Forscher fanden heraus, wie sich Spinnen gegen die Angriffe von Ameisen schützen
Melbourne - Netze sind ein praktisches Mittel, um Beutetiere zu fangen - sie können aber auch der Netzarchitektin selbst zum Verhängnis werden, wenn räuberische Insekten sich über ebendieses Netz bis zu ihr vorarbeiten und die Jägerin zur Beute machen. Einige Spinnenarten haben sich offenbar gegen solche Überfälle geschützt, wie Forscher nun herausfanden - die Spinnen imprägnieren ihre Netze.
Mark Elgar von der Universität Melbourne und Daiqin Li von der Nationalen Universität Singapurs führten eine chemische Analyse von 21 Netzen der südostasiatischen Seidenspinnenart Nephila antipodiana durch. In den meisten Fällen fanden sie dabei auf der Spinnenseide ein Pyrrolidinalkaloid, das man auch schon in den Netzen anderer Spinnenarten festgestellt hatte, dessen Funktion bislang aber unklar war. Eine Hypothese lautete, dass dieses Alkaloid Raubinsekten abwehren soll - im konkreten Fall Ameisen, die meist in direkter Nachbarschaft zu den Spinnen leben.
Ein erstes Indiz für die Richtigkeit dieser These war der Umstand, dass dieses Alkaloid in den Netzen ausgewachsener Nephila-Spinnen gefunden wurde - nicht aber in denen von Jungspinnen, deren Fäden noch so dünn sind, dass Ameisen nicht auf ihnen laufen können. Eine endgültige Bestätigung brachte ein Versuch: Die Forscher bauten drei "Brücken" aus jeweils einem Spinnenfaden, die zu einer verlockend duftenden toten Fliege führten. Eine davon enthielt weiterhin das Alkaloid, während es von den beiden anderen entfernt worden war. Und tatsächlich schwärmten die Ameisen über diese beiden Fäden zur Beute, während sie den dritten mieden. Als die Forscher einen der beiden "bereinigten" Fäden nachträglich wieder mit dem Alkaloid übergossen, wurden die Ameisen auch von diesem Pfad abgeschreckt. (red)