Klimagipfel

Durban: Same Procedure As Every Year

Kommentar der anderen | Oliver Geden, 27. November 2011, 19:18
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    Oliver Geden: Weltklimaabkommen ist eine Illusion

Und wieder ein Klimagipfel - und einmal mehr die Frage, warum die EU-Verhandler unerreichbare Fernziele ansteuern, statt pragmatische Schritte im Hier und Jetzt zu propagieren - Plädoyer für einen Kurswechsel

Beim Weltklimagipfel in Durban steht die EU vor einem Dilemma. Soll die klimapolitisch nach wie vor ehrgeizigste Weltregion weiterhin auf eine hoffnungsfrohe Klimadiplomatie setzen, obwohl damit bisher kaum Fortschritte erzielt wurden und die globalen Treibhausgasemissionen im gleichen Zeitraum um ein Drittel gestiegen sind?

Nachdem der Kopenhagener Gipfel 2009 aufgrund überzogener Erwartungen spektakulär gescheitert war, hatte man im darauffolgenden Jahr eine vorsichtigere Herangehensweise gewählt. Von unrealistischen Hoffnungen entlastet, konnte die Konferenz in Cancún immerhin zeigen, dass die Klimadiplomatie noch funktionsfähig ist. Insofern überrascht es nicht, dass die EU auch für Durban eine eher zurückhaltende Verhandlungsstrategie wählt. Das Problem dabei: Aufgrund der ungebremst ansteigenden Emissionen und des nahenden Scheiterns des 2-Grad-Ziels taugt dieser Ansatz nicht als klimapolitische Lösungsstrategie.

Um diesem Dilemma zu entgehen, setzt die EU auf das klassische Handlungsmuster der Klimadiplomatie: Man nährt Hoffnungen auf einen großen Durchbruch in der Zukunft. Die Konferenz in Durban soll nach dem Willen der Europäer einen Fahrplan beschließen, der das Ziel vorgibt, bis 2015 einen umfassenden und völkerrechtlich verbindlichen Weltklimavertrag zu beschließen. Anzunehmen, dass es bis dahin zu einem tiefgreifenden Wandel der klimapolitischen Präferenzen von China, Indien oder den Vereinigten Staaten gekommen sein wird, scheint mehr als fragwürdig.

Die Einigung auf einen Fahrplan bis 2015 hätte für die EU-Klimadiplomatie allerdings den unschätzbaren Vorteil, dass man derzeit zwar keine wirklichen Fortschritte erzielen kann, aber durch Artikulation ambitionierter Zukunftspläne vier weitere Jahre Zeit gewinnt. Zu einem solchen Angebot werden wohl auch weniger ambitionierte Industrie- und Schwellenländer kaum Nein sagen können. Das Vorgehen erinnert stark an vergangene Phasen der Klimadiplomatie, etwa an die 2007 beschlossene "Bali-Roadmap", die beim Kopenhagener Gipfel zu einem umfassenden Weltklimavertrag hätte führen sollen.

Für die Klimapolitik wäre ein "Kopenhagen II" im Jahr 2015 fatal. Das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit des UN-Systems würde weiter erodieren, die Bereitschaft zur globalen Kooperation ebenso. Angesichts der ungebremst ansteigenden Emissionen und der zunehmend düsteren Prognosen prominenter Klimaforscher droht ein klimapolitischer Fatalismus, der technische Methoden der Klima-Manipulation (Geo-Engineering) vermutlich als letzten Ausweg erscheinen ließe.

Einen umfassenden, ambitionierten und zugleich mit wirksamen Sanktionsmechanismen ausgestatteten Weltklimavertrag wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Und selbst wenn sich eine Klimakonferenz je darauf einigen könnte, stünde ein mindestens fünfjähriger Ratifizierungsprozess bevor - selbst beim vergleichsweise eng gefassten Kioto-Protokoll dauerte dies sieben Jahre!

Statt die Zeit bis 2015 für mutmaßlich vergebliche Hoffnungen zu verwenden, sollte die EU den Realitäten ins Auge sehen und ernsthaft nach alternativen Wegen suchen - statt den derzeitigen Pfad der Klimadiplomatie für alternativlos zu erklären. Damit nähme sie weniger ehrgeizigen Akteuren auch die Möglichkeit, ihre Untätigkeit mit Verweis auf ein fehlendes globales Abkommen zu legitimieren.

