WU-Verfahren

Bund muss Wirtschaftsuni Wien sechs Millionen Euro nachzahlen

28. November 2011, 13:45
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/fercher

    Für den Zeitraum 2010 bis 2012 muss das Grundbudget von 185 Millionen Euro auf 191 Millionen Euro erhöht werden.

  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    WU-Rektor Christoph Badelt.

Eigens eingerichtete Schlichtungskommission spricht Uni Budgeterhöhung zu - "Wegen gravierender Veränderung der zugrundeliegenden Rahmenbedingungen"

Wien - Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) hat auf ihrem per Rechtsweg bestrittenen Kampf um ein höheres Budget Recht erhalten. Wie die eigens eingerichtete Schlichtungskommission unter Vorsitz der Präsidentin des Obersten Gerichtshofs (OGH), Irmgard Griss, am Montag bekanntgab, muss das Wissenschaftsministerium der WU bis Ende des Jahres zusätzliche sechs Millionen Euro auszahlen. Damit werde das in den Leistungsvereinbarungen für 2010 bis 2012 festgesetzte Grundbudget "wegen gravierender Veränderung der zugrundeliegenden Rahmenbedingungen" von rund 185 Millionen Euro auf etwa 191 Millionen Euro erhöht.

WU-Rektor Christoph Badelt hatte auf dem Rechtsweg mehr Geld gefordert, nachdem die in der Leistungsvereinbarung fixierte und versprochene Platzbeschränkung nach dem Notfallparagraf 124b für überlaufenen Massenstudien am Widerstand von Koalitionspartner SPÖ gescheitert war. Da die Zahl der Studenten an der WU nun fünfmal so hoch ist wie die vorhanden Kapazitäten und er keine Plätze beschränken durfte, wollte Badelt für den notwendigen Ausbau der WU mehr Geld vom Ministerium.

Dass der WU nicht die von Badelt gewünschten 64,4 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich zugesprochen wurden, erklärt die Schlichtungskommission damit, dass das Wissenschaftsministerium "auch nicht mehr verteilen" kann, "als es für diese Zwecke hat". Der Kommission sei "bewusst, dass der WU ein wesentlich höherer Betrag zustünde, wenn die Leistungen des Bundes in dem Maß erhöht werden könnten, in dem die tatsächlichen Studierendenzahlen die Zahl der Studierenden bei geregeltem Zugang zu den Bachelorstudien übersteigen". Eine Budgeterhöhung in diesem Ausmaß "muss aber an den begrenzten Mitteln scheitern, die für diese Leistungsvereinbarungsperiode noch zur Verfügung stehen" - nämlich insgesamt zehn Millionen Euro.

Kommission: Mehrbetrag wäre nötig gewesen

In ihrer Stellungnahme kritisiert die Schlichtungskommission, dass zwischen Bund und Wirtschaftsuniversität (WU) nach dem "Scheitern der Bemühungen um eine Zugangsregelung" keine Budgeterhöhung beschlossen wurde. "Redliche und vernünftige Parteien" hätten demnach "einen Mehrbetrag vereinbaren müssen", der die höheren Aufwendungen deckt. "Das wäre nicht der von der WU geforderte Betrag  gewesen", räumt die Kommission aber ein, "weil sich die Parteien angesichts der budgetären Zwänge darauf nicht hätten einigen können."

Zugangsreglen "unabdingbar"

Für künftige Leistungsvereinbarungen hält die Kommission zugunsten annehmbarer Studienbedingungen in Massenstudien Zugangsregelungen für "unabdingbar", wenn keine drastische Erhöhung des Uni-Budgets erfolgt. Der Bund dürfe den Universitäten "nur insoweit Aufgaben übertragen, als er ihnen auch die - finanziellen oder anderen - Mittel eröffnet, um die Aufgaben zu erfüllen". Deckt sich das Budget nicht mit den Studentenzahlen, müsse die autonome Uni selbst Zugangsbeschränkungen einführen oder Studiengebühren einheben können.

