUND, als Projektpartner dieses "grüne" Projekt abkaufen sollte!

Abgesehen von all den ökologischen und Stadträumlichen Problemen die mit de Staustufe akut werden Ist Es doch mit seinen 16 (oder sind's effektiv nur 7) Megawatt ein reines GREENWASHINGPROJEKT DES KONZERNS FÜR SEINE AKTIONÄRE!!

Warum??
2011 wird 17km südlich von Graz das größte fossil-thermische Kraftwerk Österreich vom VERBUND in Betrieb genommen - MELLACH II - Mit einer Leistung von 832 Megawatt !!, einem jährlichem CO2 Ausstoss von 2,2 Mio Tonnen!! UND vor allem mit dem Ziel 2/3 des erzeugen Stroms ins Ausland zu verkaufen!!!!

Googelt und macht euch selbst einBild!

ama2deus
02
30.11.2011, 12:58
energiewende!

ja, der energieverbrauch steigt von jahr zu jahr, aber immer neue kraftwerke können nicht die lösung sein. irgendwann haben wir keine ressourcen bzw. keinen platz mehr für noch mehr kraftwerke für noch mehr strom - daher müssen wir eher früher als später mit dem ausbau erneuerbarer und dezentraler energieversorgung und gleichzeitigem zurückschrauben des energieverbrauches beginnen.

hierfür einige beispiele:

güssing im südburgenland war vor über 20 jahren gänzlich von energieimporten abhängig. heute betreibt die stadt mehrere kleinere und teils größere energiegewinnungsanlagen, ist zu 100 % energieautark, kann billig strom an unternehmen abgeben, die sich daher in der stadt ansiedeln und gilt national und international als musterstadt

ama2deus
01
30.11.2011, 13:03

eine kleine südburgenländische gemeinde mit knapp 1000 einwohnern und 5 ortsteilen hat sich vor einem jahr entschlossen die straßenbeleuchtung auf LED umzustellen. die investitionskosten beliefen sich lt. gemeinde auf knapp EUR 12.000,00, ein ziemlicher brocken für eine so kleine gemeinde, aber diese amortisieren sich noch vor ablauf der lebensdauer der beleuchtungsmittel!

ein deutscher unternehmer hat den firmensitz seines mittelständischen unternehmens zur gänze energieautark neu errichtet. es gibt carports mit solarzellen am dach die strom für die darunter befindlichen steckdosen der elektrofahrzeuge fabrizieren, neueste gebäudetechnik (isolierung etc.) und sogar die speisereste der firmenkantine landen in einer biomasseanlage!

ama2deus
01
30.11.2011, 13:09

zum schluss ein persönliches beispiel:

ich wohne seit 5 jahren in meiner jetzigen wohnung. in diesen 5 jahren habe meinen umgang mit energie drastisch verändert.
ich lasse geräte nie im standby-modus, ich stecke elektrogeräte (mit ausnahme von kühlschrank, herd, etc.) nie angesteckt, wenn ich sie nicht brauche, ich verwende energiesparlampen oder LED-leuchtmittel und achte bei der nutzung auf energiesparenden betrieb - kein dauerndes an- und ausschalten von energiesparlampen), ich heize selten und lüfte ein zwei mal am tag für ein paar minuten statt dauernd das fenster gekippt zu haben.

meine stromrechnung spricht bände:

2008: 8,06 kWh/tag
2009: 5,86 kWh/tag
2010: 4,62 kWh/tag
2011: 2,96 kWh/tag

zusatzvorteil: jährliche rückzahlung!

ama2deus
01
30.11.2011, 13:14
schlussbemerkung

ja, bei all solchen maßnahmen handelt es sich um kleinflächige maßnahmen, und mit einzelnen maßnahmen kann man die großen energieprobleme nicht lösen.

in summe aber bewirken solche kleinen reformen unseres umganges mit energie, sehr wohl ein abflachen des problemes.

ich kann mich nicht mehr erinnern wann und wo ich diesen satz gelesen habe - ich denke es war ein artikel im spiegel - aber allein für den standby-modus von elektrogeräten in der EU sollen jährlich 2 AKWs laufen müssen!

wenn wacht unsere politik endlich auf und erklärt den menschen dass mit ein bisschen persönlicher einschränkung vieler und vielen kleinen ökologischen kraftwerken schritte in die richtige richtung gesetzt werden können?

