"Family Literacy"

Eltern sollen bei der Leseförderung stärker unterstützt werden

28. November 2011, 10:56

Enquete stellt mehrere Modelle vor - Vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien sollen profitieren

Wien - Wie gut ein Kind lesen kann, hängt in Österreich stark mit seinem sozialen Umfeld und der Bildung seiner Eltern zusammen. Geht es nach Gerhard Falschlehner, Geschäftsführer des Buchklubs der Jugend, sollen deshalb Eltern aus niedrigen sozialen Schichten künftig stärker bei der Leseförderung ihrer Kinder unterstützt werden - und zwar durch sogenannte "Family Literacy"-Projekte, bei denen die Familie eingebunden wird. Bei einer gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium veranstalteten Enquete werden  mehrere solcher Modelle vorgestellt. Es soll zudem eine stärkere Vernetzung der "vielen kleinen Initiativen, die isoliert gute Arbeit leisten", diskutiert werden, so Falschlehner.

Initiativen vernetzen

Ziel der Enquete sei ein "Masterplan" für "Family Literacy": Dabei sollen bestehende Initiativen vernetzt und so Synergien genutzt werden. Auch öffentliche Willensbildung, um die wichtige Rolle der Eltern stärker zu kommunizieren, wäre aus Falschlehners Sicht ein wichtiger Punkt. Außerdem will er sich ein Beispiel an Deutschland nehmen. Dort habe man es geschafft, die Wirtschaft als Financier für Leseprojekte zu gewinnen, weil diese schließlich auch an Nachwuchskräften mit guten Lesekompetenzen interessiert sei.

Das Modell der "Family Literacy" ist laut Falschlehner in Europa schon seit den 1990ern verbreitet, in Österreich wurden nach den mittelmäßigen Leseergebnissen bei der PISA-Studie 2000 erste Projekte zur Förderung der Lesefreude in der Familie gestartet. Dabei würden aber gerade bei Schulen beliebte Projekte wie eine "Lesenacht" nicht jene erreichen, die Förderung am meisten bräuchten, und sie würden noch dazu nicht langfristig wirken. Bei der Enquete werden laut Falschlehner ausschließlich Projekte vorgestellt, bei denen auch ein nachhaltig positiver Effekt nachgewiesen wurde. Etwa das "Hippy-Hausbesuchsprogramm für Eltern von Kindern zwischen drei und sieben Jahren", bei dem Betreuer Familien aus bildungsfernen Schichten besuchen.

Wirksamkeit durch Studien belegt

Die Wirksamkeit von "Family Literacy"-Projekten ist laut Falschlehner durch Studien belegt. Er verweist u.a. auf ein Lesepartner-Projekt, bei dem Erwachsene und Kinder sich über eine Dauer von zwei bis drei Monaten fünfmal pro Woche abwechselnd mindestens zehn Minuten vorgelesen haben. Laut einer Evaluierung durch die Uni Salzburg hat sich bei der Hälfte der leseschwachen Kinder die Leseleistung bereits in diesem verhältnismäßig kurzen Zeitraum deutlich verbessert. (APA)

Kommentar posten
23 Postings
meine güte1
10
21.1.2012, 07:41
Es wäre höchste Zeit, einmal die Eltern zu unterstützen

In Ö. gilt es unter Lehrern ja selbstverständlich, dass die Eltern sich nachmittags mit ihren Kindern hinsetzen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen.

In anderen Ländern ist das definitiv NICHT so. Da gehen die Kinder morgens in die Schule und kommen spätnachmittags oder abends heim. Die Hausaufgaben sind selbstverständlich erledigt.

Manchmal frage ich mich, weswegen ich die Kinder überhaupt in die Schule schicke, wenn ich mich erst recht hinsetzen und den Kids alles von A-Z erklären muss, was eigentlich die Lehrer hätten tun sollen.

meine güte1
10
21.1.2012, 08:13
Und noch etwas:

Wenn ein Lehrer eine Klasse mit durschnittlich intelligenten Kindern vorgesetzt bekommt und dann regnet es bei einer Mathematik oder Englischschularbeit 4-er oder 5-er, dann heisst dass nichts anderes als:

"Ich als Lehrer habe es NICHT geschafft den Kindern etwas beizubringen."

