Zementierte Lohnschere der SchweizerInnen

28. November 2011, 11:07
4 Postings

Die Lohnschere bewegt sich auch in der Schweiz nur sehr schleppend in Richtung Schließung: 20 Prozent beträgt die Differenz

Bern - Der große Abstand zwischen ManagerInnen- und ArbeitnehmerInnenlöhnen in der Schweiz hat sich 2010 laut Lohnerhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) verringert. Dennoch sieht der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) eine weiterhin weit klaffende Lohnschere. Der Medianlohn der Führungskräfte sei immer noch doppelt so hoch wie der Medianlohn von Frauen ohne Führungsfunktion, heißt es in einer SGB-Mitteilung vom Montag.

Immerhin hätten sich die Frauenlöhne etwas verbessert, der Lohnunterschied belaufe sich aber immer noch auf rund 20 Prozent. Sollte sich dieser Unterschied um jährlich 0,9 Prozentpunkte verringern, würde es immer noch 40 Jahre dauern, bis die in der Verfassung garantierte Lohngleichheit herrscht.

Die Lohndifferenz der Angestellten und ArbeiterInnen zu den TopmanagerInnen sei nach wie vor extrem, schreibt der SGB weiter. Den Grund sieht die Organisation in der Bonus-Wirtschaft, mit der die Führungskräfte große Teile des Personalbudgets an sich selber ausschütteten.

Niedringlohnsektor

Auch das Niedriglohnproblem ist laut dem ArbeitnehmerInnendachverband nicht gelöst. Fast 11 Prozent der Beschäftigten müssten sich mit weniger als 4.000 Franken (3.265 Euro) im Monat begnügen - vor allem Frauen. Abhilfe schaffen will der SGB hier mit seiner Mindestlohninitiative. Für das Volksbegehren seien 125.000 Unterschriften zusammengekommen, eingereicht werde es im Jänner.

Laut Lohnstrukturerhebung 2010 des BFS ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern von 2008 bis 2010 von 19,3 auf 18,4 Prozent zurückgegangen. Das Ungleichgewicht sei teilweise durch strukturelle Unterschiede, beispielsweise im Bezug auf das Ausbildungsniveau, zu erklären, schrieb das BFS. Es lasse sich jedoch feststellen, dass auch bei gleichen Stellenprofilen das Lohnniveau der Frauen häufig unter demjenigen der Männer liege.

Der Medienanlohn betrug im Vorjahr 5.979 Franken. Am besten zahlte die Finanzwirtschaft - Schweizer Bankangestellte verdienten im Schnitt 9.357 Franken im Monat. (APA)

Share if you care.