möglicherweise ulrich
64
29.11.2011, 14:03
Natürlich

soll so ein Kraftwerk alle erdenklichen Umweltauflagen erfüllen - und daran muss jede Bürgerinitiative mitarbeiten.
Aber das Gejammer wegen 1000der Bäume - die Mur in Graz fließt nicht in einem Auwald sondern durch eine Gstettn/Mülldeponie. Wenn man sich anschaut, was andere Städte aus ihrer Waterfront machen, wird´s wirklich peinlich.
Von den Kraftwerksbetreibern sollte also ein schmerzhaftes Maximum an grüner Zukunft für ein Naturschutz- und Naherholungsgebiet abgefordert werden.
Nicht einfach nichtssagender Nein-Populismus. Den Strom für die Elektromobilität werden wir brauchen.
Ja: AUCH in PV soll investiert werden. Da wird z.B. grade in Attendorf eine Bürgerbeteiligungsanlage geplant - kann jeder beim eigenen Kraftwerk mitmachen.

ama2deus
01
30.11.2011, 12:46

es behauptet ja kein mensch, dass die erzherzog-johann-brücke miten in einem augebiet liegt.

aber südlich der stadtgrenze, in direkter umgebung des kraftwerkes gibt es sehr wohl augebiete.

die paar bäume könnten stehen bleiben wenn sich unsere spezies endlich dazu aufrafen könnte energie zu sparen statt ständig neue zu verbraten.
aber man kann wohl schlecht von der bevölkerung verlangen dass sie intelligent mit energie haushaltet.

Briefmarkenkleber
41
29.11.2011, 13:22
Grüne Panikmache.

politisch verfolgt
42
29.11.2011, 13:15
wo sind die gegenvorschläge?

meckern ist ja immer leicht, aber wo sind die alternativen?
die stadt graz (übrigens mit grüner vizebürgermeisterin) ist offensichtlich der meinung, daß dieses kraftwerk zur aufrechterhaltung der stromversorgung benötigt wird.
wenn man das kraftwerk nicht will, sollte man alternativen anbieten können.
ich lese hier keine einzige.

galiontariaho
01
30.11.2011, 09:58
immer die gleiche floskel..

es gibt doch unzählige alternativen, aber natürlich wird von seiten der energiekonzerne gerade das logischste und sinnvollste argument im keim erstickt..

und ich bin grundsätzlich ein befürworter des grazer murkraftwerkes, aber in anbetracht des aktuellen gutachtens muss man das auf jeden fall neu bewerten. einfach nur ja und amen zu sagen weil man jedesmal aufs neue mit der leier "hobts ja ka alternative" kommt ist der flasche zugang.

Reini Urban
11
29.11.2011, 15:04
Gegenvorschläge

Die Aufistung würde das Kommentarfeld sprengen, aber hier sind die wichtigsten Punkte aufgeführt: http://rettetdiemur.at/html/nachdenken.htm

Am umfangreichsten sind die offiziellien Original Einwände zur UVP.

jahcity
02
29.11.2011, 14:03
Es gibt 1000ende

Energiesparen ist eine, od. http://www.kleinezeitung.at/steiermar... ampf.story
Auch Sappi hat diese Möglichkeit und man wird sie wahrscheinlich auch nutzen.
In Graz wird beinahe 100 % des Warmwassers mit Strom aufbereitet. Hier könnte man mind. 3 Mur-KW einsparen. und und und ... Gasverdichterstation (Kosten ein Bruchteil des Grazer Mur-KW) http://www.kleinezeitung.at/nachricht... 0/index.do und und und...

politisch verfolgt
00
29.11.2011, 14:43
klingt interessant

aber einsparen oder rückgewinnen kann man nur, wo bereits etwas da ist.
sicher ist energiesparen sinnvoll. es wäre ja schon toll, wenn österreich nicht jedes jahr 5% mehr strom verbrauchen würde. für politiker ist das aber ein ungutes thema, weil der, der einschnitte verkündet, sich leider nicht beliebt macht.

ama2deus
00
30.11.2011, 12:50
einschnitte

es kann doch von einer gesellschaft nicht zu viel verlangt sein beim verlassen von räumen das licht abzuschalten, elektrogeräte nicht dauernd im standby laufen zu lassen und nicht benutzte geräte nicht das ganze jahr über angesteckt zu lassen!

ebenso ist es wohl zumutbar stromsparendere leuchtmittel zu verwenden und diese intelligent zum einsatz zu bringen (zb energiesparlampen nicht im minutentakt ein- und ausschalten), im winter nicht bei gekipptem fenster die wärmeenergie aus der wohnung zu blasen, heizkörper von riesensofas freizuhalten oder die heizung beim verlassen der wohnung runterzudrehen.

ja, das mögen nur kleine punkte sein, aber wenn sich tausende haushalte daran halten spart das massenhaft energie.

