Erste-Stiftung schuldet um

28. November 2011, 13:56
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Kredite werden durch Anleihen ersetzt

Wien - Für die Aktionäre der Erste Group gibt es für 2011 keine Dividende. Die Hauptaktionärin, die Erste Stiftung, sei so weit mit Liquidität versorgt, dass sie zwei Jahre ohne Dividendenzahlung von ihrer Bankbeteiligung auskommen würde, versicherte Erste-Chef Andreas Treichl im Oktober, als er riesige Abschreibungen auf Osttöchter und Credit Default Swap-Papiere berichtete. Das Magazin "profil" schreibt in seiner jüngsten Ausgabe, dass die Erste ihrem größten Aktionär, der Erste Privatstiftung, beispringen musste, indem über Erste-Fonds in großem Stil Anleihen der Stiftung gezeichnet worden seien.

Ein Erste-Sprecher ließ diese Beschreibung am Montag auf APA-Anfrage nicht stehen: "Es musste niemand einspringen. Es hat nie Schwierigkeiten gegeben, eine dieser Anleihen zu platzieren. Alle waren immer überzeichnet", betonte der Sprecher. "Die Stiftung finanziert sich problemlos am Markt."

Keine Dividende

Die Erste Stiftung ist nach aktuellen Angaben mit 25,6 Prozent an der Erste Group beteiligt. Die Stiftung kann als wesentliche Einnahmequelle üblicherweise auf die jährlichen Dividenden von der Erste Group zurückgreifen. Eine Ausschüttung unterbleibt für heuer aber.

Die Stiftung sitzt nach vergangenen Bankübernahmen auf Schulden, die sich auf rund 1,2 Mrd. Euro belaufen. Ursprünglich waren diese Schulden Kredite "bei zehn Banken und Versicherungen", wie der Sprecher heute erläuterte. In den vergangenen Jahren seien diese Kredite sukzessive durch Anleihen ersetzt worden. In Summe seien es bisher neun Anleihen über 770 Mio. Euro. Die Bank spricht von einer "normalen strategischen Entscheidung, die Refinanzierungsbasis der Stiftung zu verbreitern".

Anhand einer im März begebenen 100 Millionen Euro Schuldverschreibung der Erste-Stiftung mutmaßt "profil" nun, dass das Naheverhältnis zwischen Bank und Großaktionär (Treichl ist Vorstand der Stiftung und Chef der Erste Group) der Stiftung zu einer günstigen Finanzierung verholfen haben dürfte. Einen guten Teil der 100 Mio. Euro-Emission - nämlich ein Drittel - habe die Erste Group selbst übernommen und dann, verpackt in ihre Sparfonds, an die eigenen Kunden weiter gegeben, schreibt das Magazin. Es handle sich um den ESPA Cash Euro sowie ESPA Cash Euro plus, die bei der Emission zugeschlagen hätten.

Normales Geschäft

In der Ersten wurde am Montag bestätigt, dass von der März-Anleihe der Stiftung ein Teil auch von der Sparinvest gezeichnet wurde. Das sei aber ein normales Geschäft einer Kapitalanlagegesellschaft. "Wer in Österreich Geldmarktfonds auflegt, kommt um diese Stiftungsanleihe nicht herum", so der Banksprecher. Die Verzinsung sei gut, die Emissionen seien breit gestreut im österreichischen und tschechischen Markt über Filialen von Banken verkauft worden. Es würden auch weitere Anleihen platziert, wenn der Markt dafür gut sei, hieß es. (APA)

 

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