Zu nahe dran

Starfotograf Robert Capa und sein berühmtestes Bild

28. November 2011, 17:17

Das Foto hatte starken Propagandaeffekt zugunsten der legitimen spanischen Regierung und wurde zum Mythos

Wien - "Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, bist du nicht nah genug dran." Robert Capa, von dem dieser Satz stammt, war immer ganz nah am Geschehen und wurde zu einem der berühmtesten Kriegsreporter des 20. Jahrhunderts. Eine Auswahl aus der Capa-Kollektion des Ungarischen Nationalmuseums ist noch bis 15. Dezember im Collegium Hungaricum Wien (1020, Hollandstraße 4) zu sehen.

Capa wurde 1913 als Endre Ernö Friedmann in Budapest geboren. In die Fotografie stieg er als Autodidakt ein. 1933 emigrierte er nach Paris und nahm den Namen Robert Capa an. 1936 ging er nach Spanien, um den Bürgerkrieg zu dokumentieren. Im Zweiten Weltkrieg fotografierte Capa fast an allen Fronten und war unter anderem bei der Landung der Alliierten in der Normandie dabei. 1947 gründete er die legendäre Bildagentur Magnum. Dann war Capa einmal zu nahe dran: Im Indochina-Krieg 1954 wurde er von einer Mine getötet.

Capas berühmtestes Bild stammt aus dem Spanischen Bürgerkrieg: der tödlich getroffene Regierungssoldat. Das Foto hatte starken Propagandaeffekt zugunsten der legitimen spanischen Regierung und wurde zum Mythos. Das ist es bis heute geblieben, um eine Dimension bereichert: die der bewussten Mythenbildung.

Vermutungen, Capa habe das Bild nachgestellt, bestätigten sich. Die Maxime, so nahe wie möglich dran zu sein, wurde dadurch doppeldeutig. Capas Biograf Richard Whelan versuchte eine Ehrenrettung: Die Wahrheit des Bildes sei "weder schwarz noch weiß. Es ist weder das Foto eines Mannes, der vorgibt, angeschossen worden zu sein, noch ein Bild, das während der Hitze des Gefechts aufgenommen wurde". Der Soldat habe sich für ein "heroisches Porträt" zur Verfügung gestellt. Daraus sei "völlig unerwartet das Bild eines Mannes geworden, der gerade tödlich verwundet wurde".

Wäre das Bild ohne die - lange unwidersprochene - Botschaft des Todes so bekannt geworden? Die Antwort bleibt offen. Die Auseinandersetzung mit Capas Schaffen ist dadurch jedenfalls noch spannender geworden. (jk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. November 2011)

Kommentar posten
22 Postings
ikepod
00
29.11.2011, 22:49
es waren schöne zeiten, da konnte mon nach vermuten ob fälschung oder nicht.

heute gibt es keines ohne photoshop
und es gibt keinen zwefel, jedes bild ist verändert.

Mathias Steinlaus
 
00
29.11.2011, 13:46
Capas berühmtestes Bild stammt aus dem Spanischen Bürgerkrieg: der tödlich getroffene Regierungssoldat. Das Foto hatte starken Propagandaeffekt zugunsten der legitimen spanischen Regierung und wurde zum Mythos.

So ähnlich wie das Bild des ersten gefallenen deutschen Soldaten während des Polenfeldzuges?

Ich vermute mal, dieses Bild wird den meisten noch aus dem Geschichtsunterricht geläufig sein.

der böse joko
11
29.11.2011, 12:48
mich wundert die Darstellung ein bisschen

Es gibt so gut wie keine Beweise für die Vorwürfe, dass das Bild nachgestellt wurde (weder im Std Artikel noch sonst wo). Wenn man sich die Geschichte des Bildes und der Vorwürfe einer Fälschung ansieht, muss man davon ausgehen, dass das Bild authentisch ist.

Gerd Dröscher
11
29.11.2011, 14:01
Diese Szene ist leider doch gestellt.

Es gibt sogar eine eigene TV Dokumentation in der auf grund der im Hintergrund sichtbaren Berg(Hügel) Kette der Standort des Bildes bestimmt werden konnte! Und der ist leider nicht genau dort wo damals die Kampfhandlungen stattgefunden haben!

Brot Pitt
 
01
29.11.2011, 18:04
Ich habe die Doku auch gesehen

Es gibt genauso viele Argumente pro und contra. Wir werden es vermutlich nie mit 100% Sicherheit wissen.

Dirty Sanchez i.R.
 
22
29.11.2011, 11:53
Das ist nur sein berühmtestes Bild,

weil seine Aufnahme von Opa Sanchez sel. beim Vollzug des ersten Dirty Sanchez an der Frau von General Franco nach dem Ende des Bürgerkrieges vom Geheimdienst vernichtet wurde.

