E-Health - Bevölkerung laut Umfrage zu 80 Prozent dafür

28. November 2011, 13:31

"Gläserner Patient" macht wenig Angst - Große Ablehnung gegenüber Nackt-Kampagne der Ärztekamme

Der Streit um die geplante Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) scheint die Bevölkerung unbeeindruckt zu lassen. Laut einer aktuellen Oekonsult-Umfrage sprechen sich knapp 81 Prozent für E-Health aus. Nur 29 Prozent haben Angst davor, "gläserner Patient" zu werden. Gar nicht gut kommt die aktuelle Gegenkampagne der Ärztekammer an, generell wird an den hehren Motiven der Mediziner gezweifelt.

Doppelbefunde

Unter den 1.231 Befragten haben nicht einmal zehn Prozent eine Liste aller ihrer Medikamente parat, wenn sie zum Arzt gehen. Mehr als vier Fünftel halten die von der E-Medikation versprochene Prüfung auf Wechselwirkungen für notwendig. Doppelbefunde sind nach Ansicht von rund 75 Prozent gängige Praxis. Für rund 85 Prozent ist es nicht immer möglich, alte Befunde bereit zu halten. Dass - wie bei ELGA geplant - Ärzte der Wahl mit ausdrücklichem Einverständnis der Patienten per Computer in all dies Einblick bekommen, begrüßen fast 81 Prozent der Befragten.

Dass niemand zur Teilnahme an E-Health, E-Medikation oder ELGA gezwungen werden darf, ist 86 Prozent wichtig. Auch auf Transparenz wird Wert gelegt: 69 Prozent wollen jederzeit prüfen können, wer auf die Daten zugegriffen hat, 60 Prozent wollen checken, was überhaupt gespeichert ist.

Nackt-Inserate

Ein Glaubwürdigkeits- und Sympathieproblem scheint angesichts der Umfrageergebnisse die Ärztekammer haben. Die aktuellen Nackt-Inserate der Standesvertreter gegen die ELGA lehnen fast 70 Prozent ab. Als Motiv für den Protest orten fast 55 Prozent den Wunsch der Ärzte, das eigene Tun vor Transparenz und Kontrolle schützen zu wollen und nicht die Sorge um die Sicherheit der Patientendaten.

Offensichtlich wird mit der Umfrage allerdings auch das geringe Wissen um den elektronischen Umgang mit Gesundheitsdaten. So wissen nur 15 Prozent jener, die sich für Kenner der E-Card halten, dass auf dieser keine Gesundheitsdaten gespeichert sind. Alle anderen vermuten, dass dort alle, die wichtigsten oder zumindest einige wenige Gesundheitsdaten gespeichert sind. (APA)

Denkorant
00
29.11.2011, 11:53
Warum die Gesundheitsakten gestohlen werden und warum jeder davon betroffen sein wird. (Teil 2)

Zweitens: Es gibt keinen absoluten Schutz!
Wie viele Mitarbeiter haben Zugang zu diesen hochbrisanten Daten (und ich meine keine Ärzte sondern Systemverwalter)? Es reicht hier ein Mitarbeiter (mit Zugang) welcher erfolgreich bestochen oder unter Druck gesetzt wurde.
Drittens: Kann man wirklich aus dem System aussteigen?
Selbst wenn 20% der Versicherten sich entschließen nicht mitzumachen, stehen noch immer 80% an Datensätzen zur Verfügung. Ein Arbeitgeber wird daher nur noch Gespräche mit potentiellen Mitarbeitern führen, wo er Daten zur Verfügung hat. Eine Versicherung nur unter Zusatzkosten Leistungen für jene anbieten, welche nicht Datenmäßig erfasst sind. Hier ein Aufruf: Unbedingt ein freiwillige Anmeldung und auf keinen Fall eine auf

Denkorant
00
29.11.2011, 11:52
Warum die Gesundheitsakten gestohlen werden und warum jeder davon betroffen sein wird. (Teil 1)

Erstens: Gestohlen wird, was wertvoll ist!
Wertvoll sind die Gesundheitsdaten weil jeder Arbeitgeber lieber gesunde als potentiell krankheitsanfällige Mitarbeiter beschäftigt. Wenn wir annehmen, dass ein Mitarbeiter einem Arbeitgeber 80.000€ pro Jahr kostet, lassen sich hierdurch schon Millionenbeträge an Einsparungspotential (in dem Fall für Arbeitgeber) berechnen. Hierbei sind Begehrlichkeiten von Versicherungen noch gar nicht berücksichtigt. Daher: Diese Gesundheitsakte ist hunderte Millionen von € wert.

Postingname geändert
01
28.11.2011, 18:42
die doesis!

einfach abenteuerlich, die prioritaeten und das wertegefuege in diesem land!

beim tschickverbot oder bei der hundekackeentsorgungspflicht (in laendern mit buerglich-oeffentlichen tugenden beides selbstverstaendlich) gibts groesste widerstaende - da entdeckt der alpenrepublikaner ploetzlich seine libertaeren und freiheitsliebenden instinkte.

wenn es aber wirklich um grund- und freiheitsrechte geht, dann wird dem metternichschen polizei- und ueberwachungsstaat kaum etwas entgegengesetzt.

prost mahlzeit!

ach ja: das ergebnis des bildungsvolksbegehrens hat damit sehrwohl auch etwas zu tun.

max grünzweig
00
28.11.2011, 17:38

Sie brauchen nur eine unangenehme Krankheit haben und eine Krankenschwester, die Zugriff auf ihre Daten hat plaudert das in ihrem Bekanntenkreis aus. Was glauben sie wie angenehm das in einer Kleinstadt für den Betroffenen ist, wenn dann jeder weiß, dass er Aids, Hep.C eine Geschlechtskrankheit oder sonstiges hat, wo man ihm nicht mehr gerne die Hand gibt.

gerhard maierhofer
00
28.11.2011, 18:09

na dann meldeb sie sich halt von elga ab, wenns net wollen. außerdem soll jeder zugriff nachvollziehbar sein.

max grünzweig
01
28.11.2011, 20:10

Sie scheinen nicht sinnerfassend lesen zu können. Es ging nicht um mich, sondern um eine fiktive Person, welcher sowas passieren könnte. Aber ich kann ja mal nachsehen ob von ihnen oder ihrer Familie ein paar Daten zu finden sind.

Shazmandur
21
28.11.2011, 14:07
ELGA hat nur Vorteile ...

... und den gläsernen Patienten gibt es ohnehin schon ...

Decius
00
28.11.2011, 15:02
und wie gibt es den schon?

Wo und bei welcher Behörde werden alle Gesundheitsdaten derzeit zentral verknüpft?

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