Die globale Aufgabe der EU bestünde deshalb nicht zuletzt darin, zu beweisen, inwieweit eine wirksame Klimapolitik schon unter heutigen Bedingungen technologisch umsetzbar, versorgungssicherheitspolitisch sinnvoll und wirtschaftlich zumindest nicht nachteilig ist. Weltweit wird sich der Fokus auf pragmatische Schritte zur Emissionsreduktion verschieben müssen. Regionale Programme zur Anpassung an den Klimawandel werden einen größeren Stellenwert erhalten, aber auch flexible und anreizorientierte Kooperationsregime zwischen einzelnen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Denn Fortschritte bei der globalen Reduktion von Emissionen kann es nur dann geben, wenn entsprechende Politiken auch für Schlüsselstaaten wie USA, China und Indien anschlussfähig sind, wie etwa Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Erhöhung der Energieversorgungssicherheit.

Dies bedeutet keineswegs, dass die EU allein auf den "good will" der weltweit größten Emittenten angewiesen wäre. Sie kann auch versuchen, ihre Klimapolitik durch handelspolitische Maßnahmen zu globalisieren, etwa durch "Klimazölle" für Waren aus Ländern ohne CO2-Bepreisung. Dass die EU es ernst meint mit dem Klimaschutz, beweist sie weniger durch ihre Verhandlungspositionen in Durban. Weit wichtiger ist es zum Beispiel, beim aktuellen Streit um die Einbeziehung des interkontinentalen Luftverkehrs in den europäischen Emissionshandel hart zu bleiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2011)


Oliver Geden Jg. 1971, ist Kulturanthropologe und Experte für EU-Klimapolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

 

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Helmut Lippl1
00
29.11.2011, 00:36
die Sonne und die Galaxis werden wir nicht beinflussen können

Solange man davon ausgeht, dass die globale Erwärmung der Erdathmosphäre allein durch die Verminderung der anthropogenen Produktion von CO2 erzielt werden könnte, befindet man sich auf einem Wissensstand, der die neuesten Erkenntnisse der Grundlagenforschung nicht berücksichtigt. Dass diese Erkenntnisse von maßgeblichen politischen Kreisen ausgeblendet werden und keinen Eingang in die Überlegungen finden, ist so erstaunlich, als befände man sich im Zeitalter eines Galileo Galilei ; siehe: http://www.scribd.com/doc/61917... -Strahlung

1000undeine8
10
29.11.2011, 17:57

man kann die thesen ihres möchtegern-galileo einem ganz einfachen reality-check unterziehen.

hier der verlauf der kosmischen strahlung seit 1958:
http://helios.izmiran.rssi.ru/cosray/months.htm

hier der temperatur-verlauf seit 1958, gemeinsam mit dem verlauf der CO2-zunahme:
http://www.woodfortrees.org/plot/best... /normalise

hlg
00
1.12.2011, 07:04
nur weil das co2 zugleich mit der temperatur steigt...

muss es nicht die ursache der erwärmung sein.

http://www.woodfortrees.org/plot/best... /normalise

zeigt man ein wenig mehr der kurve, schaut das auch anders aus...

Searles
 
10
1.12.2011, 12:29

"zeigt man ein wenig mehr der kurve, schaut das auch anders aus..."

Weil man vor 1950 keine Daten von CO2 (in Hawaii) gibt, kanns das CO2 nicht gewesen sein?

NickKnarrkarton
00
30.11.2011, 00:49

Und jetzt erklären Sie uns bitte einmal konkret Ihre personal reality. Was haben diese Diagramme zu bedeuten und welche kausalen Zusammenhänge belegen/widerlegen sie fundiert (insbesondere nämlich welche Thesen des Vorposters) ?

1000undeine8
00
30.11.2011, 07:51

der vorposter zitiert eine arbeit, in der behauptet wird, dass die eintreffende kosmische strahlung über bildung von kondensations-keimen (wolkenbildung) das klima wesentlich beeinflusst. die these geht auf h. svensmark zurück, der 1984-95 eine korrelation von eintreffender kosmischer strahlung und globaler temperatur beobachtet hat. weitere experimentelle beweise gibt es keine.

in den diagrammen können sie überprüfen, wie gut diese korrelation über mehrere jahrzehnte ist. es stellt sich heraus, dass die ursprüngliche korrelation bloß auf auf einer temporären, zufälligen korrelation beruht und die erwärmung der letzten jahrzehnte keineswegs mit einer änderung der kosmischen strahlung einhergeht.

