Gefährliche Schatzsuche per GPS

27. November 2011, 20:07
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Boom "Geocaching" gerät außer Kontrolle - Immer wieder passieren Unfälle

Linz - Ein 47-Jähriger Mann verletzte sich schwer, als er in einem Luftschutzstollen aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Linzer Innenstadt fünf Meter in die Tiefe stürzte. Ein 40-jähriger Geschäftsmann kam in Bruck an der Großglocknerstraße zu Tode, als er auf einem abseits gelegenen Güterweg mit seinem Auto von der Straße abrutschte. Die tragischen Unfälle haben eines gemeinsam: Beide Männer verunglückten beim sogenannten Geocaching, der modernen Schatzsuche mit GPS.

Nichts scheint mehr vor den Schatzjägern sicher. In Höhlen, auf Felsvorsprüngen, an Brückenpfeilern, an Bahngleisen, in Abbruchhäusern oder in den Tiefen von Seen - den Verstecken sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Auf kostenlosen Datenbanken sind die Koordinaten der Verstecke zu finden, GPS-Geräte oder mittlerweile das Handy zeigen einem den Weg. Der "Cache" ist meistens eine Dose, in der sich ein Logbuch sowie verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Jeder trägt sich in das Logbuch ein und beschreibt den Fund online.

"Im Grunde genommen erhält man mit diesem System einen kompletten Reiseführer gratis", erklärt Daniel Sailer vom Infoportals www.geocache.at. "Es gibt zum Ziel eine genaue Wegbeschreibung inklusive der Angabe des Schwierigkeitsgrads, eine idiotensichere Karte, und unabhängige Dritte geben ihre Kommentare ab." Das ist für Sailer der Hauptgrund, warum Geocaching auch in Österreich derzeit boomt. 14.000 Schätze sind allein in Österreich (1,2 Millionen weltweit) versteckt, rund 30.000 Cacher (drei Millionen weltweit) machen sich auf die Suche danach.

Verstecke belegt 

Der Verein Naturfreunde ist im Gegensatz zum Alpenverein aufgesprungen. "Wir passen allerdings extrem auf, dass Geocaching fair zur Natur abläuft", erklärt Doris Wenischnigger von den Naturfreunden. Durch die Internetplattform sei der Sport ein Selbstläufer, der "nicht kontrollierbar ist".

Darum weiß auch Sailer. Die Community sei mittlerweile unüberschaubar. Der Leitgedanke "Rücksicht auf die Umwelt" stehe nicht bei jedem im Vordergrund. Auch der Grundidee, andere zu außergewöhnlichen Plätzen zu führen, gehe in dem Geocache-Hype unter. Auch immer mehr Jäger beschweren sich, dass durch die Rücksichtslosigkeit der Abenteurer Tiere gestört werden.

Wegen des Booms komme es bereits zu Platzmangel für neue Caches, heißt es auf dem Infoportal. Konsequenz: Es werden immer öfter riskante Verstecke ausgewählt. Und damit steige das Unfallrisiko. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 28.11.2011)

  • Es ist ein richtiger Hype geworden: Geocoaching
    foto: tirol werbung

    Es ist ein richtiger Hype geworden: Geocoaching

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