Belgrad/Pristina

Erneute Verhandlungen am Mittwoch über Grenzkontrollen

28. November 2011, 13:03

Auch Teilnahme des Kosovo an regionalen Treffen Thema - Ex-Außenminister Draskovic für Verfassungsänderung

Belgrad/Pristina - Belgrad und Pristina (Prishtina) wollen am Mittwoch neuerlich über den Grenzkonflikt im Nordkosovo sprechen. Bei einem Treffen von Regierungs-Unterhändlern soll es auch um die Frage der kosovarischen Teilnahme an internationalen Treffen gehen. Belgrad boykottiert bisher alle Treffen, zu denen der Kosovo als unabhängiger Staat eingeladen ist.

Vor der neuen Gesprächsrunde bekräftigte die kosovarische Chefverhandlerin Edita Tahiri den Standpunkt Pristinas, dass die integrierte Grenzkontrolle an allen Grenzübergängen zu Serbien gelten soll. Der serbische Chefverhandler Borislav Stefanovic winkte ab. Serbien werde nicht auf den Versuch Pristinas eingehen, den "administrativen Übergängen" die Attribute zwischenstaatlicher Grenzübergänge zu verleihen, sagte Stefanovic gegenüber der Tageszeitung "Vecernje novosti" am heutigen Montag.

An den Grenzübergängen Jarinje und Brnjak im Nordkosovo müsste ein "besonderes Regime" herrschen, betonte Stefanovic. Was das heißt, sagte der serbische Diplomat nicht. Serben im Nordkosovo blockieren seit Mitte September die wichtigsten Verkehrswege in dem Landesteil, um gegen die Anwesenheit kosovarischer Zöllner an den zwei Grenzübergängen zu protestieren.

Vertreter der nordkosovarischen, vorwiegend serbischen Gemeinden hatten am Sonntag die im Dialog bisher erzielten Einigungen zurückgewiesen. Gleichzeitig wurde ein rund 30-köpfiges Juristenteam engagiert, um gegen Stefanovic vorzugehen, weil dieser die serbische Verfassung verletzt habe. Es sei das Recht eines jeden Bürgers, Strafverfahren einzuleiten oder Beschwerden beim Verfassungsgericht einzureichen, meinte Stefanovic heute Montag gegenüber der Tageszeitung "Danas".

Von den Resultaten im Dialog hängen größtenteils auch die derzeitigen Bemühungen Belgrads ab, im Dezember den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu erhalten. Stefanovic zufolge ist dafür ein Erfolg in einem der offenen Punkte erforderlich. Als "unbegründet" bezeichnete er die Befürchtungen Pristinas, dass Belgrad die erzielten Einigungen nicht umsetzen werde, wenn es den EU-Kandidatenstatus einmal hat. "Alle Vereinbarungen werden realisiert werden", unterstrich Stefanovic. Serbische Medien berichteten in den vergangenen Wochen, dass die Vereinbarung nicht einmal von der gesamten Regierung unterstützt werden, während die nationalistische Opposition kategorisch dagegen ist.

Der einstige serbische Außenminister Vuk Draskovic (2003-2007), dessen Serbische Erneuerungsbewegung (SPO) an der Regierungskoalition beteiligt ist, setzte sich am Montag erneut dafür ein, die Realität im Kosovo anzuerkennen und den Weg zu einem wirksamen Schutz von Rechten der Kosovo-Serben zu finden. Das größte Hindernis dafür sieht Draskovic in der Präambel der geltenden Verfassung, die den Kosovo als einen Bestandteil Serbiens behandelt. Sie würde Serbien in den Krieg drängen, warnte Draskovic am Montag gegenüber der Tageszeitung "Pres".

Die Verfassung behaupte, dass der Kosovo eine Provinz im staatlichen Rahmen Serbiens sei und dieses seine Souveränität wahren müsse. "Die Souveränität (über den Kosovo) können wir nur durch den Krieg, falls wir ihn gewinnen, wiedererrichten. Da ein solcher Krieg für den Staat und das ganze Volk tragisch wäre, bleibt uns nur eine einzige vernünftige Lösung - die entsprechenden Verfassungsbestimmungen für nicht umsetzbar zu erklären", so Draskovic. Er setze sich dafür ein, mit dem Kosovo, dessen Unabhängigkeit Belgrad nicht anzuerkennen brauche, "beste wirtschaftliche, geschäftliche, kulturelle und sonstige Beziehungen" zu errichten und sich "dem Schutz des serbischen Volkes und seines geistigen Erbes maximal" zu widmen. (APA)

kuq_e_zi
10
29.11.2011, 18:46
Diese EU-Rücksichtsnahme geht doch langsam auf die Nerven!