NickKnarrkarton
01
30.11.2011, 23:11

Ist eine Korrelation ein fundierter Beweis ?
Wieso ist die Korrelation betreffender Ihrer Theorien zur Erwärmung nicht Zufall ? (insbesondere mit dem Hintergrund, daß die genannten Faktoren auch nicht immer korrelieren)

1000undeine8
10
30.11.2011, 23:39

die temperatur korreliert nicht nur den treibhausgasen. der treibhauseffekt ist quantenphysikalisch erklärbar, in labor-experimenten und berechnungen quantifizierbar und schließlich in der atmosphäre messbar. obwohl kosmische strahlung eine physikalisch an und für sich plausible hypothese für wolkenbildung darstellt, hat sie einen haken: sie hat sich nicht verändert. sie schwankt wie immer im 11-jährigen zyklus (vom sonnenwind beeinflusst), es ist aber kein 11-jähriger zyklus in der wolkendecke zu beobachten. das lässt nur den schluss zu, dass es zumindest bei der derzeitigen kosmischen strahlung immer genug wolken-kondensationskeime gibt.

NickKnarrkarton
00
2.12.2011, 14:23

War zu erwarten, daß ich auf meine Fragen keine konkreten Antworten kriege.

1000undeine8
00
2.12.2011, 19:27

was erwarten sie? dass ich auf ihren plumpen versuch einsteige, die kausalität der beschriebenen prozesse (und deren nachweis) als bloße korrelation zu diskutieren?

NickKnarrkarton
01
2.12.2011, 21:22

Nein, daß Sie einmal einen einzigen kausalen Beweis liefern, erwartet von Ihnen ganz sicher niemand mehr. Sie haben mit Ihren Endlosschleifen weder irgendetwas bewiesen noch Svensmark, zu dessen Theorien man nun stehen kann wie man will, widerlegt. Ihre persönlichen Schlüsse sind nämlich für eine wissenschaftliche Objektivierung völlig unerheblich. Weil eine solche entsteht entgegen Ihrer Auffassung nicht durch eine Meinungsumfrage, sondern durch Fakten.

1000undeine8
00
2.12.2011, 21:49

ein spektrum der auf der erde eintreffenden gegenstrahlung:
http://journals.ametsoc.org/na101/hom... 7-f01.jpeg

sie macht im schnitt schlanke 300 watt pro quadratmeter aus, ist also in messungen nicht zu übersehen. ein faktum, mit spektrometern oder interferometern jederzeit nachprüfbar. was aber ihresgleichen niemals in betracht zu ziehen scheint. man will doch das sorgfältig zusammengestoppelte weltbild nicht gefährden.

NickKnarrkarton
00
4.12.2011, 02:30

Was genau wollen Sie damit jetzt belegen/widerlegen ?

1000undeine8
00
4.12.2011, 20:14

die 330 watt pro quadratmeter gegenstrahlung sind ein überprüfbares faktum, kein "persönlicher schluss" von mir und auch nicht das ergebnis einer "meinungsumfrage" (nickknarrkarton, 02.12.2011 21:22).

NickKnarrkarton
00
4.12.2011, 23:47

Schön, nur ist dieses Faktum Bestandteil einer 10 Jahre alten Studie mit 20 Jahre alten Zitaten, die ein ganz anderes Ziel verfolgt hat als Ihre Theorien zu bestätigen oder jene von Svensmark zu widerlegen.
Daher nochmals meine Frage: Was wollen sie damit belegen/widerlegen ?

1000undeine8
00
5.12.2011, 18:25

weiter oben haben sie gefragt "Wieso ist die Korrelation betreffender Ihrer Theorien zur Erwärmung nicht Zufall?" (30.11.2011 23:11). ich habe darauf verwiesen, dass es sich beim treibhauseffekt um keine bloße korrelation handelt, sondern um eine physikalisch verstandene kausalität. dann habe ich auf ein beispiel einer messung der eintreffenden gegenstrahlung verwiesen, die aus einer arbeit stammt, in der gezeigt wird, dass entsprechende berechnungen mit einer umfangreichen reihe messungen übereinstimmen. somit sind alle bedingungen erfüllt, die eine theorie erfüllen muss: kausalität, berechenbarkeit und reproduzierbarkeit.