Lilly Rush
 
10
29.11.2011, 10:00
"Raising the Flag on Iwo Jima"

Ähnlich die Geschichte eines anderen berühmeten Fotos: "Raising the Flag on Iwo Jima"
Das weltberühmte Foto zeigt eigentlich den Austausch der ursprünglichen Fahne gegen eine größere. Obwohl auch diese Szene "echt" war, wurde dem Fotografen vorgeworfen sie sei gestellt.
Immerhin hat der Fotograf dafür den Pulitzer-Preis erhalten und es wurde eines der bekanntesten Fotos des WKII.

Zinsenfeger
00
30.11.2011, 14:42

Die Flagge wurde aufgestellt und am nächsten Tag für den Fotografen nachgestellt. Genau so wie die Sowjets mit der Flagge am Reichstag verfuhren.
Wir sind uns wenig darüber bewusst, dass eine Vielzahl von historischen Kriegsbildern gestellt sind. So wurden auch die "Schlachtenszenen" des Ersten Weltkrieges mehrheitlich nach Kriegsende - an den Originalschauplätzen - gedreht.
Ich würde deswegen aber nicht unbedingt von Betrug oder "Fälschung" sprechen. Die Fotoreporter wollten das Geschehen visuell fassbar machen. Und das ist ihnen ja gelungen.

Michail Bakunin
15
29.11.2011, 00:40

Na da würde sich der anarchistische Milizionär Federico Borrell García aber sehr freuen, wenn er hier zum "Regierungssoldaten" wird. Auweia.

yotix
 
02
29.11.2011, 10:08

Ja, nur: Viele wissen heutzutage nicht einmal mehr, dass die Internationalen Brigaden, Anarchisten und Kommunisten und andere, aus internationalen Freiwilligen, tatsächlich die gewählte linke Regierung unterstützten. Und dass Francos Militärputsch leider aus blindem Antikommunismus auch von anderen Staaten als nur der NS-Verbrecherdiktatur unterstützt wurde.

Vor einigen Jahren gab es schon ähnliche Artikel hier im Standard; etliche Poster waren da offenbar felsenfest überzeugt, dass damals "unsere Buam" (die Drecksnazis) dem gütigen Franco-Onkel legal gegen hinterhältige Russenkummerl beigestanden hätten ... diese Lüge ist wohl salonfähiger als die direkte Leugnung der NS-Verbrechen.

Ata Kak
00
29.11.2011, 14:07

Dass die Anarchisten auf Seiten der Republik gekämpft haben, macht sie noch nicht automatisch zu "Regierungssoldaten". Tatsächlich erfolgte ihre Eingliederung in die reguläre Armee, falls überhaupt, erst später. (Da der faschistische Putsch von sympathisierenden Militärs getragen wurde, musste sich eine republikanische Armee ohnehin erst einmal neu organisieren.)
Davor bestanden die auf Seiten der Republik kämpfenden Truppen vorwiegend aus den Milizverbänden der einzelnen, einander gar nicht mal so freundlich gesonnenen, politischen Fraktionen.
Ausserdem: Hört ein auf Republikseite kämpfender Anarchist nicht eigentlich auf, ein solcher zu sein?

Ein Dogmatiker darf sich also an der von Bakunin mokierten Wortwahl durchaus stoßen.

Brot Pitt
 
04
28.11.2011, 22:31
Nachgestellt?!

Man sollte mit solchen Behauptungen vielleicht vorsichtiger sein. Es wurde bis heute nicht bewiesen, das dieses Bild gestellt ist. Es spricht vieles dafür, dass die Aufnahme echt ist. Es gibt halt immer Neider und Verschwörungstheoretiker....

ikepod
10
29.11.2011, 22:38
er wollte eine helden mode

er wollte eine helden model und der ist leider vor seinen augen abgeschossen worden
soviel ich verstanden habe.

Franz Josef Lolinger
10
28.11.2011, 21:13

Das ist doch Beschiss!

Heavyweather
00
28.11.2011, 22:06

Tot war der trotzdem...

http://www.welt.de/welt_prin... reqdrucken

embedded jounalism halt.
Seine Freundin hat es schon vor ihm erwischt.

Wer geht auch freiwillig zu einem Krieg. Ich versteh ja die Leute immer noch nicht die sich freiwillig melden um in anderen Ländern drauf zu gehen. Die Eltern von denen auch nicht...

luxustier
00
29.11.2011, 15:45

danke für den link

Kleiner Mumin
00
29.11.2011, 10:12

Hans Landauer lebt noch, erkundigen Sie sich vielleicht bei ihm.

astemp79
04
28.11.2011, 20:40
Das Bild nimmt der historischen Bedeutung Capas nichts.

Capa war ein großer Reportagefotograf und wirklich immer nah dran - egal ob und wie bei diesem Bild nachgeholfen wurde oder auch nicht.
Als (Mit-)Begründer von Magnum hat er Fotografen-Geschichte geschrieben.

ikepod
10
28.11.2011, 19:47
gut dass ich jetzt die geschichte kenne

ist zum lachen.
durch fehlinterpretation wird eine legende geschaffen.

= 8-b......
02
29.11.2011, 08:36

manchmal sogar weltreligionen.

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