Freiheit der Zweisprachigkeit

27. November 2011, 19:23
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Die Pflege der Mehrsprachigkeit gibt Selbstbewusstsein und Mut. Impressionen und Eindrücke von der Vorausscheidung des Sag´s Multi-Redewettbewerbs

"Freiheit bedeutet für mich, meine Meinung frei äußern zu können", beschreibt die 12-jährige Laila. Danach wechselt sie in ihre Muttersprache arabisch. Sie ist eine von 301 Schülern, die letzte Woche zum Startschuss des Sag´s Multi Redewettbewerbs gekommen sind. Die Reden, die von einer Jury bewertet werden, sind in 35 Sprachen gehalten. Besonderes Novum stellt der mehrsprachige Wettbewerb für Schüler aus den Bundesländern dar - diese nehmen heuer zum ersten Mal teil.

Weiterentwickeln

Die Inhalte der Vorträgen sind vielfältig: persönliche-, politische- aber auch menschenrechtliche Themen werden von den Teilnehmern angesprochen. Andere reden sich von ihren Sorgen und Ängsten frei, plädieren für "echte Toleranz" und "Zusammenhalt" in einer multikulturellen Gesellschaft.

Was allen Redner gemeinsam haben ist die Courage und Motivation in so jungen Jahren an einem Redewettbewerb teilzunehmen. Ein Beispiel dafür ist einer der Vorjahressieger, Jonathan Zarifzadeh. "Seit meiner Teilnahme letztes Jahr, schäme ich mich nicht mehr für meine Sprache. Früher hatte ich Hemmungen, meine Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen", resümiert der 17-jährige mit iranischen Wurzeln.

Sensibilisierung durch Zuhören

Das Gespür für Sprachen hat sich auch aus der Sichtweise mancher Lehrer verändert: "Mir ist bewusst geworden, dass ich in meiner Klasse Kinder mit vielen unterschiedlichen Muttersprachen habe und ich habe gelernt, den Wert und die Bedeutung dieser Sprachen zu schätzen", unterstreicht Heidi Schitz von der HTL-Ettenreichgasse. Ihre Lehrer-Kollegin Marianne Fischer-Schraik vom Realgymnasium Gottschalkgasse hat ähnliche Erfahrungen gesammelt. "Ich versuche viel bewusster, auf alle Sprachen einzugehen und sie zu integrieren", sagt die Englisch- und Russisch-Lehrerin.

Forum für Meinungsäußerung

Für andere Vortragende ist der Wettbewerb eine Möglichkeit ihr Anliegen mit dem Publikum zu teilen: "Warum geht niemand protestieren, wenn zB. die Preise steigen? Wenn es aber um den Bau einer neuen Moschee geht, finden sich zahlreiche Menschen ein, um dagegen aufzutreten", fragt Ali Asghari in den Raum hinein. Der 19-jährige hält eine Rede zum Thema Freiheit in Demokratien und weist auf mögliche Fehlentwicklungen in der Gesellschaft hin. Zum Schluss appelliert er an die Zuhörer sich zu entscheiden: "Welche Art von Mensch sind sie meine Damen und Herren?".

Identitäsbildung

Für viele Teilnehmer ist die Erst- oder Muttersprache ein fester Bestandteil ihrer Identität geworden. Die 13-jährige Oliwia aus Polen vermisst ihr altes Heimatland zwar sehr, aber durch die Pflege der Sprache trägt sie einen Teil ihre Wurzeln mit sich, beschreibt sie. Sie schließt ihre Rede mit einem Vergleich ab: "Ich habe hier in Österreich alle Chancen und Möglichkeiten, es gibt hier keine Lehrer die bestechlich sind und ich werde mit guten Noten belohnt."
Neben den in Österreich seltener gesprochenen Sprachen wie Bangla, Tagalog oder Malayam hört man bei "Sag's Multi" auch die bekannteren Klänge des Türkischen, BKS oder Arabisch. Der Sprachwettbewerb ist ein Querschnitt durch die Schulklassen und sozialen Gruppierungen - eine Reise durch die Gedankenwelt österreichischer Schüler. (Toumaj Khakpour, 28.11.2011, daStandard.at)

  • Persönliche-, politische-  aber auch menschenrechtliche Themen wurden in den Reden angesprochen.
    foto: magdalena possert

    Persönliche-, politische-  aber auch menschenrechtliche Themen wurden in den Reden angesprochen.

  • Vor der Jury-Tür warteten die Teilnehmer mit den vorbereiteten Texten auf ihre Chance.
    foto: magdalena possert

    Vor der Jury-Tür warteten die Teilnehmer mit den vorbereiteten Texten auf ihre Chance.

  • Diese Gruppe hat es hinter sich und muss jetzt auf das Ergebniss warten.
    foto: magdalena possert

    Diese Gruppe hat es hinter sich und muss jetzt auf das Ergebniss warten.

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