Post, traumatisch

Einserkastl27. November 2011, 19:59
98 Postings

Die Postler haben "Dienst als Vorschrift" wohl als Mittel des Protests erkannt

Der Post geht es gar nicht gut. In ihrer Verzweiflung nehmen - siehe TV-Werbung - sogar die Postkästen reißaus: Trari, trara, die Post ist nimmer da! Nicht immer ist aber eindeutig, ob die vielen amtlichen Fehlleistungen wegen Überarbeitung passieren - oder doch, weil die Postler "Dienst nach Vorschrift" als Mittel des Protests erkannt haben.

STANDARD-Leserin Eva R. etwa wundert sich, dass seit Monaten keine Packerln mehr ankommen. Stattdessen findet sie nun gelbe Zettel im Postkastl vor, die "erfolglose Zustellversuche" dokumentieren sollen - auch wenn Frau R. wegen kranker Kinder den ganzen Tag keinen Fuß vor die Tür gesetzt hat.

Die eigene Logik der Post durfte auch Leo L. kennenlernen, der mit anderen L.s in einem Familienhaus wohnt: Der Versuch, das Zumüllen der Postkästen mit Flugblättern mittels des dafür vorgesehenen "Bitte keine Werbung"-Stickers zu verhindern, wurde nicht einmal ignoriert.

Als L. den Postler unlängst beim Einschlichten weiteren Buntpapiers antrifft, weist er auf den Sticker hin. "Ist nicht richtig angebracht, gilt so für mich nicht", erklärt er. Außerdem: "Wenn wir jeden dieser Sticker ernstnehmen, gäb's bald keine Flugblätter mehr zum Austragen. Mit dem Resultat, dass wieder tausende Kollegen ihren Job verlieren." Leo L. ist ehrlich schockiert - und sorgt sich nun, ob das wirklich eine gute Strategie sein kann, um die Zukunft der Post zu sichern. (DER STANDARD Printausgabe, 28.11.2011)

Share if you care.