Sie soll endlich Klartext mit Serbien reden und diese "weder Fleisch noch Fisch"-Mentalität der Serben endlich abstrafen. Die Albaner setzen sämtliche Vereinbarungen um, heben den Wirtschaftsboykott auf, lassen serbische Waren wieder in die Republik Kosovo. Serbien setzt rein gar nichts um. Die Albaner sollten sich exakt überlegen, ob sie diese Spielchen der Serben mitspielen. Die Gespräche mit Serbien sollen an die Anerkennung der Republik, an die Entschuldigung wegen der begangener Verbrechen und an die Rückzahlung der Pensionen albanischer Pensionisten aus der YU-Zeit geknüpft werden.

binGeladen
00
28.11.2011, 20:22

marionettentheater

stan73
11
28.11.2011, 13:51
Ganz egal,. was die meisten Serben hier wiedervon Draskovic halten, aber unabhängig, was vorher von ihm gesagt wurde - das ist das wirklich Beste für alle Beteiligten.

Alle anderen Alternativen sind wiederum für ALLE (ohne Ausnahme) schlechter.

Toni Mayr
00
28.11.2011, 18:44

Jetzt aber die Frage: Draskovic war führend an den 2007er Verhandlungen beteiligt und wird vor vier Jahren keine andere Meinung gehabt haben. Warum haben dann die albanischen Betonköpfe keinen Kompromiss schliessen wollen und eine einseitige Unabhängigkeit beschlossen?

kuq_e_zi
00
29.11.2011, 18:35
Betonköpfe sind die Serben gewesen,

Sie Möchtegern Deutscher mit tschechischen Wurzeln! (HIHI!)
Zwischen Autonomie (die Albaner hatten ja bereits eine Autonomie innerhalb Serbiens, die Vergangenheit zeigt aber, was diese Autonomie den Albanern brachte!) und Unabhängigkeit gibt es keinen Kompromiss. Eines muss sich durchsetzen. Und doch schlug UN-Vermittler einen super Kompromiss vor: Überwachte Unabhängigkeit mit ausgesprochen starken Rechten für die Minderheit. Sämtliche Staatsinstitutionen sind multi-ethnisch. Die Fahne, Hymne etc dürften nicht albanisch geprägt sein. Die Serben haben gesichert 20 Plätze im Parlament. ;)

Toni Mayr
00
29.11.2011, 20:53

Dann verraten Sie mir mal, warum die sogenannte Kosovoarmee vor der Fahne des Nachbarstaates antritt? Warum hängt vor dem Gemeindeamt in Prizren die Fahne des Nachbarstaates? Und dann wundern sie sich bitte nicht, dass keiner ausser Albaner diesen Staat wünscht. Euer Nationalismus sucht seinesgleichen. In Europa ist ein solcher nicht mehr zu finden. Da muss man schon über den Bosporus fahren um ähnliches zu erleben.

kuq_e_zi
00
1.12.2011, 13:34

Die Armee des Kosovo tritt nicht vor der albanischen Fahne an. Das ist gänzlich verboten. Sie ist 1 mal vor der albanischen Fahne angetreten, als Premier Sali Berisha aus Albanien zu Besuch in der Republik Kosovo war.
Nicht nur in Prizren, nahezu an allen Gemeindehäusern hängt, neben der kosovarischen Fahne, auch die albanische. Genau so, wie in Gracanica, in Nord-Mitrovica, in Shterpce, in Ranilug, in Partesh etc die serbische Fahne hängt. Es geht aber nicht um diese Fahnen, sondern um die kosovarische. Die hat weder Rot noch Schwarz. Die Hymne hat keinen Text. Die Armee hat keine albanischen Wappen. Und ja, Albaner sind in der Regel eher nationalistisch, wie jeder am Balkan. Bei uns gibt's halt keinen religiösen Fanatismus, wie bei euch!

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