Die Noten sagen tatsächlich mehr über die Lehrer aus als über die Schüler.

f.j.neffe
 
00
4.12.2011, 14:57
Förderung mit Druck oder Sog?

Je mehr in der Familie gelesen wird, desto stärker ist die SOGwirkung.
Wo nicht gelesen wird, wird meist DRUCK gemacht und damit ein noch schlechteres Ergebnis mit noch größerem Aufwand erzielt.
Die Pädagogik hat den Unterschied zwischen DRUCK und SOG noch nicht verstanden. In der neuen Ich-kann-Schule ist klar, dass Druck das Problem (und den Menschen) komprimiert; das ist das exakte Gegenteil von Lösung. Für Lösung brauche ich etwas, was ZIEHT.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

ZiS-Zeitung in der Schule
00
29.11.2011, 16:03
Vielen Dank dem Buchklub für seine Initiative zur Familiy Literacy Enquete!

Eine Vernetzung der einzelnen Initiativen zur Leseförderung ist dringend notwendig! Familien in ihrer täglichen Lesepraxis zu unterstützen, ist ein besonders wichtiges Anliegen. Wichtig ist aber auch das Zusammenwirken der Lesefördermaßnahmen auf allen Ebenen. Um Leseschwäche möglichst früh Maßnahmen entgegenzusetzen, sind gemeinsame Anstrengungen von Schule, Eltern, Leseinitiativen und Politik nötig. Im Sinne der Entwicklung eines breiten österreichweiten Angebots zur Leseförderung sollten öffentliche und private Bildungsinstitutionen ihre fachlichen und finanziellen Ressourcen partnerschaftlich mobilisieren.

kl41
00
29.11.2011, 09:37

Lieber Herr Falschlehner,
bei der zitierten Salzburger Studie war zentraler Inhalt, dass die leseschwachen Kinder NICHT mit Familienmitgliedern geübt haben, weil die meistens eh schon entweder verzweifelt die Nerven geschmissen oder von vornherein kein Interesse hatten. Mit dem Konzept der Family Literacy hat das also nichts zu tun.

Radio Eriwan
01
29.11.2011, 08:21
Komischer Verein

1948 wurde der Buchklub der Jugend als gemeinnütziger Verein zur Förderung des Lesens und der Kinder- und Jugendliteratur gegründet. Wie alle Institutionen, die parteiübergreifend tätig werden wollten und auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, wurden die Funktionärsposten proporzmäßig (im Stärkeverhältnis der politischen Parteien) durch Personen besetzt, die der einen oder anderen Partei 'nahestanden'. Der Buchklub, der noch heute besteht, beschäftigt sich mit Leseerziehung und Lesemotivation und konnte sich an Schulen dauerhaft verankern. Die Funktionäre werden hauptsächlich von der Lehrerschaft gestellt. In den ersten Jahrzehnten nach seinem Entstehen bildete er die organisatorische Basis des Kampfes gegen Schmutz und Schund.

absurdistanerin
03
29.11.2011, 05:40
" Auch öffentliche Willensbildung, um die wichtige Rolle der Eltern stärker zu kommunizieren, wäre aus Falschlehners Sicht ein wichtiger Punkt."

both thumbs up!!!
Ich kann mir aber schwer vorstellen, wie man konkret Eltern miteinbeziehen will, denen das Bewusstsein, die Zeit und die Wertigkeit für die Bildung ihrer Kinder nicht da ist. Verpflichten kann man sie schwer...