NickKnarrkarton
11
8.12.2011, 14:53

Und falls Sie Svensmark damit widerlegen wollen, ist das auch in die Hose gegangen, denn Ihre Studie ist 10 Jahre alt, zitiert 20 Jahre alte Literatur und konnte alleine schon von daher nicht zum Ziel haben, die Theorien von Svensmark auf den Kopf zu stellen. Ganz abgesehen davon, daß sie sowieso ein anderes Ziel verfolgt hat, aber mit sowas beschäftigen Sie sich ja nur am Rande.

1000undeine8
10
8.12.2011, 16:06

ich will damit nicht svensmark widerlegen. die arbeit demonstiert grundsätzliches: sie können jederzeit atmosphärische parameter für einen punkt der erde nehmen, in strahlungstransfer-gleichungen einsetzen und das ergebnis mit messungen eines spektrometers vergleichen. das wäre die logisch-rationale vorgangsweise, die theorie objektiv zu prüfen. so wie sie die fallgeschwindigkeit von steine messen können, um die fallgesetze zu prüfen. abgesehen von technischen details ist das alter von messungen oder die ursprüngliche intention einer publikation jedenfalls kein rationales argument. oder stellen sie die fallgesetze in frage, weil sie 400 jahre alt sind?

NickKnarrkarton
11
8.12.2011, 14:50

Richtig, es sind alle Bedingungen erfüllt, die eine Theorie erfüllen muß. Ein Beleg dagegen schaut anders aus. Ganz unabhängig davon, daß Sie mir schon wieder nicht beantwortet haben, was konkret Sie eigentlich belegen wollen und die Korrelation in der Klimageschichte gar nicht immer gegeben war, sodaß Ihre Kausalitätsführung zwar - wie sie schon sagen - in einer netten Theorie mündet, aber eben die Kausalität an sich nicht belegen kann.

1000undeine8
10
8.12.2011, 16:27

wie oft muss ich denn noch andere klimafaktoren wie die umlaufbahn der erde um die sonne oder die zunahme der luminosität der sonne über erdgeschichtliche zeiträume erwähnen, damit die dämlich-naive forderung einer 1:1-korrelation zwischen CO2 und temperatur nicht mehr gestellt wird?

sie können die oben skizzierten experimente jederzeit am tag wie in der nacht durchführen. sie würden mit der einstrahlung einen zweiten klimafaktor variieren. sie werden feststellen, dass die langwellige gegenstrahlung aus der atmosphäre auch in der nacht existiert, obwohl die temperatur ingesamt deutlich tiefer liegen kann.

hlg
00
8.12.2011, 18:13
was aber natürlich...

stärker am wasserdampf und noch viel stärker an wolken liegt...

als an irgenwelchen fürzen...

1000undeine8
00
8.12.2011, 20:41

womit wir wieder einmal beim wasserdampf-feedback wären. aber lassen wir das. versuche, ihnen die clausius-clapeyron-beziehung näherzubringen oder den unterschied zwischen absoluter und relativer luftfeuchtigkeit, die sind ebenso aussichtsreich wie der versuch, einem laternenpfahl fahrradfahren beizubringen.

hlg
00
9.12.2011, 09:45
die feed-back-lapse-rate sache wieder...

genau wie immer:

es gibt eine ir strahlende mittlere atmosphärenschicht die genau die berechnete graukörpertemperatur aufweist...

drunter ist es wärmer und darüber kälter.

dazu sagen wir neuerdings treibhauseffekt.

wir könnten genauso treffend druckkochtopfeffekt dazu sagen.

aber ok. so ein laternenpfahl ist beim fahrradfahren lernen schonmal ein ausgangspunkt. solang man sich an dem festhält, fällt man wenigstens ned um...

von den im schnitt GEMESSENEN strahlungswerten...

welcher anteil davon ist anthropogen?

das alles sind ergebnisse aus simulationsrechnungen, die auf theorien aufbauen...

vor dem fahrradfahren lernen braucht man mal ein fahrrad, kein steckenpferd.

aleph null
00
3.12.2011, 01:34
Tolle Grafik,

wo auf der y-Achse nicht einmal die Einheit angegeben ist.

1000undeine8
00
3.12.2011, 08:07

die einheit wurde in diesem fall im text und in der legende zur abbildung angegeben, nicht in der graphik.

http://journals.ametsoc.org/doi/pdf/1... /JAS3300.1

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