Badelt: "Entscheidung hat Auswirkungen auf alle Unis"

Rektor Badelt zeigte sich in einer Aussendung überzeugt, dass der Bescheid die Verhandlungen für die kommende Leistungsvereinbarung von 2013 bis 2015 für alle Universitäten beeinflussen wird. "Diese müssen darauf bedacht sein, nicht mehr Leistungen zu versprechen als sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mittel auch erfüllen können", so Badelt. Da die Kommission mit Verweis auf das Budget des Wissenschaftsministeriums der WU nur sechs Millionen Euro zuspricht, könne seine Unversität mit dem Geld nur "ein paar besondere Härten im Lehrbetrieb" mildern. Badelt sieht in der Entscheidung auch eine rechtliche Klarstellung dafür, dass "die bisher praktizierte Hochschulpolitik in Österreich verfassungsrechtlich bedenklich ist und daher aus Anlass der nächsten Leistungsvereinbarung eine Entscheidung zwischen Zugangsregeln oder drastischen Budgetsteigerungen notwendig sein wird."

WU lässt sich Berufung offen

Ob die WU die Entscheidung der Schiedskommission anfechten will, lässt man sich derzeit noch offen, erklärt die WU-Sprecherin gegenüber derStandard.at. Eigentlich würden der WU ja 64,4 Millionen Euro statt der angekündigten sechs Millionen zustehen. "Es geht uns vor allem um die bildungspolitische Komponente, die hinter diesem Entscheid steckt“. Der Bescheid sei noch nicht rechtskräftig und müsse nun juristisch geprüft werden. Nachsatz: Wenn dieser Betrag von sechs Millionen Euro nur eine einmalige Zahlung ist und es auf Dauer zu keiner Budgeterhöhung kommt, werde man damit nicht auskommen.

Geld fließt in Studiengeingangsphase

Der größte Teil des von der Schlichtungskommission zugesprochenen Mehrbetrags, nämlich vier Millionen Euro, soll der Verbesserung der Studienbedingungen in der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) ab dem Wintersemester 2011/12 dienen. Weitere zwei Millionen Euro werden als "Abgeltung von Mehraufwendungen und für den Ausgleich von Nachteilen angemessenen" zugesprochen.

Das derzeitige Gesamtbudget der WU (Globalbudget plus Studiengebühren) liegt bei rund 297,9 Mio. Euro für die Jahre 2010 bis 2012. Exklusive Formelbudget, das sich nach Kriterien wie der Zahl der Studenten richtet, sind es die von der Schiedskommission angegebenen rund 185,3 Mio. Euro für drei Jahre.

Schmidinger sieht SPÖ unter Zugzwang

Aus Sicht des Präsidenten der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, wird der Bescheid der Schlichtungskommission Auswirkungen auf alle Universitäten haben. "Das wird wenigstens all jene Unis betreffen, die sehr stark nachgefragte Studienrichtungen haben", sagt er. Durch die Feststellung der Kommission, dass die Unis entweder mehr Geld oder die Möglichkeit zu Zugangsbeschränkungen bekommen müssen, sieht er die SPÖ unter Zugzwang. "Sie muss sich auf jeden Fall dem Thema der Zugangsregeln stellen, sie kann nicht mehr einfach mauern."

Töchterle fühlt sich bestätigt

Von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) heißt es in einer ersten Reaktion, er wolle zügig notwendige Rahmenbedingungen umsetzen, um in Massenfächern Regelung zum Uni-Zugang einzuführen.

"Ich habe seit jeher betont: Universitäten haben Kapazitäten und die müssen sie auch leben dürfen. Das haben wir mit dem Bescheid der Schlichtungskommission schwarz auf weiß", so Töchterle. Zu den sechs Millionen Euro, die das Ministerium der WU bezahlen muss, sagt er: "Diese Mittel mildern zwar kurzfristig die Probleme an der WU, sie sind aber keine langfristige Lösung." Er fordert einen geregelten Zugang zu den Universitäten. "Vor allem in den Massenfächern brauchen die Unis rasch Instrumente, die sie gezielt einsetzen können." Er werde mit der SPÖ Gespräche aufnehmen, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.

SPÖ weiter gegen Zugangsbeschränkungen

Die SPÖ spricht sich nach dem veröffentlichten Urteil im erneut gegen Zugangsbeschränkungen aus. Das Wissenschaftsministerium habe von vornherein mit "der nicht rechtskonformen Zusage zu Zugangsregelungen in den Leistungsvereinbarungen" einen Fehler gemacht, "der nun durch die Nachzahlung an die WU korrigiert wird", so SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl.

Die Schlichtungskommission fordere "Zugangsregelungen oder Budgeterhöhungen" - ersteres gebe es bereits, für zweiteres werde mit der von Töchterle und Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) in Aussicht gestellten Hochschulmilliarde ein "sehr wichtiger und richtiger Schritt" getan. SP-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter regte zudem erneut an, zusätzliche Mittel für die Universitäten über eine Vermögenssteuer einzuholen.