La Balance
12
28.11.2011, 22:17

Îch finde es interessant was der Steuerzahler indirekt bezahlen muss. Babysprachkoffer in Vorarlberg, Leseunterstützung für sozial schwache. Schön langsam bin ich dafür, dass jene, die die gesamte Verantwortung dem Staat zuschieben, auch Kindersteuern zahlen müssen. Ja es gehört in die Bildung unserer Kinder investiert, aber Eltern haben auch eine Pflicht! Wenn dies nicht verstanden wird, ab zur Nachschulung - beim Führerschein funktioniert das auch!

Spucks
00
2.12.2011, 18:57

Wenn schwache Kinder nicht gefördert werden, kostet das auf längere Sicht die Allgemeinheit weitaus mehr.

moki328
01
28.11.2011, 22:11
Ich finde, das ist eine großartige Idee,

die das Miteinander der Eltern und Kinder fördert! Bravo! Wenn ich in Pension bin, mache ich da mit und gehe auch zu Familien. das ist sicher sehr interessant. Wichtig ist es natürlich, interessante und altersgerechte Lektüre anzubieten, die Eltern und Kindern Spaß machen.

Eric der coole
50
28.11.2011, 20:08
so ein witz

Da man bei den Schulen bis zur Unkenntlichkeit besonders bei den allerschwächsten eingespart hat, was nur ging, oder auch längts zur Zerstörung des Integrationssystems führte, sollen jetzt wieder einmal die Eltern ausbuegeln. die nächste Bankrotterklärung des Systems. Den Erfindern dieser Mogelpackung fällt auch nicht mehr auf, dass die Eltern dafür Steuer zahlen, damit die Kinder in den Schulen das Notwendigste lernen!

Tethys
02
29.11.2011, 09:07

Lesen ist Üben, Üben, Üben!

Die Eltern geben ihre Kinder also um 8 Uhr ab, um 12 holen sie sie wieder. In der Schule ist der Lehrer verantwortlich und am Nachmittag daheim sind die Eltern nicht verantwortlich.

Hm, was machen Eltern in Ihrer Welt nochmal?

Eric der coole
00
30.11.2011, 12:42
angeblich

gehen manche sogar arbeiten....

Tethys
00
30.11.2011, 13:51

Und deshalb müssen die Kinder perfekt aus der Schule kommen? Eltern müssen gar nichts mehr beitragen??

Eric der coole
00
30.11.2011, 14:25
perfekt

wir sind Lichtjahre davon entfernt, unsere Kinder lesen lt. Eu nur mehr besser als bulgarische Kinder... Es würde genügen wenn die Eltern dieser "Problemkiner" PISA! wenigstens die primärbedürfnisse , Wohnung Kleidung usw, einwandfrei herstellen würden und die Schulen genug Stunden haetten, um den Kindern lesen beizubringen. auch da entfrenen wir uns immer mehr - weil nur mehr gekürzt wird, deswegen kommen diese absurden Forderungen - sollen*s halt die Eltern machen...

Tethys
00
1.12.2011, 10:44

Lesen geübt wurde eigentlich immer außerhalb des Unterrichts. Während des Unterrichts kann dies nur beschränkt funktionieren (da hat sich nicht so viel verändert). Nochmal: der Leseerfolg ist Übungssache.

nehmen Sie einen Klavierschüler: ein neues Stück gelernt wird im Unterricht, daheim wird geübt, geübt, geübt. Der Lehrer ist nicht dazu da, dass der Schüler auch wirklich übt. Wenn er nicht übt, bleibt er mit seiner Leistung zurück. Ist das die Schuld des Lehrers?

Eric der coole
00
1.12.2011, 14:00
Tatsache

und Problem ist etwas völlig anderes. Die Kinder haben zum Primärmedium längst andere Dinge gewählt (auch viele Eltern) Film, Internet, Handy usw. Ödes Lesen interessiert immer weniger (egal wie man dazu steht) Würde man Lesen endlich mit und über diese modernen Medien betreiben wäre man schneller und qualitätsvoller am Ziel anstatt ständig gegen den Widerstand der Kinder zu arbeiten. Aber auch das muesste Schule machen und nicht die Eltern, weil sie (vor allem die aus den nicht betuchten Schichten) einfach keine Zeit dazu haben. (im übrigen ist nicht alles ein Vergleich , was hinkt... Klavier und Lesen? lesen ist lebensnotwendig, Klavier nur bedingt für Profimusiker...)

