"Der Restlohn kam in eine Schwarzgeldkassa"

Interview28. November 2011, 17:40
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Den Hungerlohn für Masseure habe der Prior bestimmt, sagt der Ex-Verwaltungschef im skandalumwitterten Kurhaus Schärding

Linz - Stimmen die massiven Vorwürfe, dann steht den Verantwortlichen der ältesten noch bestehenden Kneippkuranstalt Österreichs das Wasser bis zum Hals. Neben Füßen soll im Kurhaus Schärding der Barmherzigen Brüder systematisch über Jahre Geld gewaschen worden sein. Abgezweigt auch vom Lohn indischer Ayurveda-Masseure. Im Raum steht zusätzlich der Vorwurf der Kurpfuscherei. Eine Abteilungsleiterin soll sich zu Unrecht als Ärztin ausgegeben haben.

Zu den erwähnten Gehältern gibt die Kurhausleitung bekannt, dass diese immer korrekt abgerechnet worden seien. Lediglich Beträge für Wohnung, Essen und Strom seien einbehalten worden. Mittlerweile habe man die Abrechnung umgestellt. Die Existenz einer Schwarzgeldkassa bestreitet die Kurhausleitung. Es hätte hingegen Unregelmäßigkeiten gegeben, die den abgesetzten Verwaltungskoordinator Ernst Tischler betreffen. Was dieser jedoch vehement bestreitet.

Standard: Im Kurhaus Schärding der Barmherzigen Brüder soll über Jahre Geld am Fiskus vorbeigeschleust, Mitarbeiter sollen unter Lohn bezahlt worden sein. Sie waren langjähriger Verwaltungskoordinator, hat es Unregelmäßigkeiten gegeben?

Tischler: Ja, hat es. In Bezug auf die Entlohnung der indischen Masseure. Damit war ich überhaupt nicht einverstanden.

Standard: Dass statt eines Mindestlohns von 2000 Euro nur 900 Euro an die indischen Masseure ausbezahlt worden sind, können Sie also bestätigen?

Tischler: So war es - auf Anordnung des Priors und Gesamtleiters. Ich habe bereits 2008 den Prior mehrmals damit konfrontiert. Die Antwort ist aber stets gleich ausgefallen. Es war klar, die Inder kriegen nicht mehr. Seit dem Konflikt hat der Prior einen Pick auf mich gehabt. Es hat immer wieder Spannungen gegeben.

Standard: Und was ist mit dem "Restlohn" der Masseure passiert?

Tischler: Der Restlohn kam in eine Schwarzgeldkassa. Dafür gab es einen beauftragten Mitarbeiter.

Standard: Den Mindestlohn haben Sie hingenommen, vom Schwarzgeld haben Sie gewusst. Warum haben Sie nichts unternommen?

Tischler: Was hätte ich tun sollen. Der Prior hat dem Buchhalter erklärt, dass die Inder als Schlüsselarbeitskräfte eingestellt werden, daher kriegen sie nur 900 Euro. Ich habe dagegen protestiert - aber letztlich entscheidet so etwas der Orden. Und der Prior war Rechtsträgervertreter des Ordens.

Standard: Die Geschäftsführerin der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Ayurveda soll als Ärztin aufgetreten sein, obwohl sie keine ist. War Ihnen das bekannt?

Tischler: Da muss ich ehrlich sagen, da habe ich ganz wenig mitbekommen. Es ist im Raum gestanden, Konkretes hat aber keiner im Haus gewusst.

Standard: Und auf die Idee, genauer nachzufragen, sind Sie nicht gekommen?

Tischler: Sie war Geschäftsführerin und daher allein für diesen Bereich verantwortlich. Direkter Vorgesetzter war der Pater Prior.

Standard: 2004 eine Anzeige, weil die TCM-Chefin fälschlicherweise als Ärztin aufgetreten sein soll. 2008 wurde sie geklagt, 2009 musste sie sich gerichtlich verpflichten, nicht mehr als Akupunktur-Ärztin zu wirken. Und da wurden Sie als Verwaltungskoordinator nicht irgendwann unruhig?

Tischler: Die Anzeige aus dem Jahr 2004 war mir völlig neu. Alles andere war zwar im Haus gerüchteweise bekannt, wurde aber nie groß thematisiert.

Standard: Die Kurleitung weist die Anschuldigungen zurück, es habe nur in Zusammenhang mit Ihnen Unregelmäßigkeiten gegeben ...

Tischler: ... was nicht stimmt. Man hat mir vorgeworfen, ich hätte einen Handwerker des Kurhauses in seiner Dienstzeit in meinem Privathaus werken lassen. Der Mann hatte sich aber nachweislich dafür Urlaub genommen.

Standard: Sie wurden aber dennoch abgesetzt.

Tischler: Zunächst hat man mich als Koch in die Kurküche versetzt - mit dem Gehalt meiner ursprünglichen Position. Dann wurde ich beurlaubt. Im Oktober dann die Einigung auf einen Golden Handshake - und ich bin gegangen. Eine fristlose Entlassung war nie Thema - obwohl ich ja Schlimmes angestellt haben soll. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2011)

Anmerkung der Redaktion:

Die Staatsanwaltschaft hat im Frühjahr 2012 alle Ermittlungen gegen den Orden und das Kurhaus eingestellt.

Ernst Tischler (54) ist gelernter Koch und war von 2007 bis 2010 Verwaltungskoordinator im Kurhaus Schärding der Barmherzigen Brüder.

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    In der ältesten noch bestehenden Kneippkuranstalt Österreichs sollen nicht nur Füße, sondern auch Geld gewaschen worden sein.

  • Ernst Tischler (54) ist gelernter Koch und war von 2007 bis 2010 
Verwaltungskoordinator im Kurhaus Schärding der Barmherzigen Brüder.
    foto: privat

    Ernst Tischler (54) ist gelernter Koch und war von 2007 bis 2010 Verwaltungskoordinator im Kurhaus Schärding der Barmherzigen Brüder.

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