ÖH: "Finanzmisere beenden"

Als "deutliche Aufforderung" an Töchterle, "die Finanzmisere der Unis zu beenden", wertet die ÖH den Spruch der Schlichtungskommission. Dieser zeige "einmal mehr, dass die Universitäten extrem unterfinanziert sind", so ÖH-Generalsekretär Peter Grabuschnig (Fraktion engagierter Studierender, FEST) in einer Aussendung. Dass die WU überhaupt den Rechtsweg beschreiten musste, um finanzielle Mittel einzuklagen, bezeichnet er als "Armutszeugnis für die österreichische Bildungs- und Finanzpolitik". (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3
Jehona Jericho
00
29.11.2011, 10:34
"Wenn du glaubst, Bildung sei teuer, dann probier es aus, was Dummheit kostet!" (Derek Curtis Bok, Altpräsident der Harvard Universität)

und damit meine ich, wer an der bildung spart, braucht sich nicht wundern wie es dann um österreich in 50 jahren steht.

SiSe
00
28.11.2011, 23:36

Was aber auch noch erwähnt werden sollte ist, dass der §124b - auf welchen sich die WU beruft - nie für die Fälle an der WU beschlossen wurde...

Und hier hat das Ministerium unter Karl (oder noch Hahn) einen Fehler gemacht, indem man der WU etwas versprochen hat, für das es keine rechtliche Möglichkeit gab. Dass sich die ÖVP-Wissenschaftsminister diese zwar wünschen (und nach Ihren Wünschen offenbar Leistungsvereinbarungen abschließen) sollte auch nicht außer Acht gelassen werden.

eva lindt
 
31
28.11.2011, 22:10
da sieht man

dass den linken anscheinend auch schon die rein grundsätzliche befähigung zu denken abhanden gekommen sein muss. diese doppelte gemeinheit - wir leben auf kosten unserer kinder UND enthalten ihnen eine anständige bildung vor - macht mich fassungslos. ihr wirtschaftet diesen staat komplett herunter!

flotter denker
00
29.11.2011, 03:54
Diese rein grundsaetzliche Faehigkeit zu denken

konnte den Linken nicht abhanden kommen. Die ist bei denen einfach nicht vorhanden und war auch nie vorhanden.

Nutztier
00
29.11.2011, 09:47

eiei, ich weiß ich weiß, ist nur ein scherz, aber was sie von sich geben spiegelt eins der probleme der bildungspolitik in österreich wieder: es wird extrem oft nicht sachlich diskutiert sondern man wirft sich einfach gegenseitig dreck an den kopf...traurig find ich das und da sollt man nicht auch noch mitmachen...

Bimbulli
00
29.11.2011, 03:36

Meinen Sie die Linken Hahn, Karl, Töchterle der ÖVP?

pinguin78
00
28.11.2011, 19:35

gibt's die schlichtungsstellen-entscheidung irgendwo als download?

roland muster
 
52
28.11.2011, 18:28
WU generell Abschaffen

Solange auf der WU keine Wissenschaft gemacht wird, sondern fürs System ausgebildet wird, glaub ich, dass wir mitlerweile genug BWL - Amöben die auf die wenigen noch wirklich Arbeitenden Menschen (Mechaniker, Maurer, Maler, Techniker, Krankenschwester usw.) losgelassen werden, als Banker, Steuerberater, die alle nicht Arbeiten sondern einem System dienen, das wir glaube ich alle nicht mehr haben wollen.

Wir sind die Guten!!
00
29.11.2011, 09:34
oder privatisieren! schwer einzusehen, dass diejenigen, die mehr privat und weniger staat propagandieren, am lautesten nach der hilfe des staates rufen.

schon jetzt stehen der wu manigfaltige wirtschaftliche tätigkeiten offen!

Santino Corleone
10
29.11.2011, 07:27
Wenn sie glauben wollen gehen Sie in die Kirche !

Stmk
34
28.11.2011, 17:45
Studiengebühren

Ich bin auf einer FH in Graz! Ich zahle Studiengebühren und es gab einen Aufnahmetest! Mir sind es diese 360 Euro wirklich Wert das ich einen fixen Studienplatz haben und nicht auf der Stiege sitzten muss wie auf manchen Unis in gewissen Fächern. Es ist wirklich eine hohe Qualität. Und mir ist meine Ausbildung das Wert. Weiß nicht was die ÖH immer so dagegen wettert (die meinung der ÖH ist nicht immer die Meinung der Studenten), derjenige der sich Studiengebühren nicht leisten kann bekommt sie eh bezahlt.

