Pecik-Einstieg bei TA: Betriebsrat beharrt auf Staatsanteil

28. November 2011, 12:23
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Mitterlehner und Bures verweisen auf Fekter - Diese auf die ÖIAG

Telekom Austria-Betriebsratschef Walter Hotz hat kein Problem mit dem Einstieg des Investors Ronny Pecik bei Österreichs Marktführer für Mobilfunk und Internet, will aber zwei Punkte geklärt haben: Der Staatsanteil von 28 Prozent dürfe nicht verringert werden und die Telekom Austria müsse die Dividendenpolitik überdenken. "Die Dividende ist jetzt schon nicht leistbar", kritisierte Hotz am Montag im Gespräch mit der APA. Vor wenigen Tagen hatten die Analysten der Berenberg-Bank davor gewarnt, dass "die Untergrenze für die Dividende 2012 ziemlich angespannt ist". Bei der Präsentation der Neunmonatszahlen hatte Telekom-Chef Hannes Ametsreiter das Dividendenziel von 0,76 Euro je Aktie für die Jahre 2011 und 2012 allerdings bestätigt.

Kein Privatisierungsauftrag

Für eine weitere Privatisierung der Telekom Austria gibt es derzeit keinen Privatisierungsauftrag. Eine Zustimmung der Kanzlerpartei SPÖ zu einem weiteren Verkauf der Telekom gilt in SPÖ-Kreisen als unvorstellbar. Mitte November hatte Vizekanzler ÖVP-Chef Michael Spindelegger laut über einen weiteren Verkauf der Telekom bis zu einem Staatsanteil von 25 Prozent und einer Aktie nachgedacht, das Echo darauf war kaum zu hören. Die Telekom hatte eine Marktkapitalisierung von rund 4,7 Mrd. Euro. Die Dividende ist seit dem Jahr 2006 stabil bei 0,76 Euro je Aktie, davor war die Ausschüttung deutlich niedriger. Der Kurs der Telekom schwankte seit dem Börsegang im Jahr 2000 zwischen 5 und 22 Euro je Aktie. Der Ausgabekurs lag bei 9 Euro. Als Kaufpreis wird ein Preis je Aktie von gut 11 Euro in Medien kolportiert.

Verkauf an EU-Ausland verhindern

Um einen Verkauf der teilstaatlichen Telekom Austria ans EU-Ausland zu verhindern, novelliert die Regierung das Außenwirtschaftsgesetz. Beteiligungen ab der Schwelle von 25 Prozent an wichtigen Infrastrukturunternehmen müssen künftig vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden, sofern der Investor nicht aus der EU, dem EWR oder der Schweiz kommt. Eingebracht wurde der Abänderungsantrag von SP-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter gemeinsam mit ÖVP-Wirtschafts- und Energiesprecher Peter Haubner. 

Schweigsam

Zum Einstieg von Ronny Pecik bei der Telekom gibt sich die Regierung bisher recht schweigsam. Auf APA-Nachfrage verwiesen die Sprecher von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) und Infrastrukturministerin Doris Bures (S) auf die für die Staatsholding ÖIAG zuständige Finanzministerin Maria Fekter (V). Diese wiederum meinte auf APA-Anfrage, dies sei Zuständigkeit der ÖIAG, die sich dazu auch schon geäußert habe.

Die ÖIAG, die die Interessen der Republik gegenüber dem ehemaligen Monopolisten vertritt, gibt sich ebenfalls sehr bedeckt. Am vergangenen Samstag hieß es lediglich, man habe die Änderung der Aktionärsstruktur zur Kenntnis genommen. Ob ÖIAG-Chef Markus Beyrer schon Kontakt mit Pecik aufgenommen ist nicht bekannt. Telekom-Chef Hannes Ametsreiter und Betriebsratschef Hotz sollen sich dem Vernehmen nach schon mit dem schillernden Investor getroffen haben.

Untersuchungsausschuss

Eines ist jedenfalls fix: Wer bei der Telekom einsteigt, muss in den nächsten Monaten mit jeder Menge medialen Wirbel rechnen - schließlich ist die Telekom eines der zentralen Unternehmen im Visier des Untersuchungsausschusses des Parlaments zu zahlreichen Affären wie etwa Kursmanipulationen und angeblich gekaufte Politiker im Umfeld der Telekom. Die Justiz ermittelt und auch eine interne Task Force unter Leitung von Beyrer soll Aufklärung bringen. (APA)

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