Prian Alb
41
29.11.2011, 12:47
"Alternativen Laufkraftwerke"

Nachdem es offensichtlich gegen jede Art von Kraftwerken Kritiker, Gegner und Gegenprediger gibt, möchte ich hier eine völlig innovative, zu 100% umweltfreundliche und nachhaltige Möglichkeit der Energiegewinnung vorstellen:

Wie wäre es, wenn man am Grazer Hauptplatz einige Laufräder mit Generatoren aufstellt und o.g. Gruppe laufen läßt? - Meinetwegen kann auch Schichtbetrieb gewährt werden. Befeuern könnte man diese Kraftwerke billigst durch recycelte Brennstoffe wie z.B. die 50% Nahrungsmittel, welche ständig weggeworfen werden?

Ich bin mir sicher, dass wir dieses hoch innovative Konzept auch international exportieren könnten, wodurch der flächendeckende Ausbau der "Alternativen Laufkraftwerke" gesichert wäre.

Uniquin
 
00
29.11.2011, 18:21

der menschliche wirkungsgrad ist bestenfalls bei 25%, dann kommt noch der wirkungsgrad der speisenbereitung und der wirkungsgrad des laufkraftwerks dazu. das mieseste kohlekraftwerk hat einen besseren wirkungsgrad bzw eine bessere CO2 bilanz, ein wasserkraftwerk um so mehr.

Prian Alb
10
30.11.2011, 08:24
Ich weiss,

aber wenn jegliche Kraftwerke verhindert werden ist dies immer noch eine nette Alternative :-D

GTV916
 
01
29.11.2011, 13:03
Gute Idee ...

... nach jeder Junk-Food-Mahlzeit am Standl verpflichtend 1/2 Stunde Training ;-)

(Für Alkoholkonsum und Süßigkeiten gibt's Strafzuschläge).

Prian Alb
00
29.11.2011, 13:25
Auf jeden Fall;

Dann brauchen wir uns wegen der übergewichtigen Bevölkerung auch keine Sorgen mehr machen - Eigentlich nur Vorteile ;-)

Sonata
41
29.11.2011, 12:27
Die Grünen werden immer Argumente gegen jegliches Wasserkraftprojekte finden...

Sie sind einfach eine Steinzeitpartei und wenn es nach ihnen ginge würden wir in kürzester Zeit wieder mit dem Lendenschurz herumlaufen.

waberldrahdi
13
29.11.2011, 11:47
Wasser ist unser höchstes Gut

Bei allem Respekt vor den zahlreichen Postings: Es geht hier um die potentielle Gefährdung des Grund- und Trinkwassers! Dem Erhalt dieses wertvollen Gutes sind alle anderen Interessen unterzuordnen.

sociovation
07
29.11.2011, 11:42
Straßenbeleuchtung auf ein Mindestmaß reduzieren

Einkaufszentren, Tankstellen, Einzelhandelsketten nach Schließung den Strom abdrehen, Fotovoltaikanlagen maximal fördern und wir brauchen in Zukunft kein einziges zusätzliches Kraftwerk mehr.

F.S.K
11
29.11.2011, 13:55

in der nacht gibt es strom eh im überfluss

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
01
29.11.2011, 12:09
brauchen wir doch

Kleinwasserkraft ist genauso unsinnig wie Kleinwindanlagen im Hügelland und Fotovoltaik in Nebellagen - aber alle tragen ein wenig zum leider exorbitanten Strombedarf bei.
Wer sagt dass das Kraftwerk nicht anders gebaut werden kann - die Gebrüder Roth haben Unter- und Überstromturbinen erfunden die genutzt werden könnten.

ama2deus
00
30.11.2011, 12:54
biomasse

was ist mit biomasse?

wenn bereits zig städte in wien so ihre energie produzieren und sogar städte energieautark sind wie zb güssing im südbgld, dann muss es doch auch in einer stark bewaldeten gegend wie graz möglich sein biomasse zur energiegewinnung zu verwenden.

graz ist zu drei seiten von dichten wäldern umgeben, in der stadt selbst fällen jährlich tonnen an biomasseabfall (gras, baum- und strauchschnitt) an rund um die weihnachtszeit gibt es tonnen an weihnachtsbäumen, die zur energiegewinnung herangezogen werden können.

die energieversorgung der zukunft ist dezentral und kleinflächig. aber viel kleinvieh macht auch genug mist

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