_tom_100
00
30.11.2011, 23:18

Lernt man auf der FH in Graz auch gutes Deutsch? ;-)

subspace99
00
29.11.2011, 11:11

Der Unterschied liegt nicht an den Studiengebühren sondern an der Studienplatzfinanzierung der FHs. Wenn die Unis pro StudentIn denselben Betrag wie FHs zur Verfügung hätten, gäbe es auch keine Probleme.

Nutztier
01
29.11.2011, 09:50

die studiengebühren haben in der höhe gerade mal ca 5% des budget ausgemacht...also da wird sich nicht so wahnsinnig viel ändern am am boden sitzen in den großen unis...

qwertztt
01
28.11.2011, 19:26

Ich hab damals auch 360 euro gezahlt...und durfte trotzdem auf der Stiege sitzen....

360 Euro sanieren die Unis nicht...(eher das allgemeine Budget ein bisschen...)

Stmk
00
28.11.2011, 19:44

nein glaube auch nicht das es die 360 Euro ausmachen! aber diejenigen die sich nur anmelden damit sie weiterhin Familienbeihilfe bekommen... (wie einige von meiner Maturaabschlussklasse) bzw diejenigen die ewiglang studieren ohne weiterzukommen bekommt man zu einen gewissen Teil weg... natürlich auch nicht alle

qwertztt
03
28.11.2011, 20:15

Diese angesprochenen Gruppen besetzen aber keine Plätze auf den Unis, sondern nur im "Karteikasten"

samba cat
00
29.11.2011, 09:24
mitdenken

wird an dieser fh also wohl nicht so gross geschrieben. ein lebendes vorurteil, der op.

Phan Tast
00
28.11.2011, 19:22

FH in Graz? Hohe Qualität? War an der FH nicht etwas im Journalismus-Betrieb?

Stmk
00
28.11.2011, 19:41

Es gibt in Graz nicht nur die FH Joanneum, solltest du diese meinen!

Lang lebe Hütteldorf
17
28.11.2011, 18:04

es geht um eine grundlegendes Bekenntnis eines Landes zum Thema Bildung, nicht um 360 €.
Die Diskussion wird gerne in diese Richtung getrieben um vom echten Problem abzulenken.

Ein reiches Land wie Österreich bekennt sich dafür das höchste Gut einzuschränken - aber nicht alle Menschen wollen eine verschulte Struktur zum Fixtarif. Individualität und den Reiz sich in jungen Jahren auszuprobieren (welche 18jährige weiß schon ob ihre Wahl richtig war?) werden damit erheblich erschwert. De ÖVP geht es um einen möglichst hohen Durchsatz an Absolventen, der dann wie ein Ei dem dem anderen gleicht. Die Unfähigkeit Österreichs den Staatshaushalt zu führen, führt dazu, dass gespart werden muss. Und dass leider in diesem Bereich.die katze beisst..

smea_gol
50
28.11.2011, 17:57

sie gneißen offenbar den nicht-zusammenhang zwischen dem einen und dem anderen nicht.

wayne100
20
28.11.2011, 17:26

Mich würde interessieren ob die Kommission auch nur einen Blick in die Bilanz der WU geworfen hat. 50mio Cash und 9mio Aktienportfolio wird unter normalen Umständen nicht als Legitimation für den Notfallparagraf gelten.
Überhaupt hat ein Cashflow von 10% des Budgets und ein Eigenkapital von 30% an den Hochschulen gesamt eher eine radikale Kürzung verdient statt einer Debatte über Geldspritzen.

hentai
00
28.11.2011, 19:03

schonmal in der STEP auf der WU gewesen? von diesem portfolio und cashflow haben die Studenten reichlich wenig.

wayne100
20
28.11.2011, 19:25

Dann sollte man vielleicht das einmal ändern anstatt die Republik permanent anzuschnorren ;)
Ich bekomme auch keine Sozialhilfe solange ich meine Eigentumswohnung habe.
Außerdem frage ich mich warum eine Uni nach UGB bilanzieren muss, es wäre ein leichtes das zu ändern und würde sehr schnell Abhilfe schaffen. Aber parken wir halt noch weitere x-Millionen überflüssiger Weise in diversen Hochschulen um sie dort gemütlich modern zu lassen, wir habens ja.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.