Tethys
00
1.12.2011, 15:23

Beim Vergleich geht es um das Üben - wie in all meinen Postings.

Sie reißen ein völlig neues Thema an.

Rosa Stahl
00
29.11.2011, 13:05

die gehen arbeiten, weil das momentan in der Politik die ultima ratio ist. Fazit: viele Kinder sind bis 17 oder 18 Uhr in Horten untergebracht. Und danach sind sowohl die Großen alsauch die Kleinen einfach zu fertig, um Leseland zu spielen.

PS: bei uns zu Hause ist das zum Glück anders. ICh hab mich tatsächlich ab 12 Uhr um meine Volksschulkinder gekümmert. Und da hab ich viel von der Schule mitgekriegt, das hat aber der Lehrerin nicht gepasst, weil ich eben mit einigem nicht einverstanden war....

Tethys
01
29.11.2011, 14:37

Da wäre doch mal eine Studie angebracht, meinen Sie nicht?

Ihrer Überlegung zufolge müssten Kinder von Arbeitslosen (die sind ja "daheim") Spitzenleistungen beim Lesen erbringen, hingegen Kinder von arbeitenden Eltern müssten im hinteren Bereich des Leistungsfeldes zu finden sein.

Wenn Sie jetzt nochmal nachdenken: vielleicht gibt es noch andere Faktoren? Und vor allem: Sie gehen nicht auf mein Argument ein: Lehrer sind nicht die einzigen Verantwortlichen bei Bildung. In der Schule wird gelernt, Lesen ist Übungssache, lesende Eltern haben lesende Kinder etc. Also einfach den Lehrern alles umzuhängen, geht ein bisserl an der Problematik vorbei.

Rosa Stahl
02
29.11.2011, 16:36
aus eigener Erfahrung:

würde in den Schulen mehr am Wesentlichen, sprich in der Volksschule Lesen, Schreiben, Rechnen, unterrichtet anstatt ideologischer und sonstiger Murks, dann hätten auch die Kinder aus bildungsfernen Schichten mehr Chancen. Mit dutzenden Ausflügen, Theater, Debatten ums Vollkorn-Schulbrot, Tierschutzaktionen bis zum Erbrechen, etcetc

Ich habe übrigens als Mutter immer regen Anteil an den Schulen meiner Kinder genommen, bis heute. Und das haben manche Lehrkräfte überhaupt nicht gemocht.

Tethys
00
30.11.2011, 13:49

Wo steht Ihr Posting jetzt in Widerspruch zu meinem?

Nochmal: der Löwenanteil beim Lesen ist die Übung! Je mehr geübt wird, desto besser funktionieren die dafür nötigen Abläufe im Gehirn. Schulen bieten für "bildungsferne Schichten" sehr wohl Unterstützung an. Aber: Sie meinten ja, dass Kinder, die den ganzen Tag in der Schule sind, weil die Eltern arbeiten gehen, von Leseschwäche betroffen wären, weil nicht mit ihnen geübt wurde - "bildungsferne Schichten" sind von hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Dazu: siehe mein voriges Posting.

Rosa Stahl
01
29.11.2011, 13:05

die gehen arbeiten, weil das momentan in der Politik die ultima ratio ist. Fazit: viele Kinder sind bis 17 oder 18 Uhr in Horten untergebracht. Und danach sind sowohl die Großen alsauch die Kleinen einfach zu fertig, um Leseland zu spielen.

PS: bei uns zu Hause ist das zum Glück anders. ICh hab mich tatsächlich ab 12 Uhr um meine Volksschulkinder gekümmert. Und da hab ich viel von der Schule mitgekriegt, das hat aber der Lehrerin nicht gepasst, weil ich eben mit einigem nicht einverstanden war....

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